Vancouver. Kanada ist das Land der unbegrenzten Ski-Möglichkeiten. Entlang des fast 8000 Kilometer langen Trans-Canada Highways finden Wintersportler Dutzende Skigebiete vom Pazifik bis zum Atlantik.

Ein weißes Ahornblatt auf grünem Grund weist den Weg quer durch das zweitgrößte Land der Welt. Rund 8000 Kilometer zieht sich der Trans-Canada Highway (TCH) vom Pazifik im Westen bis zum Atlantik im Osten. Nach dem National Highway 1 in Australien ist er die zweitlängste nationale Fernstraße der Welt.

Für Skifans aber ist die klare Nummer eins der TCH: An dem Highway mit dem Ahornblatt-Zeichen reihen sich Dutzende Skiresorts aneinander - vor allem in British Columbia (BC), Alberta und Québec. Wer wollte, könnte sie alle abklappern und einen mehrmonatigen Urlaub einreichen, um sich auf eine transkontinentale Skireise zu begeben.

Doch die Kombination mehrerer Resorts ist auch auf kürzeren Strecken möglich, buchbare Reisen haben einige Anbieter im Programm. Pionier ist der Deutsche Peter Stumböck, der schon vor mehr als 30 Jahren Urlaubergruppen in BC und Alberta auf solche Ski-Safaris schickte.

Auch nach seinem Tod im Jahr 2000 ist seine Idee ein Erfolgsrezept. Wie Surfer den Wellen jagen Stumböck- und andere Reisegruppen immer neuen Ski- und Naturerlebnissen sowie dem besten „Powder“ hinterher, dem Pulverschnee, auf dem sich geradezu schwerelos Skifahren und Snowboarden lässt.

Im Landesinneren ist die Qualität am besten, an den Küsten fällt dafür häufig mehr Schnee, vor allem an der Westküste in den sogenannten Coast Mountains. Dort sind auch Heliskiing-Anbieter wie Bella Coola und White Wilderness mit zahlreichen Lodges ansässig.

Viel „Powder“ im Westen

Auch auf Vancouver Island, dem westlichsten Startpunkt der wohl längsten Ski-Safari der Welt, fallen oft gigantische Schneemengen von rund elf Metern pro Jahr. Allein wegen des Blicks auf den Pazifik gilt der Mt. Washington als Geheimtipp.

Ausländische Gäste verirren sich nur selten in das kleine Resort, das gut eine Stunde nördlich des Highways liegt. „Das Skigebiet mit rund 80 Abfahrten und einer befahrbaren Fläche von sieben Quadratkilometern ist ideal für Familien und für alle, die abseits präparierter Pisten fahren möchten“, sagt Skilehrer Nigel Harrison, der am Fuße des Berges lebt.

Anders als in Europa darf man in Kanada Pisten verlassen und innerhalb der Skigebietsgrenzen, wenn von der Ski Patrol freigegeben, überall abfahren. „Wir schauen deshalb nicht auf die Zahl der Pisten, sondern auf die befahrbare Fläche“, erläutert Harrison.

Das größte Skigebiet Nordamerikas mit einer Fläche von 33 Quadratkilometern liegt fünf Autostunden vom Mt. Washington entfernt - für kanadische Verhältnisse ein Katzensprung. Ab Nanaimo geht es mit der Fähre, die als Teil des TCH gilt, rüber nach Whistler. Seit den Olympischen Spielen von Vancouver 2010 ist Whistler weltbekannt.

„Breite Genießerpisten, rasante Abfahrten und vor allem unendlich viel „Offpiste“-Gelände - Whistler ist einfach ein Traum“, schwärmt Kanadas früherer Freestyle-Champion Darryl Bowie, der für die Skischule Extremely Canadian Steilhang-Camps leitet.

Whistler ist ein Besuchermagnet. Einige kommen nur, um einmal mit der Peak2Peak-Gondel zu fahren. Auf Höhe der Mittelstationen verbindet sie die beiden Berge Blackcomb und Whistler Mountain über eine Distanz von 4,4 Kilometern. 436 Meter hoch schweben die Gondeln über dem Tal.

Zu den Pionieren in Whistler zählten Kanadas Rennlauf-Ikone Nancy Greene und ihr Mann Al Raine, bevor die beiden auf dem TCH nach Osten zogen und mit Sun Peaks ein neues Resort aufbauten. Ein zweites Whistler ist es nicht geworden.

Das Resort ist kleiner, der Berg nicht so anspruchsvoll, das Panorama weniger spektakulär. Dafür punktet Sun Peaks mit langen und breiten Abfahrten durch dichte Wälder und dörflichem Charme.

Ski-Paradies im Herzen von British Columbia

In Sachen Höhendifferenz ist Revelstoke die Nummer eins. Mit 1710 Metern ist das Resort Rekordhalter in Nordamerika. Außerdem ist das Städtchen am Columbia River „Kanadas Heliskiing-Hauptstadt“ mit Lodges von Anbietern wie Selkirk Tangiers, CMH und anderen. Die Berge der Selkirks und Bugaboos sind berühmt für feinsten Pulverschnee.

Das 2007 eröffnete Resort wächst genauso wie einst die Stadt, die eng mit der Geschichte der Trans-Canada-Eisenbahn verbunden ist. Die 1885 fertiggestellte Canadian Pacific Railway diente als Vorbild für den Trans-Canada Highway. Für beide Verkehrswege waren die Rocky Mountains die größte Herausforderung. Bis heute wird der Rogers Pass oft wegen starken Schneefalls gesperrt.

Wer es über den Pass schafft, wird in Golden mit einem anspruchsvollen Skigebiet und schöner Skihütte belohnt: Das „Eagles Eye“ thront wie ein Adlerhorst über Kicking Horse: Das Resort ist ein Austragungsort der Freeride World Tour, bei der sich die besten Freerider der Welt extreme Steilhänge hinunterstürzen.

Wer mehr Abwechslung sucht, macht einen Abstecher nach Süden. Dort liegt das abwechslungsreiche Skigebiet Panorama. Experten können sich mit einer umgebauten Pistenraupe zu entfernten Gipfeln und Freeride-Hängen fahren lassen.

Ski-Winter-Wonderland Banff Nationalpark

Fährt man von Golden aus weiter nach Osten, führt der TCH hoch in die Rockies vorbei an den berühmten Spiral Tunneln der Bahnlinie. Diese vollzieht innerhalb des Berges einen Richtungswechsel um 288 Grad. So kann man vom Highway aus beobachten, wie ein langer Zug einen Tunnel in die eine Richtung verlässt, während sein Ende in die entgegengesetzte Richtung noch in den Tunnel einfährt.

Mitten im Banff Nationalpark befindet sich Lake Louise. Der See mit dem berühmten Hotel „Fairmont Château Lake Louise“ unterhalb des Victoria-Gletschers liegt südlich, das Skigebiet Lake Louise direkt nördlich des Highways. Es ist abwechslungsreich und landschaftlich für viele das schönste.

Hunderte Gipfel steigen aus schier unendlichen Wäldern empor. Versteckt in einem Hochtal neben dem Highway liegt Banff Sunshine mit dem einzigen Berghotel inmitten eines Skigebiets in Kanada. Sunshine bietet auch die Geländeabfahrt „Delirium Dive“, eine der steilsten des Kontinents.

Bis Banff sind es nur noch 25 Autominuten. Der berühmteste Ferienort der Rockies liegt direkt am TCH. Am Hausberg Mt. Norquay lief 1927 der erste Lift. Heute können Skifahrer dank des SkiBig3-Verbunds Mt. Norquay, Banff Sunshine und Lake Louise mit einem Skipass nutzen.

Zwischen Banff und Calgary war Nakiska neben Lake Louise bei den Olympischen Spielen von Calgary 1988 Austragungsort der alpinen Skirennen. Nationalteams trainieren dort regelmäßig an der Ostflanke der Rockies, zu deren Füßen die Prärie beginnt.

Auch in Präriestaaten wird Ski gefahren

Die Provinzen Saskatchewan und Manitoba sind als Cowboy- und Farmer-Land bekannt. Mit Ochapowace (Saskatchewan) und Asessippi (Manitoba) bieten sie am TCH dennoch Mini-Skigebiete, genauso wie Ontario mit Mount Baldy am Lake Superior.

Der Skispaß dort ist angesichts von jeweils nur rund zehn Pistenkilometern mit gerade mal rund 150 Höhenmetern allerdings begrenzt.

Skifahren mit französischem Charme in Québec

Weiter westwärts in Québec geht es auf 230 bis 875 Metern wieder höher hinauf und hinein ins französische Herz Kanadas. Savoir Vivre wird vor den Toren von Montreal großgeschrieben. „Skifahren mag wichtig sein, Après-Ski aber auch“, lautet das Motto.

Mt. Tremblant ist das größte Skigebiet Québecs und die Lieblingsadresse der Genießer. Aber es geht auch sportlich: Das Gebiet mit 14 Liften und mehr als 100 markierten Abfahrten ist nicht umsonst Austragungsort von zwei Riesenslalom-Rennen im Weltcup.

Weiter östlich schließen sich am Highway auf der anderen Seite des Sankt-Lorenz-Stroms mit Mont-Sainte-Anne und Le Massif des Charlevoix die beiden anderen großen Skigebiete Québecs an.

Ski-Enthusiasmus am Atlantik

Wer auf dem langen Weg vom Pazifik bis zum Atlantik in jeder Provinz die Ski anschnallen will, findet überall „Local Hills“. Der Schnee wird zwar weniger und schlechter, der Enthusiasmus der örtlichen Skifans aber ist riesig.

New Brunswick, das für den höchsten Tidenhub der Welt in der Bay of Fundy berühmt ist, bietet am Crabbe Mountain immerhin 20 Pistenkilometer, der Brookvale Ski Park auf Prinz Edward Island fünf. Cape Smokey in Nova Scotia lockt auch nur mit sechs Pistenkilometern, dafür aber mit einem grandiosen Blick auf den Atlantik.

Von dort bis zum östlichsten Skigebiet Kanadas sind es noch einmal 1000 Kilometer, die man zum Teil mit der Fähre überbrückt. In Neufundland und Labrador führt der Trans-Canada Highway durch das kleine White Hills Resort. Es bildet Abschluss der wohl längsten Skisafari der Welt vom Powder im Westen bis zu eisig-harten Pisten im Osten.

Info: Auf Skisafari durch Kanada vom Pazifik bis zum Atlantik

Für Skifans ist ein Roadtrip auf dem TCH legendär. Kürzere Trips mit Highlights in Alberta und BC bieten Ski-Safari-Pionier Stumböck Club und viele weitere Veranstalter als geführte Gruppenreisen und individuell an. Weitere Anbieter sind Hagen Alpin Tours und Canusa.

An- und Einreise: Die meisten Flüge nach Kanada bietet Air Canada. Bundesbürgern reicht ein gültiger Reisepass und eine vorher online eingeholte elektronische Reisegenehmigung (eTA) zur Einreise.

Weitere Infos: Destination Canada