Viel ruhiger als Dubai

Das Emirat Ras al-Khaimah bietet Berge und Strand statt Malls und Wolkenkratzern

Die arabischen Emirate klettern in der Urlaubergunst. Doch nicht jeder will Ferien zwischen Wolkenkratzern machen wie in Dubai. Eine Alternative kann da das nahe gelegene Emirat Ras al-Khaimah sein, das die deutschen Veranstalter in diesem Winter verstärkt in ihre Programme eingebaut haben. In „RAK“, wie sich das Land selbst abkürzt, gibt es ebenfalls schöne Strände, dazu auch noch ein mächtiges Gebirge im ­Rücken, aber weder riesige Shoppingmalls noch Straßenschluchten wie beim urbanen Nachbarn. Dafür trifft man teil­weise noch auf arabisches Flair wie in Dubai vor 50 Jahren.

Ras al-Khaimah ist bezahlbar, warm und einfach zu erreichen. Vom Flug­hafen Dubai fährt man gerade mal 45 Minuten. Nach der kurzen Fahrt durch die Wüste hält der Bus auf der Halbinsel Marjan Island. Dort und an einer nahe gelegenen Lagune sind die meisten ­Hotels angesiedelt. Auch ein Luxushotel gibt es, das Waldorf Astoria, es sollte mal der Palast des Emirs werden, bevor der sich dann doch anders entschied. Kein Zimmer hat unter 72 Quadrat­meter. Trotzdem kann man bereits ab 150 Euro pro Nacht absteigen.

Praktischerweise hat der urlauberfreundliche Herrscher die Parole ausgegeben: „Wir bauen nicht den nächsten Themenpark.“ Davon hat die Region schließlich schon genug. Stattdessen gibt es Attraktionen mit Lokalkolorit – vor allem in den Bergen, die nicht weit von der Küste entfernt sind.

Ausflüge zu den Beduinen zeigen das alte Arabien

Nur 20 Autominuten braucht man vom Strand zum Hadschar-Gebirge. Eine erst 2015 gebaute Straße führt in spektakulären Kehren fast bis auf den Gipfel des Jebel Jais, mit 1930 Meter ist er der höchste Berg der gesamten Emirate. Dorthinauf fahren die Emiratis im Hochsommer gern, um der Hitze zu entkommen. Ein Farbenrausch in allen Orangetönen begleitet das Sonnenuntergangspicknick am Ende der organisierten Jeep-Tour. Mit Blick auf Camp­sites und markierte Wanderwege fühlt man sich fast wie in den Alpen, nur eben ohne Vegetation. Sogar Bergführer sind vorhanden.

Es mag zunächst kurios klingen, wenn jemand in der glühenden Wüste noch ins heiße Wasser steigt. Aber die Einheimischen wissen schon genau, was sie tun. Die 40 Grad warmen Schwefelquellen von Khatt Springs tun der Seele gut und den müden Knochen, gerade nach einer ausgiebigen Bergwanderung. Die Quellen speisen oben auf einem Hügel ein groß­zügiges Spa-Hotel. Echt arabisches Badevergnügen lässt sich am Rand des kleinen Dorfs in zwei natür­lichen Kiesboden-Pools erleben. Selbstredend ist im schicklichen Ras al-Khaimah ein Badeplatz für Männer und einer für Frauen vorgesehen.

Wie lebte es sich dort vor dem Ölzeitalter? Der Besuch eines Bedu­inencamps verdeutlicht es. Die Fahrt führt durch Dünen, wo ganz Mutige sogar ein zweckentfremdetes Snowboard anschnallen dürfen. Statt Glühwein auf der Skihütte werden allerdings zum ­Après-Ski arabischer Kaffee und frische Datteln im Beduinenzelt gereicht, während alle auf einem Teppich sitzen. Wie die Datteln an Palmen wachsen und wie sie geerntet werden, erklärt anschließend Ali, der Besitzer der Dattelfarm.

Der alte Ortskern von Ras-al-Khaimah-Stadt ist Exotik pur: In den Gassen duftet es nach Wasserpfeifen, auf den Straßen schaukeln betagte Taxis mit indischen Chauffeuren. Der schönste Markt ist der Fischmarkt al-Ma’aredh. Dort lässt sich manches geschmackvolle Souvenir erstehen. Sehr früh aufstehen heißt es für den Tiermarkt, wo ab fünf Uhr früh Hühner, Ziegen und Dromedare gehandelt werden. Ein echter Geheimtipp ist die Werft, auf der die Familie al-Mansouri noch ganz traditionell aus Teakholz „Dhaus“ baut – Handelsschiffe, wie sie seit 1000 Jahren die afrikanische Ostküste entlang bis Sansibar segeln.

Kamelrennen sind ein beliebtes Spektakel. Tatsächlich ist es ein auf­regender Anblick, wenn Dutzende Tiere aus ihrer Startbox stürmen und auf die Sandbahn einbiegen. Was für eine Stimmung, wenn sie schließlich vor der Ziellinie die Wettbewerber abzuschütteln suchen. Um die Jockeys muss sich dabei niemand Sorgen machen. Früher waren das meist Kinder, heute hocken auf den Kamelen Reitroboter. Deren Eigner steuern sie mit Konsolen, während sie mit ihrem SUV neben der Bahn herfahren. Rennsaison ist von Oktober bis ­April, jeden Freitag und Sonnabend von 6.30 bis zehn Uhr.