Grindavík/Potsdam (dpa/tmn). Nach einem Erdbeben am Wochenende ist die Erde unweit des isländischen Fischerortes Grindavík erneut aufgebrochen. Die Lava erreichte erste Häuser. Was heißt das für Touristen?

Wer derzeit Urlaub auf Island plant oder bereits vor Ort ist, sollte sich gut über die aktuelle Lage informieren. Denn der Vulkanausbruch auf der Halbinsel Reykjanes gilt als einer der schwersten seit 50 Jahren.

Seit Mitte Dezember strömt dort Lava aus einem kilometerlangen Riss. Nach einem Erdbeben in der Nacht zu Sonntag ist die Erde in der Nähe des Fischerortes Grindavík erneut aufgebrochen. Die Lava hat nun erste Häuser erreicht. Die isländischen Behörden haben für den Ort den Notstand ausgerufen. Das Gebiet ist gesperrt, schreibt das Auswärtige Amt in den aktuellen Sicherheitshinweisen zu Island.

Der etwa 30 Kilometer entfernte internationale Flughafen Keflavík sei bislang nicht betroffen. Über die aktuelle Lage vor Ort können Urlauber sich etwa beim isländischen Wetteramt sowie unter „RUV.is“ informieren - jeweils in englischer Sprache.

Vulkane locken immer wieder auch Schaulustige an, die die Naturgewalt aus nächster Nähe beobachten wollen. Doch so faszinierend für manche Leute Vulkane sein mögen, eines sollte klar sein: Ein Besuch kann sehr gefährlich werden. Neben heißer Lava können etwa auch giftige Dämpfe auftreten. Daher rät das Auswärtige Amt: „Leisten Sie den Anweisungen der lokalen Behörden unbedingt Folge.“

Abenteuer Vulkanausbruch

In vielen Regionen der Erde ziehen die weltweit mehr als 1500 aktiven Vulkane Touristen magisch an. Einen Überblick zu den Gebieten gibt etwa das Geo-Forschungs-Zentrum (GFZ) in Potsdam. Vulkane sind sehr unterschiedlich - und somit auch ihre Gefahren.

Lebenswichtig für einen Besuch ist eine gute Vorbereitung, sonst kann es sehr gefährlich werden. „Wiederholt kommen Touristen in lebensbedrohliche Situationen, leiden unter Erfrierungen oder werden durch Steinschläge oder Lavaströme verletzt“, warnt das GFZ.

Immer wieder kommen Menschen ums Leben, weil sie die Naturgewalt mit einer Sehenswürdigkeit verwechseln - zuletzt Anfang Dezember auf Sumatra. Dort starben über 20 Menschen nach dem Ausbruch des Marapi.

Ratschläge für Vulkanbesucher

Viele Tipps, die für Bergsteiger gelten, müssen auch Vulkanbesucher beachten, schreibt das GFZ: auf das Wetter, die Höhenlage sowie das Klima achten. Wanderschuhe, Bergausrüstung, genügend Wasser sowie einen Helm mitnehmen.

Zudem sollte man niemals die markierten Wege verlassen. Denn unter einer scheinbar festen Kruste kann sich glühend heiße Lava befinden. Zudem können heiße Gase und giftige Dämpfe aufsteigen. Vorhandene Sperrungen und Evakuierungsempfehlungen sollte man dringend beachten.

Es sollte klar sein: Vulkane sind „niemals gänzlich vorhersagbar“ und „Prognosen stets mit Unsicherheiten verbunden“, so das GFZ. Darum gilt: Angaben vor Ort kritisch prüfen. Zudem sollte man einen lokalen Guide anheuern. Das sei lebenswichtig, insbesondere in Regionen, in denen Besuchern die Sprache unbekannt ist.

Besuch eines aktiven Vulkans - Fluchtweg planen

Wer einen aktiven Vulkan besuchen will, sollte bereits bei der Ankunft seinen Fluchtweg planen, rät das GFZ. Etwa das Auto direkt in Fahrtrichtung wenden. Zudem sollte man stets Schutzkleidung und Atemschutz griffbereit haben.

Sollte es etwa zu dampfgetriebenen Explosionen kommen, sollte man während der Flucht die Flugbahn der Partikel im Blick behalten und unter Umständen die Richtung entsprechend ändern. Große Blöcke bieten keinen ausreichenden Schutz - „eine möglichst große Entfernung zum Explosionskrater schützt am besten“, so die Experten.

Bei den meisten Vulkangefahren ist es laut GFZ zu empfehlen, „nicht entlang von tiefen Tälern, sondern entlang höher gelegener Abschnitte abzusteigen“. Damit man sich nicht Materialbewegungen oder pyroklastischen Strömen - also Glutlawinen - aussetzt.

Wichtig ist, Ruhe zu bewahren und die Bergregeln weiter zu beachten. Zudem sollte man den Anweisungen der Bergrettung, des Zivilschutzes, der Polizei oder Feuerwehr unbedingt folgen.