Slow Food und Oliven auf Eis

Von Jamie Oliver bis Sterneküche: Mit speziellen Kulinarik-Angeboten werden Genießer an Bord gelockt

Der ewige Junge im karierten Hemd wird nächstes Jahr auch schon 40. Was Jamie Oliver nicht davon abhält, sein kulinarisches Imperium munter auszudehnen. Der Kochstar aus Britannien, berühmt geworden durch simple, aber raffinierte Rezepte, betreibt mehrere Restaurants, dreht unentwegt Brutzel-Shows fürs Fernsehen – und erobert nun auch die Weltmeere.

Die neue „Quantum of the Seas“, das mit 18 Passagierdecks größte jemals in Deutschland gebaute Kreuzfahrtschiff, ist noch nicht mal zur Jungfernfahrt aufgebrochen, da liegt bereits die Speisekarte vom Bordrestaurant Jamie’s Italian vor. Authentische Gerichte aus frischen, saisonalen Produkten werden den Passagieren versprochen. Wie auch „Die weltbesten Oliven auf Eis“ und „Lamm-Lollies“ – Lammkoteletts „unter einem Ziegel mit eingelegter Minze, Estragon und Rote-Zwiebel-Salat“. Original Jamie Oliver, aber hallo!

Ein wesentliches Merkmal einer gelungenen Kreuzfahrt ist das ständig verfügbare Essen. Dass sich dieser Umstand herumspricht und Appetit auf eine Seereise macht, wissen auch die Reedereien und legen zunehmend Törns zum Thema Essen und Trinken auf. Auf der MS „Europa“ kocht Drei-Sterne-Altmeister Dieter Müller mit beherztem Einsatz von Kavier und Gänsestopfleber für eine zumeist betuchte Klientel.

Bei Aida, eher weniger als Upperclass-Beförderer bekannt, war man ganz aus dem Häuschen, als die Restauranttester vom „Gault Millau“ nach einer Mahlzeit im Rossini auf der „AIDAStella“ dem Team um Chefkoch Michael Kästner eine „Kochhaube“ und 14 Punkte in ihrer Gourmet-Fibel verpassten.

Fakt ist: Die Faszination edler Restaurants an Bord lockt neue Passagiere. Zuzahlgebühren für die Spezialitäten- oder Gourmetlokale bringen zusätzlichen Umsatz. Denn längst nicht alles ist gratis bei der Bordverpflegung, selbst auf Luxuslinern mit Inklusiv-Philosophie wie Silversea Cruises.

30 Euro Reservierungsgebühr berechnet das Unternehmen, das sich im Besitz der römischen Familie Lefebvre befindet, für ein Diner im Le Champagne, dem einzigen Relais-&-Châteaux-Restaurant auf See. Getränke und die anderen Restaurants an Bord sind umsonst.

Wer auf einem Schiff der noblen Oceania-Flotte im La Reserve by Wine Spectator zur Degustation samt Gourmetdinner schreitet, ist sich hoffentlich bewusst, dass sein Bordkonto mit bis zu 165 Dollar belastet wird. Der illustre Gegenwert: ein „Conaisseurmenü“, begleitet von Weinen der Spitzenklasse.

Auch bei TUI Cruises gibt es trotz des „Premium Alles Inklusive“-Konzepts längst nicht alles umsonst. Jeweils acht Restaurants und Bistros laden auf „Mein Schiff 1“ und „Mein Schiff 2“ ein, gleich elf auf „Mein Schiff 3“. Ein Menü im italienisch angehauchten Bistro La Vela oder im Bord-Ableger des Sylter Fischhauses Gosch deckt beispielsweise der Reisepreis. Geht es dagegen ins Steakhouse oder auf ein paar Sushi zum Japaner, sind Zuzahlungen fällig – allerdings zu einem Bruchteil des Preises, den ein vergleichbarer Restaurantbesuch an Land kosten würde.

Auf der „Costa neoRiviera“ und „Costa neoRomantica“ wird neuerdings „slow“ gekocht. Was daher rührt, dass die Reederei Costa Crociere mit Sitz in Genua einen Vierjahres-Beratervertrag mit der Universität der gastronomischen Wissenschaften im italienischen Pollenzo geschlossen hat. Dort lehren die Gralshüter der „Slow Food“-Bewegung, die sich weltweit für genussvolles, bewusstes, nachhaltiges und regionales Essen einsetzt. Das heißt, die Gourmetmenüs an Bord werden mit den Ernährungsexperten der Gastro-Uni abgestimmt. Auch die Essenszeiten sind dem entspannten Tempo angepasst, das Dinner kann zwischen 18.30 und 22.30 Uhr eingenommen werden. Kulinarische Ausflüge und Degustationen runden den „Slow Food“-Ansatz ab.

Mögen letztere Maßnahmen zur gehobenen Passagier-Speisung noch unter dem Sammelbegriff „europäisch entspannt“ firmieren, verspricht die US-Reederei Royal Caribbean für ihren neuen Giganten „Quantum of the Seas“ und das im April nächsten Jahres vom Stapel laufende Schwesterschiff „Anthem of the Seas“ nichts weniger als einen „Quantensprung der Kulinarik“. An Bord der neuen Quantum-Klasse soll „Dynamic Dining“ zelebriert werden.

Dahinter stecken 18 unterschiedliche Restaurant-Konzepte, von denen Jamie’s Italian nur eines ist. Von Umfang und Vielfalt her sollen sie mit der „Dinner-Auswahl in weltweiten Metropolen vergleichbar“ sein. „Jeder Abend bietet eine einzigartige, spektakuläre kulinarische Reise“, schwärmt Lisa Lutoff-Perlo, Vize-Präsidentin bei Royal Caribbean. Falls gewünscht, sogar mitten hinein ins Wunderland. „Folgen Sie dem weißen Kaninchen und fragen Sie sich, was ist echt und was Traum?“, heißt es auf der Speisekarte zum Restaurant Wonderland. Spaßig: Die Kategorien Wind, Eis, Feuer, See, Erde und Träume umfassen eine Reihe von essbaren Fantasiegebilden. Da verschmelzen schockgefrorene Früchte mit Wildblütenhonig. Mit Lachs gefüllte Eier tauchen aus einer Rauchwolke auf. Und seltsame Zaubertränke flüstern: „Trink mich.“

Die „Quantum of the Seas“ tritt ihre Jungfernfahrt am 23. November ab Cape Liberty in New Jersey an.