Osteuropa für Entdecker

Neues wagen: Wie wäre es mit Abenteuer an der kroatischen Adria-Küste, Urlaub in Rumäniens Bergen oder Angeln am Balaton?

Aufregende Städte, unberührte ­Natur, Stranderholung oder Wanderurlaub: Wenn es mal nicht Italien, Spanien oder Griechenland sein soll, hat Osteuropa viel zu bieten. Wer gern Neues entdeckt, ist hier genau richtig. Und günstiger ist Urlaub hier oft auch: Kostete ein Doppelzimmer in Venedig 2016 im Durchschnitt 175 Euro, zahlt man in Budapest nur 80 Euro. Für ein Bier zahlt man in Frankreich fünf, in Italien vier Euro, in Kroatien dagegen nur zwei und in Bulgarien nur einen Euro.

Kroatiens Leuchttürme
Wo früher Leuchttürme Seefahrern an der zerklüfteten Adria-Küste Kroatiens die Richtung wiesen, können heute Feriengäste Urlaub machen. Sie haben die Auswahl zwischen 15 Leuchttürmen, die alle noch in Betrieb sind. Strom ist vorhanden, Wasser steht in großen Zisternen bereit, nur die Verpflegung müssen die Teilzeit-Abenteurer selbst mit­bringen. Jeder Leuchtturm hat sein ganz eigenes Profil. Auf Palagruza verrät der Leuchtturmwärter auf Nachfrage die besten Angelplätze der Insel, Tauchen und Schnorcheln lohnt vor allem am Leuchtturm Sveti Ivan, in Veli Rat steht im Hof des Leuchtturms eine kleine ­Kirche, ideal für eine romantische Hochzeit. Die Preise beginnen je nach Saison und Leuchtturm bei 40 Euro pro Person und enden bei 1300 Euro pro Woche für bis zu vier Personen. Auf Wunsch organisieren die Vermieter den Shuttlevom Flughafen auf die Wunschinsel.


Serbiens schrillstes Fest

Pauken und Trompeten verwandeln das kleine serbische Dörfchen Guca jedes Jahr im August für fünf Tage in einen Hexenkessel. Dann dreht sich alles um mitreißende Blasmusik, die auf dem Balkan die Menschen von der Taufe über Hochzeiten und Familienfeiern bis zu Beerdigungen begleitet. Sie schlägt in Guca inzwischen regelmäßig knapp 500.000 Zuhörer in ihren Bann. Der Eintritt ist frei, dazu gibt es Unmengen Grillfleisch, Bier und Traubenschnaps fließen hektoliterweise. Während beim ersten Festival 1961 gerade einmal vier Trompetenorchester auftraten, müssen sich heute die 20 teilnehmenden Orchester in landesweiten Vorausscheiden qualifizieren. Vom 9. bis 13. August ­zeigen die Kapellen im Kampf um die Goldene Trompete, was sie können. Der Gewinner erhält gut dotierte Verträge im ganzen Land. Wem Zuhören und Feiern nicht genug ist, kann in verschiedenen Workshops selbst aktiv werden. Für die Dauer des Festivals vermieten viele der 3000 Einwohner in Guca Zimmer (drei Übernachtungen mit Frühstück etwa 115 bis 150 Euro pro Person, www.guca.rs).


Rumäniens Aktivziele
Egal, ob Radfahren oder Wandern durch abwechslungsreiche, unberührte Natur, Klettern oder Reiten – wer gern draußen unterwegs ist, kann in Rumänien viel erleben. Zu den Höhepunkten zählen Vogelbeobachtungen am Donaudelta, die Besichtigung verschiedener Höhlen, geführte Touren in den Karpaten auf den Spuren von Wölfen sowie Expeditionen mit Rangern, um Braunbären aus sicherer Entfernung zu beobachten. Inzwischen gibt es zahlreiche Gastgeber, die sich auf Aktivurlauber eingestellt ­haben. So wie Jordi Kromwijk und Bente Haller. Das Paar aus den Niederlanden war so hingerissen von Rumänien, dass sie den Umzug wagten und 2017 ein kleines Hostel in der Nähe von Cluj-Napoca, der größten Stadt Transsilvaniens, eröffneten. Ihre Gäste übernachten nun für 15 Euro pro Nacht in einem gut ausgeschilderten Wandergebiet im Apusenigebirge.


Ungarns Anglerparadies

Bei Sonnenaufgang aufs Wasser, während alle anderen noch schlafen: Für viele Angler könnte nichts schöner sein. Am Balaton lässt sich aber auch tagsüber ein ruhiges Plätzchen finden. Ungarns größter See ist 79 Kilometer lang und durchschnittlich 7,8 Kilometer breit. Die professionelle Fischerei lässt sich mehr als 2000 Jahre zurückverfolgen und wurde erst 2016 eingestellt. Seitdem ist der See für Motorboote gesperrt. Ein Anglerparadies ist der Balaton noch immer. Dass es 40 Arten, darunter Aal, Karausche, Schlei, Zander und Hechte, im Plattensee so gut gefällt, hat vor allem mit der geringen Wassertiefe von durchschnittlich drei Metern zu tun. Im Sommer heizt sich das Wasser schnell auf. Gute Bedingungen ­bietet das mit Schilf bewachsene Nordufer.


Bulgariens Klöster

Trendsetter fahren nach Bulgarien. Aber nicht nur in die bekannten Badeorte am Schwarzen Meer, sondern ins Landesinnere. Dort verstecken sich mehr als 100 orthodoxe Klöster, darunter einige, wie das im 10. Jahrhundert gegründete Rila-Kloster, mit Unesco-Weltkulturerbe-Status. In dem südosteuropäischen Land, in dem mit knapp sieben Millionen Einwohnern etwa so viele Menschen wie in Niedersachsen leben, waren die Klöster schon immer mehr als spirituelle oder religiöse Orte. Dort fanden Anwohner in Kriegszeiten Schutz und Bildungsmöglichkeiten. Mönche und Nonnen wahrten zudem kulturelle Schätze und Traditionen. Auch heute noch sind viele Klöster, die meisten inzwischen renoviert, aktiv. Die Mehrheit steht Besuchern offen. Wer möchte, kann für einige Tage am Klosterleben teilnehmen, zur Ruhe kommen und die malerische Landschaft, in der sich die auch architektonisch beeindruckenden Anlagen oft befinden, genießen. Komfort wie in einem Hotel ist eher selten, dafür betragen die Kosten für eine Übernachtung kaum jemals mehr als 15 Euro. (www.bulgariamonasteries.com)


Albaniens Bunkermuseum

Noch ist Albanien ein echter Geheimtipp. Das Land mit der langen Adria-Küste, das im Süden an Griechenland grenzt, hat jede Menge Potenzial: Berge, Strand, malerische Dörfer, eine quirlige Hauptstadt – und jede Menge Bunker. Mehr als 200.000 dieser Überbleibsel in Igluform aus Stahl und Beton sind über das ganze Land verstreut. Die meisten ließ Diktator Enver Hoxha, der von 1944 bis 1985 an der Macht war, aus Angst vor einer Invasion in den 70er- und 80er-Jahren bauen. Der Anblick der Bunker ist für viele ältere Albaner oft schmerzhaft, erinnern sie doch an die Zeit von Hoxhas Terrorregime. Viele Bunker sind inzwischen verfallen, aber eine große Zahl dient heute ganz anderen Zwecken. So wurden manche zu Wohnhäusern umgebaut, andere sind inzwischen Strandcafés, Geschäfte und Hotels. In der Hauptstadt Tirana informiert ein 2014 im ehemaligen Atombunker Enver Hoxhas eingerichtetes Museum über die Geschichte.