Corona-Pandemie

Kreuzfahrtkapitän Boris Becker ist in Hamburg gestrandet

Die „AidaBlu“ und die „AidaPerla“ liegen im Hamburger Hafen.

Die „AidaBlu“ und die „AidaPerla“ liegen im Hamburger Hafen.

Foto: Marcelo Hernandez / FUNKE Foto Services / MARCELO HERNANDEZ / FUNKE Foto Services

Mehrere Hundert Besatzungsmitglieder von Kreuzfahrtschiffen müssen in Hamburg bleiben – denn auch ihre Schiffe sind hier.

Hamburg.  Boris Becker, Kapitän der „AIDAperla“, wäre jetzt lieber mit Gästen und Crew auf den Weltmeeren unterwegs. Doch nun liegt er mit seinem Schiff im Cruise Terminal Steinwerder und sagt: „Hier haben wir die optimalen Bedingungen, die Heimreisen der Besatzungsmitglieder zu organisieren.“ Becker, der aus einer alteingesessenen Blankeneser Kapitäns- und Lotsenfamilie stammt, fügt hinzu: „Danke an Hamburg für die Gastfreundschaft. Wir fühlen uns hier wohl und gut aufgehoben.“

Wie der „AIDAperla“ geht es rund 450 anderen Kreuzfahrtschiffen auf der Welt: Die Corona-Pandemie hat alle Reisen bis auf Weiteres gestoppt. Wie stark die Flaute ist, lässt sich seit Wochen im Hamburger Hafen beobachten: Dort liegen täglich mehr als fünf Kreuzfahrtschiffe. Und warten darauf, dass sie wieder ablegen können. „Wir beschäftigen uns intensiv mit diesen Fragen“, sagte eine Sprecherin der Wirtschaftsbehörde. „Wir hoffen sehr, bald wieder Fahrt aufnehmen zu können und arbeiten mit Hochdruck an unterschiedlichen Szenarien“, betont Negar Etminan, Sprecherin von Hapag-Lloyd Cruises.

Kapitän Boris Becker dankt Hamburg

Drei von fünf Schiffen dieser Traditionsreederei sind derzeit in der Hansestadt mit reduzierter Crew zwischengeparkt. Je nach Größe müssen zwischen 50 und 80 Crewmitglieder an Bord arbeiten, um das Schiff betriebsbereit zu halten. Die MS „Europa“, das nach dem Berlitz Cruise Guide weltweit beste Kreuzfahrtschiff liegt am O’Swaldkai.

Die „Europa 2“ und das neue Expeditionsschiff „Hanseatic inspiration“ sind zwecks Reparatur- und Schönheitsarbeiten in der Werft Blohm + Voss. Während die MS „Bremen“ aus Neuseeland zurückgekehrt ist und jetzt die Rostocker Neptun Werft erreicht hat, werden die Garantie-Werftarbeiten für die ebenfalls neue „Hanseatic nature“ vorgezogen. Sie werden jetzt in der Vard Werft Norwegen durchgeführt, heißt es. So wird die Zwangspause sinnvoll genutzt.

Auch die MS „Hamburg“ von Plantours mit Sitz in Bremen absolvierte gerade bei Blohm + Voss eine umfangreiche Modernisierung (absenkbare Panoramafenster, Neugestaltung öffentlicher Räume). „Gegenwärtig liegt die MS ,Hamburg‘ in der Deutschen Bucht und wartet auf eine etwaige Wiederaufnahme des Fahrplans oder eines neuen Fahrplans“, sagt Plantours-Sprecher John Will.

Kapitän Boris Becker hat auf „AIDAperla“ auch ohne Gäste viel zu tun

Bei Aida Cruises sind alle 14 Kreuzfahrtschiffe fast um die halbe Welt verteilt. Im Cruise Terminal Hamburg-Steinwerder liegt neben der „AIDAperla“ auch die „AIDAblu“. Das sonst stark frequentierte und erst neu gebaute Terminal gleicht einer Geistersiedlung. Zahlreiche Crewmitglieder auf den AIDA-Schiffen hoffen nach Monaten auf ihre Heimreise.

„Wir arbeiten weiter an der Repatriierung, und zwar in Zusammenarbeit mit den Botschaften, Häfen, Gesundheitsämtern“, sagt Hansjörg Kunze, Vice President Communication und Sustainability. Auch in dieser Woche konnten asiatische Crew-Mitglieder endlich wieder nach Hause fliegen. Weltweit müssen nach Angaben der Seemannsmission bis zu 100.000 Seeleute auf Urlaubsschiffen ausharren. Die psychischen Belastungen seien enorm.

Kapitän Boris Becker hat auf der „AIDAperla“ auch ohne Gäste viel zu tun. „Momentan gliedert sich die Arbeit in drei große Teilbereiche: Die Aufrechterhaltung des Schiffsbetriebs, die laufende Organisation weiterer Heimreisen unserer Crewmitglieder und die Mitarbeit an Plänen für einen baldigen Neustart unserer Kreuzfahrten“, sagt er.

Dass es der Crew gut gehe, sei ihm ein besonders Anliegen. Dazu gehörten nicht nur eine gute Verpflegung in den Gästerestaurants, sondern auch soziale Aspekte. „So gut wie es die aktuelle Situation erlaubt, wollen wir unserer Crew natürlich auch Freizeitangebote und ein bisschen ‚Entertainment‘ bieten.“

Crew kann an Bord Deutschkurse belegen

Auf den in Hamburg stationierten Schiffen gibt es Angebote für Weiterbildung, Deutschkurse und Training. Außerdem ist es notwendig, dass die Kabinen und öffentliche Bereich regelmäßig gereinigt werden. Wasserhähne, Spülungen, Stromschalter müssten immer wieder betätigt werden, sagt Negar Etminan von Hapag-Lloyd Cruises. Seit Neuestem seien auch kurze Landgänge für die Crew möglich, stets in Absprache mit Hafenarzt und Gesundheitsamt.

Angaben über die Höhe der laufenden Unterhaltungskosten für die Schiffe wollten die Reedereien nicht machen. Sie sollen bei den großen US-amerikanischen Schiffen rund zwei Millionen Dollar im Monat betragen. Unterdessen hat die Hamburg Port Authority die Entgelte für die Reedereien deutlich reduziert. Konkrete Angaben wollte die Wirtschaftsbehörde „zum Schutze der Kunden“ nicht machen.

Es gelten Rabatte von 20 bis 100 Prozent. Eine Stundung der Zahlungen bis zum 31. Dezember 2020 sei möglich. „Unseren Hamburger Schutzschirm spannen wir auch über dem Hamburger Hafen aus“, verspricht Finanzsenator Andreas Dressel (SPD).

Wartende Kreuzfahrtschiffe: Kritik von Umweltschützern

Kritik von Umweltschützern und den Linken hatte es kürzlich daran gegeben, dass die in Hamburg wartenden Kreuzfahrtschiffe die Umwelt erheblich belasteten. Tatsächlich aber wird die MS „Europa 2“ ab kommender Woche am Liegeplatz Altona erneut Landstrom beziehen – eine umweltfreundliche Alternative.

Ansonsten werden die Schiffe während ihrer Liegezeit mit einem minimalen Energiebedarf eingerichtet. Bei den Hapag-Lloyd-Schiffen sei lediglich eine Maschine im Einsatz. Nach Reedereiangaben wird schwefelarmes Marine Gasöl 0,1 Prozent eingesetzt. Dadurch gehen die Emissionen deutlich zurück.