Reise

Nimm mich mit, Kapitän ...

Eisberge, Ebbe in den Bierfässern, Kapitäne, die ehemalige Kollegen auf kleinen Inseln grüßen wollen und dabei tückische Felsen übersehen – das sind nicht die großen Gefahren für Kreuzfahrtschiffe. In dieser schwimmenden Welt der Freundlichkeit und des guten Benehmens liegt das größte Risiko für Störungen in den zwischenmenschlichen Begegnungen. Ehekrach, unleidliche Kinder oder unglückliches Verliebtsein sind nicht gemeint. Es geht um ein klitzekleines Virus, das sich aller sorgfältigen Lebensmittelkontrollen und Hand-Desinfektions-Automaten zum Trotz an Bord schleichen kann. Wo viele Menschen sind und es ergo viel zu essen gibt, ist das Norovirus nicht weit. Schon so manche Tour auf dem Meer endete mit Magen-Darm-Problemen. Und damit der Kapitän diesen Beeinträchtigungen nicht zum Opfer fällt, sondern immer und jederzeit Herr der Lage, der Seekarten und seiner Sinne ist, verbieten einige Reedereien ihren Schiffsführern jetzt, den Gästen die Hände zu schütteln.

„Kapitän, nimm mich mit auf die Reise“, denkt so mancher beim Anblick der schwimmenden Urlaubs-Maschinerie. Wer es dann auf einen Kreuzfahrer geschafft hat, möchte natürlich auch den „ersten Mann an Bord“ treffen, sich backbord und steuerbord erklären lassen und wissen, ob man nicht doch im Notfall hinterherschwimmen muss, weil in den wenigen Rettungsbooten bereits die Crew sitzt. Diese maritime Fragestunde soll es natürlich weiterhin geben, aber eben ohne Händeschütteln. Auch Fotos sind nach wie vor erlaubt. Ob die immer unter besseren hygienischen Bedingungen zustande kommen, sei allerdings dahingestellt. Schwitzende Menschen, Feinripp-Unterhemden, weiße Socken in Sandalen ...

Manche Reedereien schlagen als Alternative zum Handshake den „fist bump“ vor: kumpelhafte kleine freche Fauststöße, die man aber wohl eher mit Basketball-Spielern oder Hip-Hoppern assoziiert als mit respektablen Männern in weißer Uniform. Wie sich die Knöchel korrekt berühren, kann man vielleicht auf dem Rockliner lernen, mit dem Udo Lindenberg und Fans regelmäßig in See stechen. Und da singt der Kapitän schon längst „Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern“.