Kehl/Berlin (dpa/tmn). Im Winter an den Sommer denken, das bringt warme Gedanken, Vorfreude und ist im besten Fall gut für den Geldbeutel. Das ist aber nicht der einzige Grund, jetzt über die Urlaubsbuchung nachzudenken.

Gerade zwischen den Jahren und nach Silvester schauen viele Menschen, wohin sie in den Urlaub fahren könnten. Buchen mit viel Vorlauf - kann sich das lohnen? Die Frühbucherzahlen für den nächsten Sommer sind nach Angaben der Reisebranche jedenfalls schon jetzt vergleichsweise hoch. Doch auf was muss ich bei längerfristigen Buchungen achten? Wichtige Fragen und Antworten im Überblick:

Bis wann gibt es Frühbucherrabatte und lohnen sie sich?

Reiseveranstalter locken mit Rabatten, damit die Menschen möglichst frühzeitig Urlaub buchen - auch, weil das den Unternehmen, die Flug- und Hotelkontingente langfristig einkaufen, eine gewisse Planungssicherheit bringt.

Pauschalreisen 2024: Moderate Preissteigerungen erwartet

Während der Pandemie waren viele Menschen zurückhaltend bei langfristigen Reiseplanungen. Zu unsicher waren die Gegebenheiten, zu vieles konnte sich noch ändern bis zur Abreise. Inzwischen aber geht der Trend in die andere Richtung: zum Buchen mit viel Vorlauf. Die Frühbucherzahlen für den nächsten Sommer sind nach Angaben der Reisebranche schon jetzt vergleichsweise hoch.

Grundsätzlich werden Pauschalreisen im Jahr 2024 nicht günstiger, aber auch nicht viel teurer als 2023. Der Deutsche Reiseverband als Vertreter von Veranstaltern und Reisebüros rechnet mit allenfalls moderaten Preissteigerungen.

Geplante Ticketsteuererhöhung nicht einberechnet

Mehrere große Veranstalter gingen im Schnitt von Erhöhungen im mittleren einstelligen Prozentbereich aus. Darauf deuten auch Daten hin, die das Online-Portal Holidaycheck Mitte November in einer Frühbucheranalyse von Familien-Pauschalreisen für die Oster- und Sommerferien 2024 veröffentlicht hat: Bei den berücksichtigen Angeboten von 65 Veranstaltern gab es im Schnitt einen Preisanstieg von drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Von 2022 auf 2023 lag die Steigerung laut Analyse noch bei durchschnittlich elf Prozent.

Drei Prozent bedeuten bei einem angenommen Reisepreis von vormals 3000 Euro, dass dieser auf 3090 Euro steigen würde. Bei elf Prozent wären es 3330 Euro. Die Schätzungen geben den aktuellen Stand wieder (Ende 2023): Die von der Ampelkoalition geplante Ticketsteuererhöhung für Flüge etwa könnte die Preise noch nach oben beeinflussen.

Was eine Pauschalreise ausmacht

Eine Pauschalreise ist im Regelfall eine Kombination aus mindestens zwei Reiseleistungen, die unter einem Vertrag von einem Veranstalter zusammengestellt wurde: oft Flug und Hotel, ergänzt durch weitere Bausteine wie etwa ein Hoteltransfer.

Der Vorteil von Pauschalreisen ist die Absicherung. Durchkreuzen zum Beispiel Streiks oder Naturkatastrophen die Urlaubspläne, muss der Veranstalter Abhilfe schaffen und Reisende gegebenenfalls auch zurückholen.

Individualreisende sind Verbraucherschützerin Wojtal zufolge in solchen Fällen oft schlechter dran. Sie müssen sich mit mehreren Vertragspartnern - von der Airline bis zum Hotel - auseinandersetzen, sind auf sich gestellt und bleiben mitunter auf Kosten sitzen.

Teils gibt es Stichtage, bis zu denen Rabatte gewährt werden. Die liegen für die Sommersaison, die in der Regel Reisen ab Mai umfasst, oft Ende Januar, Ende Februar oder Ende März. Teils ist aber auch der Zeitraum bis zur geplanten Abreise maßgeblich - ob man beispielsweise 45 oder 90 Tage vorher bucht. Grob gesagt, gilt die einfache Regel: Wer ganz früh bucht, kann am meisten sparen.

Aber: Rabatte von bis zu 40, 50 oder gar 60 Prozent, die von den Veranstaltern teils für Reisen im nächsten Sommer ausgerufen wurden, klingen zwar verlockend, doch wie viel man am Ende wirklich spart im Vergleich zu den Normalpreisen, die nach den Stichtagen gelten, lässt sich kaum herausfinden.

„Die Preiskalkulation ist gerade auch bei Pauschalreisen überhaupt nicht transparent“, sagt Reiseexpertin Karolina Wojtal vom Europäischen Verbraucherzentrum (EVZ).

Darum ist ein wichtiger Tipp: Sich nicht nur von den Prozenten leiten lassen, sondern nüchtern die Gesamtpreise von den in Frage kommenden Pauschalreisen miteinander vergleichen und darauf achten, ob auch alle gewünschten Leistungen inbegriffen sind.

Denn wenn etwa der Transfer vom Flughafen zum Hotel bei einem Angebot nicht dabei ist, könnte der Urlaubsstart im Sommer mit einer sehr ärgerlichen, unerwarteten Ausgabe beginnen.

Am Ende, hält Verbraucherschützerin Wojtal fest, seien Reisen mit Frühbucherrabatten „schon günstiger“. Und sie bieten einen weiteren Vorteil: die Auswahl. Denn möglichst günstige Flugzeiten und das Wunschhotel in der Wunschregion zur Sommerferienzeit könnten vergriffen sein, wenn man zu spät bucht.

„Gerade für Familien mit Kindern empfiehlt es sich, rechtzeitig zu schauen“, empfiehlt Wojtal. Ihr Credo wäre: Lieber früh buchen, als auf Last Minute spekulieren.

Buchen die Menschen vermehrt früher?

Ja, die Maxime der Verbraucherschützerin scheinen wieder mehr Menschen zu teilen. Mit Tui Deutschland und DER Touristik berichteten die beiden größten deutschen Reiseveranstalter zuletzt von deutlich höheren Frühbucherzahlen für den Sommer - im Vergleich zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr und teils sogar im Vergleich zum letzten Vor-Corona-Jahr 2019.

Und die beliebteste Buchungszeit stehe erst noch bevor, heißt es bei Tui. Diese dürfte jetzt so langsam starten: Daten der Portale Expedia und FeWo-direkt aus dem Jahreswechselzeitraum 2022/2023 zeigten, dass viele Deutsche die Zeit zwischen den Jahren für ihre Urlaubsplanung nutzen. „Die letzte Dezemberwoche leitet in der Regel die neue Buchungssaison ein“, erklärt Expedia-Sprecherin Susanne Dopp.

Für Hotels und Ferienunterkünfte wie auch für Flüge und Mietwagen hätten die Buchungen für den Sommerurlaub laut den Daten aus der vergangenen Saison ab Anfang Januar deutlich angezogen, so Dopp. Insbesondere Ferienunterkünfte seien verstärkt im Januar gebucht worden.

Kommt man bei Online-Reiseportalen günstiger weg?

Es lohnt sich durchaus, solche Portale zu nutzen, um einen Überblick zu bekommen. Denn Anbieter wie Check24, Holidaycheck oder Weg.de vergleichen die Angebote einer Vielzahl von Reiseveranstaltern und bieten so eine breite Angebotsübersicht bei der Suche nach der Wunschreise.

Allerdings: Die Preisspanne bei den günstigsten angezeigten Pauschalreisen kann - bei gleichen Suchkriterien - groß sein und Tausende Euro betragen, hat die Stiftung Warentest bei einem Vergleich von 15 Online-Reiseportalen festgestellt („test“-Ausgabe 1/24).

Der Rat der Fachleute lautet deshalb: Gerade bei kurzfristigen Buchungen sollte man die Angebote für das Wunschreiseziel und den Wunschzeitraum bei mehreren Online-Reisebüros vergleichen. Doch auch bei Langfristbuchungen ist das zu empfehlen.

Verbraucherschützerin Wojtal hält die Portale für nützlich zur Reiseplanung, um das Angebot einzugrenzen: „Man kann praktische Filter nutzen, das ist prima.“ Sie rät aber dazu, Preise nicht nur zwischen den Portalen zu vergleichen. Wenn man ein konkretes Angebot im Auge hat, sollte man auch checken, ob es die Reise zu diesem oder einem ähnlichen Preis direkt beim Veranstalter gibt. „Wenn ja, würde ich dann immer dort buchen“, sagt sie.

Ihre Begründung: Wenn es zu Problemen kommt, etwa aufgrund kurzfristiger Flugzeitänderungen, werde es umso schwieriger, je mehr Parteien involviert sind, „insbesondere, wenn es zeitkritisch ist, also der Urlaub kurz bevorsteht“, sagt Wojtal. Dann kann es von Vorteil sein, den direkten Draht zum Reiseveranstalter zu haben.

Früh buchen, heißt früh binden: Wie sichert man sich gegen Eventualitäten ab?

Wer im Dezember für August bucht, legt sich acht Monate vorher fest. Dazwischen kann vieles passieren, was den Urlaub platzen lassen kann. Stornierungen sind dann oft nur gegen Gebühren möglich und die werden umso saftiger, je kurzfristiger vor der Reise die Absage erfolgt.

Gegen solche finanziellen Einbußen schützen kann eine Reiserücktrittsversicherung. Sie übernimmt mögliche Stornokosten, wenn ein abgesicherter Grund vorliegt. Das können zum Beispiel eine nicht vorhersehbare Erkrankung oder ein plötzlicher Jobverlust sein.

Für sehr gute Familien-Jahrespolicen, die Reisen bis zu einem Wert von 3000 Euro absichern, werden um die 150 Euro im Jahr fällig, hat die Zeitschrift „Finanztest“ in einem Vergleich ermittelt (Ausgabe 1/24). Je nach Höhe der abgesicherten Reisesumme steigen oder sinken die Kosten für die Versicherung, die sich laut den Fachleuten insbesondere für Familien und ältere Menschen empfiehlt.

Was die Policen nicht abdecken: Stornierungen, weil man ein besseres Angebot gefunden hat oder etwa keine Lust mehr aufs jeweilige Urlaubsland hat. Hier kommen Flex-Tarife ins Spiel.

Das Konzept: Gegen einen Aufpreis bei der Buchung ist eine Stornierung oder Umbuchung ohne Grund bis zu einem bestimmten Datum vor der Reise möglich, teils bis zu 30 Tage vorher, teils 15 Tage, teils sogar nur 10 Tage. Diese Fristen zeigen: Bei ganz kurzfristigen Problemen helfen die Tarife nicht mehr weiter, dann könnte wieder nur eine Reiserücktrittsversicherung gegen hohe Stornokosten absichern.

Karolina Wojtal bewertet Flex-Tarife bei Buchungen mit viel Vorlauf dennoch positiv: „Das ist wirklich eine große Freiheit, weil wir nicht wissen, was bis dahin mit uns und in der Welt passiert.“

Die Zusatzkosten könnten aber die mögliche Ersparnis durch den Frühbucherrabatt zunichtemachen. Dafür ist man eben flexibler.