Unterwegs getroffen

Goldjunge – und bester Freund der Kaffeetanten in Liechtenstein

Peter Demmel kauft Spitzenbohnen aus aller Welt in Hamburg

Im weiß getünchten Gewölbe duftet es köstlich. Peter Demmel, ein großer Mann mit weißem Hemd und brauner Schürze, ist Herr über Trommeln, Feuer und Säcke voller allerbester Kaffeebohnen. Die kommen aus der ganzen Welt, und Meister Demmel kauft sie regelmäßig in Hamburg ein: „Exzellente Rohstoffe sind eine Grundvoraussetzung für Spitzenkaffee. Und dort bekomme ich sie!“ Seit fünf Jahren betreibt der gebürtige Bayer in Liechtenstein eine Kaffeerösterei. In seiner Manufaktur in Schaan röstet er kleine Chargen sortenreiner Bohnen mit einer solchen Sorgfalt und Leidenschaft, dass der 36-Jährige bei Verkostungen Goldmedaille um Goldmedaille abräumt.

„Ich habe in Vaduz Wirtschaftsingenieurwesen studiert. Mir kam die Idee, einen handwerklichen Beruf und das Genussmittel Kaffee mit wirtschaftlichem Denken zu vereinen – der Businessplan für meine Rösterei war meine Diplomarbeit.“ In Wien hat er sich zum Kaffee-Sommelier ausbilden lassen.

„Die Bohnen lasse ich über Kaffee-Agenten in den besten Anbaugebieten der Welt suchen, die sind auf verschiedene Kontinente spezialisiert und haben beste Beziehungen. Meine Arbeit beginnt in Hamburg mit dem Verkosten und Auswählen der Bohnen bei den Importeuren meines Vertrauens. Zwei- bis dreimal im Jahr bin ich an der Elbe und kaufe die Rohstoffe ein“, sagt Demmel und füllt Bohnen in eine kleine Trommel, um auf dem offenen Feuer eine kleine Charge zu rösten.

In der Trommel raschelt und knistert es; rund 20 Minuten, und aus der grünen Bohne ist ein Geschmackserlebnis geworden, erst über dem Feuer entfaltet sich Kaffeearoma – deswegen ist dieser Schritt so wichtig. „Neben der Premium-Rohware ist die sanfte, langsame und sortenreine Röstung die zweite Voraussetzung für Spitzenkaffee“, sagt Demmel. Er schüttet die frisch gerösteten Bohnen auf ein Sieb und wirft sie rhythmisch in die Luft, um die Schalen abzutrennen und den Kaffee an der Umgebungsluft abzukühlen. „Nur durch handwerkliche Perfektion holst du das Beste aus den Bohnen. Aber ohne Liebe, Lust und Leidenschaft geht gar nichts!“

Und warum Hamburg? „Heute ist Hamburg der größte Umschlagplatz für Kaffee in Europa, und eine Menge Händler sind dort ansässig. Im Laufe meiner Tätigkeit habe ich die besten Händler für Spezialitätenkaffees kennengelernt und kaufe nun bei denen, die mir höchste Qualität zu einem ehrlichen Preis anbieten“, sagt Demmel und bedient den Automaten. Die Gäste in dem kleinen Café schauen dem Chef zu und freuen sich schon auf das, was da gleich aus dem Gerät blubbert.

„Einige Händler sind außerdem Spezialisten für gewisse Anbaugebiete, und somit kann ich immer wieder bei verschiedenen Händlern etwas Besonderes herauspicken. Diese Beziehungen gehen oft über Freundschaften oder familiäre Beziehungen in die Ursprungsländer zurück.“

Demmel verarbeitet 14 verschiedene Bohnen aus acht Ländern. „Bei einer Verkostung in Hamburg habe ich die Möglichkeit, Kaffee aus der ganzen Welt an einem oder mehreren Tagen zu probieren und zu bewerten.“

Durch die guten und engen Beziehungen zu seinen Händlern können die bei direkt gehandeltem Kaffee die komplette Abwicklung übernehmen – Einkauf, die finanzielle Absicherung, den Zoll, den Transport „Und ich kann mich auf das Produkt konzentrieren!“ Demmel freut sich schon: „Wenn die neuen Ernten ankommen, fahre ich endlich wieder an die Elbe. „Für mich persönlich ist Hamburg eine meiner Lieblingsstädte. Mich faszinieren immer wieder der Hafen, die Schiffe und die besondere Hafenluft. In ihr stecken Geschichten aus aller Welt. Irgendwie meint man, die Welt sei so groß – und in Hamburg kommt alles auf einem Fleck zusammen!“

Peter Demmel hat die Bohnen gemahlen. Der Automat faucht, und auf den Espresso schwebt die Crema hinab, in einer kleinen, feinen Kaffeemanufaktur in Schaan/Liechtenstein. Das Ende einer langen Reise, die für Meister Demmel in Hamburg beginnt.