Urlaub in Deutschland

Sommerfrische und Winterzauber im Hotel Mein Strandaus

Kleine Fluchten: Im Mein Strandhaus in Niendorf an der Ostsee treffen sich norddeutsche Gastlichkeit und österreichische Gaumenfreuden. Teilweise kommen die Gäste des Hauses bereits seit Generationen.

Was für ein fröhlicher Empfang: An der Rezeption lacht den Gast eine Schar kleiner Blondköpfe auf Fotos an. Es sind die Enkelkinder von Tina Muuss, der jetzigen Hausherrin des Hotels Mein Strandhaus, das den Niendorfern und langjährigen Stammgästen noch immer leichter unter dem alten Namen Friedrichsruh über die Lippen geht. Die traditionsreiche Herberge an der Strandpromenade hat sich 2012 gehäutet, außen wie innen, aber Atmosphäre einer Sommerfrische, die zu jeder Jahreszeit guttut, sind geblieben.

Frischer Wind, an der See nichts Ungewöhnliches, hat das ganze Haus durchlüftet. Zeitgemäßer Komfort ist eingezogen, die 33 Zimmer sind größer und heller geworden, auf norddeutsche Weise sehr gemütlich. In der Küche sorgen der Österreicher Horst Promberger, Tinas Ehemann, und Volker Muuss, ihr Bruder, für Abwechslung. Der eine, aus alter Gastwirtsfamilie im Salzburger Land, zeichnet nicht nur, aber sehr gern, für Wiener Backhendl und Kärntner Kasnudeln verantwortlich.

Der andere, aus der vierten Generation der Muuss-Dynastie, hat unter anderem bei Starkoch Jörg Müller auf Sylt gelernt und liebt Klassiker der Küste. Beide beherrschen die hohe Schule der Kochkunst, beide lieben Herausforderungen, wenn es um Sonderwünsche geht. Aber beide wissen auch, wie sehr verwöhnte Großstädter hausgemachtes Sauerfleisch schätzen, Niendorfer Pannfisch oder andere deftige Gerichte, zu denen Bratkartoffeln passen.

Und Fusion heißt hier, dass der Österreicher ein Labskaus zaubert, das auch sein Schwiegervater, ein alter Seemann, der lange bei Hamburg-Süd gefahren ist, zu schätzen weiß. Umgekehrt bringt der Niendorfer ein Wiener Schnitzel auf den Teller, das sogar in der Heimat des Schwagers bestehen würde. So viel Bodenständigkeit hat Gäste, die sich teilweise auch schon in dritter oder vierter Generation hier zu Hause fühlen, mit der Namensänderung versöhnt.

Es war im Jahre 1886, Carl Benz hatte gerade sein erstes Automobil herausgebracht und Emil Berliner das erste Grammophon gebaut, als der Niendorfer Fischer Johannes Muuß, damals noch mit ß geschrieben, eine Pension eröffnete. Als großer Bismarck-Verehrer nannte er sie „Friedrichsruh“ wie das Anwesen im Sachsenwald, das der Kaiser seinerzeit dem Eisernen Kanzler geschenkt hat. Johannes ging nur vier Jahre später mit seinem Kutter unter, seine Frau Catharina und später Sohn Robert führten die Pension weiter.

Die Chronik der Familie Muuss liest sich wie eine Reise durch die Gastronomie-Geschichte von Niendorf, das heute zur Gemeinde Timmendorfer Strand gehört. Vor 60 Jahren kostete die Vollpension acht Mark, und erst 1959 erhielten alle Hausteile Zentralheizung und Warmwasser. Wandbilder im Frühstücksraum und Fotos in einer der vielen kuscheligen Ecken erzählen von guten und stürmischen Zeiten.

Nicht wenige Stammgäste fühlen sich als Teil dieser Geschichte; sie nehmen Anteil am Familienleben der Muuss-Sippe und freuen sich, wenn nach einem Jahr ein neuer „Muusspott“ dazugekommen ist und die Galerie am Empfang bereichert. Für besondere Treue zum Haus steht eine ehemalige Studienrätin aus Hamburg. Seit „ewigen Zeiten“ bezieht sie jedes Jahr von April bis Ende September „ihr“ Zimmer 311, genießt morgens Sonne auf dem einen Balkon, geht anschließend ausdauernd baden, und freut sich abends auf dem Balkon zur Seeseite, wenn die Sonne über der Lübecker Bucht untergeht.

Jetzt, in der Zeit der Zünftigen, kommen wieder die Strandwanderer, die lange gegen den Wind laufen und sich anschließend im Käptn’s Eck, einer Art Loggia, einen Pharisäer oder einen steifen Grog gönnen. Für sie ergänzen sich Sommerfrische und Winterzauber. Dennoch wollen die Inhaber ihnen demnächst noch etwas mehr bieten.

Zwar haben sie schon 2,5 Millionen Euro in den letzten fünf Jahren investiert, viel Geld für einen Familienbetrieb. In der nächsten Runde soll nun auch das kleine Schwimmbad im Keller, acht mal vier Meter, aufgefrischt und eine große Sauna eingebaut werden. Wellness aber wollen Tina, Horst und Volker diesen Bereich auch danach nicht nennen, und Ayurveda, Lomi-Lomi oder ähnlicher „Schnickschnack“ bleibt sowieso außen vor: „Das passt nicht zu uns, das sind wir nicht!“