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Märchen-Schloss Neuschwanstein einmal ganz in Ruhe erleben

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Schloss Neuschwanstein, fotografiert von der Marienbrücke.

Schloss Neuschwanstein, fotografiert von der Marienbrücke.

Foto: Getty Images iStockphoto

Warum sich in diesem Herbst ein Besuch auf dem legendären Anwesen des Bayern-Königs Ludwig II. lohnt – und wie eine Führung in Corona-Zeit läuft

Neuschwanstein? Ja, das müsste man eigentlich selber mal besucht haben – aber diese Massen von Touristen, da hat man ja gar nichts davon und muss ewig auf eine Führung warten …

Seien wir ehrlich: Wer hat nicht schon einmal darüber nachgedacht, Deutschlands wohl bekannteste Sehenswürdigkeit selbst in Augenschein zu nehmen – und es dann doch nicht getan, weil man so viel von Abertausenden aus aller Welt gehört hat, die den Ort nahe Füssen fast immer überlaufen? Rund 1,5 Millionen Besucher pro Jahr zählte die Schlösserverwaltung in Corona-freien Zeiten, täglich mehr als 6000 Besucher schoben sich noch 2019 dicht gedrängt durch die prunkvollen Räume, die Bayerns König Ludwig II. im 19. Jahrhundert im Allgäu hatte errichten lassen.

Zurzeit keine internationalen Touristen vor Ort

Doch Corona hat viel verändert – auch das Reisen. Zurzeit kommt niemand aus den USA oder Asien nach Deutschland, um hier barocker Pracht längst vergangener Zeiten nachzuspüren. Vielmehr entdecken nun die Deutschen verstärkt ihr eigenes Land, und damit auch Ziele wie Neuschwanstein. Von „überlaufen“ kann rund um den Alpsee dennoch keine Rede mehr sein, schon gar nicht in diesem Herbst.

Nachdem das zwischenzeitlich ausgerufene Beherbergungsverbot für Reisende aus Risikogebieten aufgehoben worden ist, dürfen auch Berliner, Hamburger und Nordrhein-Westfalen wieder uneingeschränkt im Schwangau übernachten – zumindest so lange, wie sich nicht das Ostallgäu oder ganz Bayern im Lockdown befindet. Die beste Adresse für einen mehrtägigen Aufenthalt dort ist das Ameron Neuschwanstein, das 2019 eröffnet hat und beim Betrieb auf ein strenges Hygienekonzept setzt. Es besteht nicht nur aus zwei Neubauten mit modernen, komfortablen Zimmern, Spa-Bereich und großer Lobby, sondern umfasst auch einige historische Gebäude wie Alpenrose und Jägerhaus.

Beide sind richtig schön kitschig und super gelegen – und deutlich älter als das Schloss des bayerischen Märchenkönigs. Der gehörte bekanntlich dem Adelsgeschlecht der Wittelsbacher an. Schon seit Jahrhunderten hatten diese das Geschehen in Bayern bestimmt, als der Thronfolger am 25. August 1845 auf Schloss Nymphenburg in München das Licht der Welt erblickte. Seine Jugend verbrachte er weitgehend auf Schloss Hohenschwangau im Allgäu. Noch keine 21 Jahre alt, übernahm Ludwig II. 1864 die Krone und vollzog 1871 den Eintritt Bayerns in das Deutsche Kaiserreich.

Doch nicht wegen seiner politischen Entscheidungen ist der legendäre Bayern-König heute noch in aller Munde, sondern wegen seiner Leidenschaft für romantische Schlösser. So ließ er nicht nur Herrenchiemsee und Linderhof errichten, sondern setzte sich und dem Allgäu mit Neuschwanstein ein Denkmal, das bis heute die Massen elektrisiert. Dabei ist der Bau von innen nicht ganz so spektakulär, wie mancher vermutet.

Doch auch bei Schlössern ist es letztlich nicht viel anders als bei normalen Immobilien. Und worauf kommt es da vornehmlich an? Auf Lage, Lage, Lage! Und die könnte wahrlich nicht besser sein: Neuschwanstein, von Ludwig II. als eine Reminiszenz an frühere Epochen geplant, thront hoch über dem Schwangau und eröffnet einen traumhaften Blick auf die Umgebung.

Pferdekutschen fahren mit Hybridantrieb

Für Besucher hat das allerdings einen etwas anstrengenden Neben­effekt. Wer nicht sonderlich bei Puste ist, kommt beim gut halbstündlichen Gang vom Ort hinauf zum Schloss durchaus ein wenig ins Schwitzen. Einfacher geht es natürlich mit dem Bus, doch der fuhr neulich nicht, weil die Straße saniert wurde.

Zum Glück gibt es ja noch die Pferdekutschen, die einem für 7 Euro pro Person – bergab kostet es nur die Hälfte – das anstrengendste Stück der Strecke abnehmen. Übrigens nutzen diese Kutschen heutzutage einen teilelektrischem Hybridantrieb, sodass die zwei stämmigen Pferde selbst bei voller Beladung und ordentlicher Steigung nur noch 80 Kilogramm Zugkraft aufwenden müssen. Das hätte Ludwig II. gefallen, er selbst ließ ja schon damals im Schloss moderne Technik wie eine Sprechanlage mit Standleitung zur Dienerschaft einbauen.

Wer ein spektakuläres Fotos von Neuschwanstein schießen will, der sollte sich zunächst nicht Richtung Bauwerk orientieren, sondern einen Abstecher zur Marienbrücke machen. Diese verbindet die beiden Seiten der Pöllatschlucht schon seit 1845 und hat eine Spannweite von 35 Metern. Das Schloss selbst, welches übrigens Walt Disney später als Vorbild für sein Cinderella Castle diente, wurde erst in den Jahren nach 1869 gebaut. Vorher stand dort eine Ruine.

Führungen zurzeit nur in kleinen Gruppen

Auch wenn mancher Tourist hinterher sagt, das Schloss sei von außen weitaus beeindruckender als von innen, so lohnt es sich doch, rechtzeitig eine Karte für eine der Führungen zu ordern. Das sollte man mehrere Wochen vor dem geplanten Besuch tun – oder sich gleich morgens am Ticketschalter des Schlossverwaltung anstellen, um noch eine der Tageskarten zu ergattern. Zwar sind jetzt nicht so viele Besucher da wie zu Hoch-Zeiten, doch wegen Corona sind die jeweiligen Gruppen von rund 60 auf nunmehr nur noch zehn Personen reduziert worden. Zudem muss man bei dem knapp 30-minütigen Rundgang durch das Gemäuer Maske tragen und sich bei den Stopps auf gelben Abstandspunkten postieren.

Rund 20 Millionen Euro werden zurzeit in die Restaurierung des übrigens nie komplett zu Ende ausgebauten Schlosses investiert. Schon in neuem – oder besser: altem – Glanz präsentiert sich der Sängersaal, den Ludwig II. dem Vorbild der Wartburg bei Eisenach nachempfinden ließ. Auch der Thronsaal macht einen prächtigen Eindruck, während sich das etwas düstere Schlafgemach für einen Monarchen fast schon bescheiden gibt. Auch das Bett ist schmal – schließlich war Ludwig nicht verheiratet und hat auch nur wenige Monate seiner Zeit auf Neuschwanstein verbringen können, bevor er 1886 starb. Ob er tatsächlich freiwillig aus dem Leben schied, blieb Gegenstand zahlreicher Spekulationen. Klar ist: Es plagte ihn nicht nur eine krankhafte Persönlichkeitsstörung, auch die hohe Verschuldung durch Schloss-Projekte wie Neuschwanstein bereitete ihm Kummer.

Tipps und Infos:

Anreise: über A7 bis Füssen, weiter bis Hohenschwangau.

Unterkunft: z. B. Ameron Neuschwanstein Alpsee Resort & Spa, www.ameronhotels.com, Tel. 08362/70 30-0.

Schloss: Besichtigung nur mit Führung in Kleingruppen möglich, Karten (13 Euro) unter neuschwanstein.de. Wenige Restkarten am Ticket-Center. Aktuelle Corona-Regeln beachten!

(Die Reise erfolgte mit Unterstützung durch Ameron).