Reise

Sand ist das neue Gold

Stintino, der Badeort an der Nordwestküste Sardiniens, ist berühmt für seinen Bilderbuchstrand La Pelosa. Aber in diesem Sommer müssen sich Stintinos Gäste auf harsche Baderegeln einstellen, denn der Gemeinderat des Städtchens hat mit sofortiger Wirkung ein striktes „Strand- und Badehandtuchverbot“ beschlossen; es sei denn, die flauschigen Unterlagen werden „auf feste, glatte Strandmatten gelegt, in denen sich keine Sandkörner verfangen können“. Darüber hinaus besteht ab sofort die Pflicht zum Abspülen der Füße vor jedem Verlassen des Strandes. Dafür hat die Stadtverwaltung spezielle Fußduschen eingerichtet und auch schon mal einen Strafenkatalog verfasst: Verstöße gegen diese (und sechs weitere, strenge Vorschriften) werden mit Geldbußen von 25 bis 1500 Euro bestraft. „Typisch Italiener!“, könnte man jetzt denken, „der gesamte Stiefel versinkt im Chaos, aber Touristen schikanieren: Das können sie mit Grandezza.“

Was sich anhört wie ein schlechter Witz, hat jedoch einen ernsten Hintergrund: In den vergangenen 40 Jahren sind von La Pelosa bereits mehrere der meterhohen Dünen verschwunden, und daran sind die Touristen nicht ganz unschuldig: Die Universität der Balearen in Palma de Mallorca hat vor Kurzem bewiesen, dass ein einzelner Badegast täglich rund 30 Gramm Sand von einem Strand hinunterschleppt, den er dann sukzessive in seinem Urlaubsort und in seiner Unterkunft verteilt. Das hört sich zwar nicht nach besonders viel an, aber im Verlauf von nur einer einzigen Hochsaison summieren sich diese vermeintlich lächerlichen 0,03 Kilogramm allein auf Mallorca zu Tausenden von Tonnen Sand, der an den Stränden fehlt, was den Küstenschutz massiv gefährdet. Deshalb möchten wir an dieser Stelle an alle Sandstrandbesucher appellieren: Wenn Sie den Strand verlassen, waschen Sie bitte Ihre Füße und Badekleidung; schütteln Sie Ihre Handtücher sorgfältig aus und am besten noch Ihr Haar. Lassen Sie den Sand dort, wo er hingehört.