Herbst in den Bergen

Hoch hinaus im Pinzgau: Das bieten Saalfelden und Leogang

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Georg J. Schulz
Waghalsig den Berg hinab: Das geht hier auch mit dem Rad.

Waghalsig den Berg hinab: Das geht hier auch mit dem Rad.

Foto: WOM / Moritz Ablinger

Mehr als 20 seiner Hausgäste wollen Friedl Herbst an diesem Dienstagmorgen Mitte Oktober auf einer kleinen Wanderung rund um das Hotel Riederalm in Leogang begleiten, darunter auch einige Kinder. Ein spätsommerlich-sonniges Vergnügen wie noch vor zwei Wochen ist heute allerdings nicht zu erwarten: Das Wetter hat mittlerweile in den Nachsaison-Modus geschaltet, es zeigt sich im Tal kühl, feucht und grau, oben auf dem Berg fällt erster Schnee.

Gute 1,5 Stunden geht es mit dem Senior-Chef über Stock und Stein, wobei er alle Viertelstunde eine kleine Pause einlegt, um ein wenig über die Geschichte des Hotels und des Ortes, seine Attraktionen und die touristische Entwicklung in den vergangenen Jahrzehnten zu erzählen. Schnell wird jedem Zuhörer klar: Hier in den Bergen hängt eines am anderen, und nur wenn alle an einem Strang ziehen, kommt man gut voran.

Gastgeber setzen wegen des Klimawandels auch auf neue Attraktionen

So hatten Friedl Herbst und weitere Gastgeber von Leogang vor einigen Jahren die Idee, dem drohenden Klimawandel nicht nur mit mehr Beschneiungsanlagen für den Winter zu trotzen, sondern auch neue und ungewöhnliche Angebote zu schaffen, die jenseits der klassischen Ski-Saison funktionieren. Eines davon ist der spektakuläre Epic Bikepark, der jedes Jahr bis Anfang November geöffnet ist. Statt mit langen Brettern oder Snowboards in die Gondeln von Asitz- oder Steinbergbahn zu steigen, nehmen sportliche Urlauber in der schneefreien Zeit ihr Freeride- oder Mountainbike, um damit auf besonders präparierten Wegen den Berg hinunterzusausen – was auch den örtlichen Medizinern ähnlich viel Geschäft sichert wie beim klassischen Skizirkus.

Im Oktober 2020 war Leogang sogar Austragsort der Fahrrad-Downhill-Weltmeisterschaften

Dass Leogang im Oktober 2020 sogar Austragsort der Fahrrad-Downhill-Weltmeisterschaften sein würde, hätte sich Ende der 1980er-Jahre niemand in der Familie Eder träumen lassen. Sie betrieb damals in Leogang den Riederhof am Rande der Alm. Bergbauer Rupert Eder hatte allerdings schon ein Auge auf den Tourismus geworfen und plante, eine Skihütte mit Appartements und Gastronomie zu bauen, weil er den Hof eines Tages dem Älteren übergeben wollte und die anderen Kinder nicht leer ausgehen sollten. Und so kam Ende 1989 zum Riederhof die Riederalm hinzu, gelegen ein paar hundert Meter entfernt am Fuße der später oft zu grünen Skipiste, direkt am Riederfeldlift, aus dem dann die höher hinauf führende Asitz-Bergbahn wurde.

Friedl Herbst ist seit 1983 mit der Eder-Tochter Elfriede verheiratet – und übernahm zusammen mit seiner Frau alsbald die Rolle als Gastgeber auf der Riederalm. Doch nicht nur das: Obwohl gelernter Montage-Schlosser, entpuppte sich Friedl als lernfähiges touristisches Naturtalent und legte sogar beim Apres-Ski als DJ auf, während Gattin Elfriede die Kinder Thomas und Andreas im Blick behielt und Chefin im Büro war.

Stück für Stück und mit hohen Krediten wurde die Unterkunft in den Folgejahren zum familienfreundlichen Hotel ausgebaut, auch anderenorts entstanden neue und verbesserte Unterkünfte. Leogang, nun im Verbund mit dem benachbarten Saalfelden, nennt sich dank zahlreicher Aktivitäten vom Flying Fox über ein Bergbaumuseum bis hin zu Jazz-Konzerten inzwischen „die kontrastreichste Region der Alpen“. Auch die Riederalm selbst hat sich enorm weiterentwickelt, trägt mittlerweile als Vier-Sterne-Superior-Hotel mit 2000 Quadratmeter großem Familien-Wellnessbereich und dem neuen, kinderfreien Mountain Spa zu recht den Untertitel Good Life Resort.

Oben auf dem Berg Großer Asitz liegt im Oktober bereits der erste Neuschnee

In der Küche steht mit Sohn Andreas Herbst zudem ein Familienmitglied als Chefkoch am Herd, der bereits zwei Hauben vom Gault Millau verliehen bekam – und das nicht etwa für ein kleines Gourmet-Séparée, sondern für die normale 3/4-Pension der Hausgäste. Sein Credo: Fast alles, was in bis zu sechs Gängen abends auf den Tisch kommt, ist regionaler Herkunft, wenngleich fast immer mit pfiffigem internationalem Touch zubereitet.

So schön es im Hotel selbst ist, so sehr lockt natürlich auch die Umgebung. Vor allem Flachländer können es kaum erwarten, mit der Seilbahn hinauf zum Großen Asitz zu gondeln. Die obligatorische Gästekarte, offiziell Saalfelden Leogang Card genannt, berechtigt bis 8. November einmal täglich zur kostenfreien Fahrt mit Asitz- und Steinbergbahn sowie bis zu vier Fahrten in Saalbach Hinterglemm. Im Winter ist immerhin noch eine Berg- und Talfahrt mit Asitz- oder Steinbergbahn inkludiert.

Oben angekommen, reicht der Blick nicht sonderlich weit, weil die Wolken heute tief hängen. Doch dafür entschädigt eine unerwartet prachtvolle Winterlandschaft mit verschneiten Hängen und weißen Tannenwipfeln. Wäre es noch (oder wieder) herbstlich bei guter Sicht, könnte man auf bis zu 1900 Meter Höhe ausgedehnte Spaziergänge auf abwechslungsreichen Wander­wegen unternehmen oder den Berg bis zur Mittel- oder Basisstation hinunterkraxeln. Uns zieht es alsbald lieber in die Alte Schmiede, die zurzeit noch einzige offene Hütte an der Bergstation. In urigem Ambiente kommen dort Klassiker wie Apfelstrudel und Kasnocken auf den Tisch, serviert von Kellnern mit Corona-Schutzvisier, Holzfällerhemd und zünftiger Lederhose.

Eine neue Corona-Reisewarnung aus Deutschland „wäre schon ein harter Schlag“

Dass sich die Region schon auf dem Weg in die Spätherbst-Pause befindet, wird beim Abstecher nach Zell am See deutlich. Nur wenige Touristen schlendern noch durch den vor Corona bei internationalen Gästen beliebten Ferienort, ein paar Boote dümpeln verlassen auf dem Wasser. Das Grand Hotel hat bis Dezember geschlossen, ebenso die Brasserie Traube und das eine oder andere Geschäft. Überall im Salzburger Land blickt man gespannt darauf, wie sich die Corona-Zahlen weiter entwickeln – denn davon wird abhängen, ob es eine akzeptable Wintersaison geben wird oder nicht. Der Bezirk Pinzgau, in dem Leogang, Saalfelden und Zell am See liegen, hatte seit Sommer im Landesvergleich sehr niedrige Inzidenzen – und das Hotel Riederalm, das seine Mitarbeiter regelmäßig testet, keinen einzigen Fall. Dennoch droht angesichts der Gesamtlage nun eine Reisewarnung aus Deutschland. „Für uns“, sagt Friedl Herbst, „wäre das schon ein sehr harter Schlag.“

Wie viele Infektionen? Österreich zeigt die aktuelle Lage per Corona-Ampel an

Tipps und Infos:
Anreise: etwa mit dem Auto über Kufstein oder Salzburg. Unterkunft: etwa im Good Life Resort „die Riederalm“ in Leogang, www.riederalm.com; weitere Tipps unter www.saalfelden-leogang.com

Corona: Österreich hat unter corona-ampel.gv.at alle Bezirke in Risikogruppen von grün über gelb und orange bis rot aufgeteilt. Das Pinzgau war – anders als weite Teile Tirols, Wien und Vorarlberg – zum Zeitpunkt der Reise grün und ist am 23. Oktober von gelb auf rot gesprungen. Eine Warnung des RKI erfolgte am 22. Oktober (mit Wirkung zum 24.) für das ganze Salzburger Land, ebenso wurden nun auch Oberösterreich, Niederösterreich, Burgenland und Steiermark zum Risikogebiet erklärt.

Zu möglichen Beschränkungen in naher Zukunft sagt Sören Kliemann, Geschäftsführer der Österreich Werbung in Deutschland: „Wir nehmen Reisewarnungen zur Kenntnis und tun alles für eine Verbesserung der Situation – für unser aller Gesundheit gelten in Österreich zahlreiche Maßnahmen, um den Aufenthalt sicher und erholsam zu gestalten. In Supermärkten, öffentlichen Verkehrsmitteln und Seilbahnen ist unter anderem ein Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Gastronomie und Unterkünfte achten als verantwortungsvolle Gastgeber auf die Sicherheit der Gäste. Ein Testing-System für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Tourismus sorgt zusätzlich dafür, dass etwaige Fälle frühzeitig erkannt werden. Und um auch die Wintersaison sicher zu gestalten und zu ermöglichen, hat die österreichische Bundesregierung ein Paket für einen sicheren Wintertourismus in Österreich mit konkreten Maßnahmen geschnürt. Den genauen Leitfaden und stets aktuelle Informationen findet man auf www.sichere-gastfreundschaft.at.“

(Die Reise erfolgte mit Unterstützung durch A.R.T., Rieder­alm und Austria Info.)

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