München. Holz aus lokalen Forsten oder von eigenen Baumplantagen, recycelte oder biobasierte Kunststoffe und energieautarke Fabriken: Es tut sich was bei Ski- und Snowboardfirmen. Aber da ist Luft nach oben.

Mit grünem Gewissen die Schneepisten runterbrettern? Wer bei Wintersport an Nachhaltigkeit denkt, dem fällt vielleicht zuerst die Anreise ein: Ist schließlich die größte Stellschraube. Wer mit Fernbus oder Bahn kommt, anstatt mit dem eigenen Auto, hinterlässt zumindest einen deutlich geringeren CO2-Abdruck.

Dann kommen einem als Nächstes vielleicht Skigebiete und Ferienorte in den Sinn, die sich in dem Bereich hervortun. Sei es durch die Nutzung erneuerbarer Energien für den Betrieb von Liften und Hütten, mehr Skibusse für die Touristen oder umweltfreundlichere Antriebe für Pistenraupen - um nur einige Beispiele zu nennen.

Was lässt sich mit Blick auf Equipmentfirmen sagen? Ski, Snowboard, Stiefel? Mögen diese bei Fragen zu Umweltschutz und Nachhaltigkeit im Wintersport nicht an erster Stelle stehen, gibt es doch spannende Ansätze. „Es passiert sehr viel“, sagt Andreas König vom Deutschen Skiverband (DSV), der den Markt kennt und beobachtet.

Wintersport unter Beobachtung

Der Wintersport steht in Sachen Umweltschutz und Nachhaltigkeit nicht erst seit gestern unter besonderer Beobachtung. Der Betrieb der Pisten ist ressourcenintensiv - nur eines der Stichworte: künstliche Beschneiung. Immer wieder im Fokus der Kritik steht auch der Eingriff in die Bergwelt durch Gondeln und Lifte.

Gerade in Zeiten von Klima- und Energiekrise können sich auch die Hersteller von Wintersportequipment den Herausforderungen ökologischer Nachhaltigkeit nicht mehr verschließen. Diese sei zunehmend auch wichtiges Argument beim Ausrüstungskauf, hört man aus der Branche. „Grün“ verkauft sich also auch besser - zumindest in bestimmten Zielgruppen.

Und was genau machen die Hersteller? Bei Ski, Snowboards und Stiefeln verfolgen sie drei Ansätze: beim Material, bei der Produktion mit Blick auf Energieeinsatz und Lieferketten und beim Recycling.

Materialien: PET-Flaschen und Wasserlebewesen

Der deutsche Hersteller Völkl nutzt in seinem neuen Skimodell Blaze 114 erstmals die sogenannte „Green-Core-Technologie“. Die Hölzer seien FSC-zertifiziert, der Klebstoff umweltfreundlich und der Rest des Kernes bestehe aus Material, dass aus recycelten PET-Flaschen hergestellt sei.

Die Bindungsfirma Marker, die zum selben Konzern wie Völkl gehört, bringt in dieser Wintersaison mit der Cruise eine Skibindung auf den Markt, in der nur recycelte Kunststoffe und eine Art Bio-Kunststoff auf Basis von Rizinusöl verbaut sein sollen.

Alles keine Alleinstellungsmerkmale: Verschiedenste Ski- und Snowboardhersteller setzen auf Holzkerne aus zertifizierten Quellen oder regionalen Forstbeständen. Teils stammen sie von eigenen Baumplantagen.

Auch Wasserlebewesen kommen zum Einsatz: So verwendet WNDR Alpine aus den USA beim Ski Intention 108 unter anderem Kunststoffe auf biologischer Basis, zum Beispiel unter Verwendung von Algen. „In den Kernen und in den Seitenwangen der Ski funktionieren die ganz gut“, sagt Thorsten Böhl, der bei der Fachzeitschrift „Skimagazin“ die Skitests leitet.

Bei der nachhaltigen Skiproduktion sei in Sachen Materialien jedoch noch Luft nach oben. Andererseits seien manche Bestandteile in einem Ski nur schwer durch ressourcenschonende Alternativen zu ersetzen - Fiberglasmatten oder Carboneinlagen etwa.

Produktion: Kurze Lieferketten und eigene Energie

Wo viele Firmen nach Eindruck des Fachredakteurs derzeit hauptsächlich hinschauen, ist die Produktion. Wie lassen sich dabei Energie und Ressourcen einsparen?

Ein Hersteller, der sich Bemühungen in diesem Bereich auf die Fahne schreibt, ist die slowenische Firma Elan. Man sei der einzige Skihersteller, der seine Produkte an einem Ort entwirft, entwickelt und produziert.

Mit kurzen Lieferketten wolle man den Emissions-Fußabdruck vermindern. Laut Elan stammen gut zwei Drittel der Rohstoffe für die Produkte aus einem Umkreis von 400 Kilometern rund um den Firmensitz im nordslowenischen Begunje.

Eine ähnliche Rechnung macht die Snowboardmarke Capita auf, die ihre Bretter in einem Werk in Kärnten produziert. 98 Prozent des Materials für die Boards stammt demnach aus einem Umkreis von fünf Fahrstunden Fahrtzeit aus Österreich, Deutschland, der Schweiz und Slowenien.

Überhaupt, die Fabrik von Capita in der kleinen Gemeinde Feistritz an der Gail: Der Strom für die Produktion stammt demnach zu 100 Prozent aus Energie aus der Gail, die nebenan fließt, sowie den Solarpaneelen auf dem Dach. Dadurch fielen keine CO2-Emissionen an.

Der französische Hersteller Rossignol führt Investitionen im Standort Sallanches an. Das Ziel sei, dieses Werk zur weltweit führenden Fabrik für ökologisch konzipierte und recycelbare Ski und zu einem Kompetenzzentrum für Reparatur und „Second Life“ zu machen.

Recycling: Bei Ski noch limitierte Möglichkeiten

Das „zweite Leben“ der Materialien wäre besonders schön, wenn alle Bestandteile eines Skis ohne Weiteres wiederverwendbar wären. Das Problem ist das Trennen des Materialmixes, denn zum Recyceln müssen die Stoffe sortenrein - also einzeln - vorliegen.

„Das ist schwierig“, sagt DSV-Fachmann König. Stahlkanten, Titanalgurte, Kunststoffteile und Co. sind miteinander verklebt, teils sogar verschmolzen. Es kostet viel Energie, das auseinander zu dividieren. Kosten und Nutzen stehen oft in keinem Verhältnis.

Außer, man denkt schon in der Produktion an später - so wie Rossignol. Die Marke will sich mit ihrem neuen Skimodell Essential gar zur „Recycling-Referenz in der Ski-Industrie“ machen. Die Struktur des Skis ist auf Wiederverwendung der Materialien ausgelegt. Rossignol verspricht eine gegenüber traditionellen Ski zehnfach bessere Recyclingfähigkeit.

Die Kreislaufidee der Skischuhhersteller

Noch weiter sind in dem Bereich allerdings einige Skischuhhersteller. Die Boots haben laut DSV-Fachmann König bessere Voraussetzungen: Schraubt man Schnallen und weitere Anbauteile ab, bleibt eine reine Kunststoffschale.

Hersteller wie Tecnica und Dalbello treiben einschlägige Projekte voran. Bei Tecnica heißt es „Recycle your boots“. Das Prinzip: Wer ein neues Paar Schuhe kauft, kann sein altes abgeben - von welcher Marke dieses ist, spielt dabei keine Rolle. Die alten Skistiefel werden nach Italien in ein Sammelzentrum gebracht und dort zerlegt.

Laut Tecnica bleiben am Ende ein Kunststoffgranulat und Aluminium übrig - Ausgangsmaterial für neue Produkte. Einiges davon finde sich auch in der neuesten Version des Skistiefels Cochise wieder, der zudem so konstruiert sei, dass er sich leichter recyceln lasse. Ein Kreislauf, so die Idee.

Fazit: Auch beim Equipment, mit dem man den Berg runterrast, bewegt sich einges. Skitouren-Geher, die sehr naturnah unterwegs sind in den Bergen, sind laut Thorsten Bühl die Zielgruppe, die am stärksten auf Nachhaltigkeit Wert legen dürfte. Nicht umsonst ist etwa der Cochise-Stiefel auch tourengeeignet.

„Das aber sonst Kunden in ein Geschäft kommen und nach recycelten oder nachhaltigen Skiequipment fragen, glaube ich noch nicht“, sagt der „Skimagazin“-Experte. Da stünden Preis und Performance doch eher im Mittelpunkt des Interesses - noch. (dpa)