Ausflugtipps

Zum Wohlfühlen: Die schönsten Sehnsuchtsorte im Norden

Die Seebrücke in Heiligenhafen

Die Seebrücke in Heiligenhafen

Foto: Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein

Die passenden Paradiese zum Traumwetter – Abendblatt-Redakteure stellen ihre persönlichen Lieblingsplätze vor.

Hamburg. Es gibt diesen einen Ort, der immer passt. Egal, wie das Wetter ist. Egal, welche Jahreszeit. Ob allein oder mit mehreren. Es ist dieser Sehnsuchtsort, der gar nicht weit weg sein muss. Für manche ist dieser Ort ein Stück Heimat, obwohl man dort nie gelebt hat. Abendblatt-Redakteure stellen ihre Orte vor, an denen sie sich wohlfühlen und zu Hause sind.


Kurhaus in Dangast

So richtig perfekt ist hier nichts. Der Strand ist schmal, die Promenade hat ihre besten Zeiten hinter sich, und der Campingplatz sieht aus, als wäre die Zeit vor 40 Jahren stehen geblieben. Aber irgendwie war es schon immer so und sehr wahrscheinlich kommen auch viele Besucher, weil Dangast eben nicht so durchdesignt ist wie andere Kurbäder. Zahlreiche Galerien, Ausstellungen und Kunstpfade gibt es in dem Dörfchen am Jadebusen zu besuchen – und manchmal stehen die Kunstwerke in der Gegend rum. Das Herz von Dangast schlägt rund um das alte Kurhaus, wo Familie Tapken seit Generationen den besten Rhabarberkuchen serviert. Dazu gibt’s einen einmaligen Blick aufs Wattenmeer und eben dieses ganz besondere Licht, das seit jeher Maler aus dem ganzen Land nach Dangast zog – im Grunde eigentlich doch ziemlich perfekt. (Juliane Kmieciak)

Kurhaus Dangast, An der Rennweide 46, Varel, Freitag–Sonntag 9 bis 19 Uhr. Übernachten: Hotel Graf Bentinck, Dauenser Str. 7, Varel, DZ ab 126 Euro, www.bentinck.de


Badestelle in Bergenhusen

Ich muss zugeben, dass mir der Kreis Schleswig-Flensburg jahrelang nicht sonderlich zugesagt hat. Zu flach und windig ist es dort, zu eintönig. Dann entdeckte ich den 750-Einwohner-Ort Bergenhusen. Er liegt auf einem Geest­rücken oberhalb der Eider-Treene-Sorge-Niederung. Mann kann also von oben sehr weit blicken. Weil hier strenge Naturschutzauflagen gelten, bewirtschaften die Bauern ihre Wiesen und Felder sehr zurückhaltend, Windräder sind nicht zu sehen. Ein absoluter Wohlfühlort mitten in diesem Paradies ist die Badestelle an Bergenhusens südlichem Zipfel. Der Fluss Alte Sorge, ein Nebenarm der Sorge, bildet hier eine Schleife. Hier zu baden ist unbeschreiblich. Man muss es ausprobieren.

In Friedrichstadt gibt es zahlreiche Restaurants und Bäckereien mit Landküche und norddeutschen Spezialitäten, zum Beispiel das „Aquarium“ oder die „Holländische Stube“. In Bergenhusen kann man im Landgasthof „Hoier-Boier“ essen. Zum Übernachten gibt es in Friedrichstadt oder Heide Hotels, ansonsten in Bergenhusen und Umgebung Ferienwohnungen und Pensionen. (Matthias Schmoock)


Seebrücke in St. Peter-Ording

Beschreitet man den Weg über die Seebrücke in St. Peter-Ording, begibt man sich auf einen Pfad durch Salzwiesen und Priele und landet am Ende auf dem Strand. Die teilweise wellenförmig geschwungene Brücke, die sich über einen Kilometer lang bis zum Meer erstreckt, lädt an mehreren Stellen zum Innehalten ein. Besonders spektakulär ist der Weg über die Brücke bei herbstlichem Nebel. Schier endlos erscheint sie einem dann – und die Salzwiesen links und rechts wirken wie eine verwunschene Landschaft. (Joana Ekrutt)

Tipp: Das Galerie Café im Richardshof. Es befindet sich in einem urigen Fachwerkhaus, es gibt selbst gebackenen Kuchen und einen Garten mit Strandkörben. Es liegt nicht im Ortskern, aber in gut fünf Minuten mit dem Rad zu erreichen. Adresse: Wittendüner Allee 84, Wittendün


Seebrücke Heiligenhafen
Seebrücken gibt es viele, und häufig haben sie etwas Spießiges an sich. Ganz anders dagegen ist das teilweise mehrgeschossige Modell in Heiligenhafen. Die Erlebnis-Seebrücke führt 435 Meter hinaus aufs Meer. Bei gutem Wetter blickt man bis nach Großenbrode und Fehmarn. Es gibt einen Kinderspielplatz und einen Wasserspielbereich, aber beides ist weit genug von den Holzliegen entfernt, dass einen das gelegentliche Kinderkreischen nicht stört. Wenn man eine der begehrten Einzel- oder Doppelliegen ergattert hat, gibt es eigentlich kaum einen Grund, so schnell wieder aufzustehen. Höchstens, wenn man durch die Seeluft so hungrig wird, dass man etwas essen muss – zum Beispiel gebratene Heringe für 10,90 Euro auf der Terrasse von Weinigel’s Fährhaus (Jachthafen 4b) oder Ostseescholle für 14,50 Euro im Restaurant Seestern am Hafen. (Elisabeth Jessen)


Sehlendorfer Strand

Eine breite Bucht zwischen zwei Steilküsten, weißer Sand und flaches Wasser – wenn dann noch die Sonne auf dem türkisblauen Wasser funkelt, wähnt man sich in der Karibik. Dabei liegt der Sehlendorfer Strand an der Ostsee, zwischen Hohwacht und dem Weißenhäuser Strand. Fast vier Kilometer ist er breit und bietet daher genügend Platz für Kiter, Segelboote und Surfer, Schwimmer und spielende Kinder. Wer nicht nur in der Sonne liegen will, kann einen Spaziergang ins nahe Vogelschutzgebiet Tivoli unternehmen. In den kleinen Buden hinter den Dünen Fischbrötchen, Eis oder Kuchen essen. Oder in östlicher Richtung am Wasser entlangschlendern, bis zur Steilküste, wo der Strand fast menschenleer ist. (Friederike Ulrich)

Wer seinen Strandaufenthalt aktiver gestalten möchte, kann zur Strandbude der Segelschule Surf and Sail schlendern. Dort gibt es alles, was auf dem Wasser Spaß macht: SUP-Boards, Kajaks, Surfbretter, Jollen und Katamarane. Ab dem 29. April geöffnet. www.surfandsail.de


Brodtener Steilufer

Wer zwischen Niendorf an der Ostsee und Travemünde spazieren geht, wird mit einem der besten Blicke im Norden belohnt. Wiesen, Felder und Wälder auf der einen Seite – und auf der anderen die Weite des Meeres. Vom Brodtener Steilufer aus schweift der Blick über die Lübecker Bucht und das angrenzende Mecklenburg. Schon Thomas Mann schwärmte von der Atmosphäre an dieser Küste – vor mehr als 100 Jahren verbrachte der Literat hier seine Sommerferien. Oder Sommerfrische, wie es damals hieß. (Melanie Wassink)


Amrums Nordspitze

Wo fängt der Himmel an, wo endet das Meer? Und warum hat es bislang noch niemand lebend geschafft, zur Nachbarinsel zu schwimmen? Diese Fragen stellt man sich an der nördlichsten Spitze der Insel Amrum. Direkt vor einem – zum Greifen nah – liegt Sylt. Rückt man den Blick ein bisschen nach rechts, taucht Föhr auf. Die Kinder suchen am Strand nach Austern, machen ihr Ding. Und die Eltern? Lassen ihr Flens ploppen, halten ihre Gesichter in die Sonne. Und sind glücklich. (Vera Fengler)

Anfahrt: Mit der Fähre ab Dagebüll nach Wittdün auf Amrum (120 Minuten über Föhr, direkt in ca. 90 Minuten), www.faehre.de. Dann weiter mit dem Bus bis zur Endhaltestelle nach Norddorf. Von dort zu Fuß oder – besser - mit dem Fahrrad über den Deich Richtung Dünen, bis man nicht mehr weiterkommt.

Katinger Watt
Umsonst und draußen, spannend und lehrreich: Der 3,4 Kilometer lange Rundweg am Rande des Vogelschutzgebietes Katinger Watt unweit des Eidersperrwerks ist ein Spaß für kleine und große Entdecker, um spielerisch den Naturerlebnisraum Wald/Wasser zu erkunden. Start ist am Parkplatz neben dem Aussichtsturm „Kiekut“. Langweilig wird es nicht, denn rund alle 500 Meter gibt es etwas Neues zu entdecken: ein Dschungelpfad und eine Bodensonnenuhr, ein Niedrigseilgarten und ein Schaubienenstand, wo man einen Blick in das Innere eines Bienenstocks werfen kann; ein Schneckenlabyrinth und eine Eisvogelhütte mit Blick auf den Priel. (Jan Haarmeyer)

Anfahrt: Vom Eidersperrwerk auf der K 41 Richtung Tönning. Nach rund drei Kilometern geht es links ab zum Aussichtsturm „Kiekut“. Nach dem Rundgang kann man sich mit leckeren Fischbrötchen im Fischbistro (Katinger Watt 1) direkt am Eidersperrwerk stärken. Gutes Essen und selbst gebackenen Kuchen gibt es auch nebenan im idyllisch gelegenen Café und Restaurant Mahre (Katinger Watt 3).


Strand in Nieblum auf Föhr

An der Surfschule von Dirk Hückstädt in Nieblum geht es über Holzbohlen zum Strand und dann rechts entlang. Dort hat er aus einem ausrangierten Surfboard eine Bank in den Sand gebaut – mit Rückenlehne. Wer diesen begehrten Platz ergattert, hat das Glück, bequem auf das Meer oder das Watt, je nach Gezeitenstand, schauen zu können. Minuten oder Stunden kann das dauern. Gerade Großstädter sind überrascht, dass das Starren Richtung Horizont einfach nicht langweilig wird. Das Meer, das Watt, Langeness und ab und zu die Fähre, die nach Amrum fährt; Surfer, Spaziergänger und Kinder im Sand. Total aufregend, total entspannend. (Genevieve Wood)

Nieblumer Windsurfing Schule am Strand in Nieblum, www.nws-foehr.de. Kaffee und selbst gebackenen Kuchen gibt s direkt an der Surfschule oder in Nieblum in der Föhrer Teestube in Nieblum (www.hof-pergande.de).


Steilküste auf Fehmarn

Mein Sehnsuchtsort ist auch eine Bank. Wobei, es ist eher eine Liege. Eine Doppelliege, mit genug Platz für zwei. Allerdings aus Holz. Mit einem hohem Rückenteil gegen den Wind. Und der Clou: Sie lässt sich drehen. Damit man keinen Meter von Steilküste und Horizont und keinen Sonnenstrahl verpasst. Und von diesen gibt es hier reichlich, denn dieses Meisterstück der öffentlichen Outdoor-Möblierung steht auf der Sonneninsel Fehmarn. Und zwar im Südosten, an der Steilküste zwischen Staberhuk und Katharinenhof. Ein Platz in erster Seereihe und trotzdem ohne Trubel. Nicht umsonst hat hier auch der Maler Ernst Ludwig Kirchner „sein Paradies“ erlebt. Und sollte der tragische Fall eintreten, dass sie doch einmal besetzt ist: Ein Stück den Weg weiter Richtung Norden kommt noch eine zweite. (Jule Bleyer)

Mit dem Fahrrad vom Südstrand aus an der Küste entlang, vorbei am Campingplatz Meeschendorf, links ab und auf der Landstraße 209 über Staberdorf bis Staberhuck. Kurz dahinter, am zauberhaften Küstenradweg bis Katharinenhof, haben Sie Ihr Ziel erreicht.


Nebelstation/Fischland

Ich sage nur: Weststrand, Sonnenuntergang, das klarste Ostseewasser der Welt. Und ich sage noch: fast menschenleer, Parkplätze gibt es erst wieder an der Surfstation bei Wustrow. Mehr sage ich nicht, außer vielleicht noch: Fischland. Das ist da, wo viele schon Darß sagen. Stimmt aber gar nicht. Das Künstlernest Ahrenshoop ist zwar in der Nähe, brauche ich aber nicht. Infrastruktur? Brauche ich auch nicht. Ich brauche nur diesen Strandaufgang, dessen kleines Wäldchen am Anfang wie ein Theatervorhang wirkt, weil dann nur noch Düne, Strandhafer, Wellen und Weite kommen. Außerdem mag ich den Namen „An der Nebelstation“. Mehr sage ich aber nicht. (Nico Binde)

Bis Rostock, dann über B 105 und L 21 bis Dierhagen oder Wustrow, Rad leihen, ab auf den Deich zwischen den beiden Orten und erst da halten, wo’s schön ist. Snacks gibt’s im Surfcenter Wustrow. www.surfcenter-wustrow.de