Wo der Ozean immer 29 Grad hat

Auf Niyama entsteht unter deutscher Regie das erste Baumhaus-Restaurant der Malediven. Der einzige Unterwasser-Musikclub der Welt dort schließt – vorübergehend

Was zeichnet einen schönen Spielplatz aus? Feiner Sand, gutes Wetter und idealerweise etwas Wasser für maximalen Spaß. So gesehen hat sich Niyama das beste Motto gegeben, das eine Malediven-Insel haben kann: „Niyama bedeutet in der Malediven-Sprache Dhivehi ,Friede und Harmonie‘. Unser Slogan ist: Spielplatz der Natur“, erklärt General Manager Dietmar „Didi“ Kögerl. Der 52-Jährige, geboren im fränkischen Kitzingen, aufgewachsen in München, ist seit Juli Chef auf der Insel im Süd-Nilandhe-Atoll (auch Dhaalu-Atoll genannt). Der Don-Johnson-Typ aus Oberbayern hat zuletzt für die Minor Hotel Group das Malediven-Resort Anantara Kihavah äußerst erfolgreich gestartet. Die Hotelgruppe setzt nun darauf, dass der dynamische Kögerl auch Niyama unter dem Lifestyle-Label „Per Aquum“ zum perfekten Spielplatz für Urlauber macht.

Die Chancen dafür stehen nicht schlecht. Niyama hat die Trauminsel-Grundausstattung: ganzjährige 29 Grad Wasser-, 31 Grad Lufttemperatur, weißen Sandstrand. Die Erholungsuchenden aus aller Welt – bis zum Herbst vorwiegend aus Asien, im Winterhalbjahr eher Europäer – können sich derzeit in 86 Villas und Studios zurückziehen, wahlweise mit oder ohne privaten Pool oder als Bungalow auf Stelzen überm türkisblauen Wasser des Indischen Ozeans.

Für sympathischen Service mit persönlicher Ansprache sorgen Thakurus, maledivische Butler. In den Zimmern und Restaurants wie Edge, Tribal, Epicure oder im Lime-Spa trifft cooles Design auf ultimatives Robinson-Feeling. Jetzt soll das Fünf-Sterne-Resort erweitert werden. Niyama bekommt zudem mit dem ersten Baumhaus-Restaurant der Malediven und einem neuen Konzept für die Unterwasser-Location Subsix gleich zwei absolute Highlights. Versprochen wird nichts weniger als Hochgefühl im Doppelpack, einmal oben, einmal unten.

Genau genommen ist Niyama nicht ein Eiland, sondern besteht aus zwei für Malediven-Verhältnisse relativ großen Inseln (Embudhufushi und Olhuveli), die mit einer Brücke verbunden sind. Bisher fand nur auf einer das Hotelleben statt, auf der anderen lagen lediglich einige Mitarbeiter-Unterkünfte und der Hafen der beiden Resort-Schiffe fürs Tauchen und Hochseeangeln. Künftig werden beide Inseln gemeinsam bespielt. Didi Kögerls Devise dafür lautet: „Auf der einen Seite chill, auf der anderen play.“

Entspannen und ausruhen – beides ist schon jetzt möglich. „Play“ auf dem neuen Niyama-Areal steht für die Zielgruppe Familien, die künftig stärker angesprochen werden soll. 14 der insgesamt 49 neuen Gäste-Villas sind für Familien konzipiert. Für den neuen Kids-Club zeichnet das britische Luxus-Label Scott Dunn verantwortlich. Vom Dreijährigen bis zum Teenager soll es ein Programm auf höchstem Niveau für den Nachwuchs geben.

Dass Niyama ein Spielplatz der Natur ist, dürfen auch Erwachsene genießen. Aus sieben Metern Höhe ein Blick durch Palmen aufs Meer, dazu ein exzellentes Teriyaki-Gericht: Das Baumhaus-Restaurant, logischerweise Nest genannt, soll im Dezember eröffnen. 76 Plätze wird es haben. Die großen, runden Holzplattformen liegen schon auf dem sandigen Inselboden bereit, flankiert von schlanken Stützpfeilern, an denen sie bald nach oben zwischen zwei Banyan-Trees gezogen werden.

Damit sich Gäste und Service-Mitarbeiter nicht aneinander vorbeidrängeln müssen, gibt es umlaufende Gänge auf verschiedenen Ebenen. „Wenn alles fertig ist, werden hier Papageien frei fliegen, und am Eingang stolzieren Pfauen“, skizziert der Resort-Chef schon mal die Atmosphäre, und man glaubt ihm. Wer bayerische Lyoner auf die Malediven bringt („meine Lieblingswurst“) und dazu Algen-Cocktail frühstückt, beweist, dass er Durchsetzungskraft mit Kreativität mixt. Kögerl macht Wünsche wahr, in Armani-Shorts und Flip-Flops.

Seine zweite „Baustelle“ ist schon fertig – und doch wieder nicht. Vor zwei Jahren eröffnete in Niyama der erste Unterwasser-Musikclub Subsix, sechs Meter unter der Wasseroberfläche und nur wenige Minuten mit dem Komfort-Dhoni (Dhoni sind maledivische Boote) vom Strand entfernt. Der Medien-Hype von damals hat nachgelassen. Vor Ort dümpelt die Attraktion vor sich hin. Am Abend ist beiderseits der panzerglasdicken Scheiben wenig los. Vereinzelt schwimmen Snapper im fahlen Unterwasserlicht. Zur gut abgemischten DJ-Musik jagt eine Muräne, beobachtet von wenigen Gäste, die in den Clubsesseln an kleinen Tischen Mojito trinken. Viel beeindruckender ist derselbe Ort zur Mittagszeit. Plötzlich leuchten die Farben zahlreicher Schmetterlings- und Papageienfische im Hellblau des Meeres, Riffbarsche ziehen von oben nach unten ihre Bahnen vor den Panoramafenstern. Dazu tischt Koch Pravin exquisite Köstlichkeiten wie Tomaten-Tastings mit Basilikum-Espuma, Seebarsch-Filet und Mango-Variationen auf. Sollten lang Verheiratete mal kein Gesprächsthema finden: Hier gibt es genügend Fisch-Fernsehen zur Ablenkung.

Ende Oktober geht Subsix als reiner Musikclub unter – und taucht als Ganztagslocation mit Restaurant und Bar im Dezember wieder auf. Elizabeth Smailes, PR-Managerin der Minor Hotel Group, berichtet zufrieden vom Unterwasser-Restaurant in Kihavah: „Dort müssen Sie Tage im Voraus reservieren.“ Ob Taucher, Schnorchler oder Nichtschwimmer aus China: Der Faszination des Mega-Aquariums, bei dem die Natur Regie führt, kann man sich nicht entziehen.

Damit die Fische vor Subsix noch schöner wohnen, hat Meeresbiologin Judith Hannak, 37, in Niyama für ein „Adopt the coral“-Programm verantwortlich, etliche „Häuser“ aus Zement versenkt. Nach kürzester Zeit siedelten sich Korallen an. Für den richtigen Durchblick in Subsix sorgen laut PR-Managerin Smailes übrigens alle zwei Tage künftig die Mitarbeiter der Tauchbasis Float: Sie gehören zu den seltenen Dive-Guides, die auch als Fensterputzer unterwegs sind.

Apropos: Niyama überzeugt ebenso beim Tauchercheck. Mit unberührten Spots, möglicherweise sogar einem Hammerhai-Treffpunkt und einer Manta-Putzerstation, sowie einem immensen Fisch-Reichtum fühlt sich mancher Taucher an die Zeit vor El Niño von 1998 erinnert. Damals vernichtete die Meereserwärmung große Teile der Korallen. Meeresbiologin Judith schöpft trotz dauerhafter Probleme wie Müll in den Ozeanen Hoffnung: „Die Korallen erholen sich.“ Die grandiose Unterwasserwelt ist auf den Malediven neben dem Trauminsel-Feeling die größte Attraktion. Und für manchen der allerschönste Spielplatz.