Über Walfänger und Badekarren – Ferieninsel lädt zu „Kurs Föhr“

Maritime Veranstaltungsreihe vom 28. September bis 5. Oktober

Deutsche Urlauber sind nicht selten treue Seelen. Und weil das so ist, kann die bloße Erkundigung nach der liebsten Nordsee-Insel schnell zur Glaubensfrage werden. Echte Sylt- Anhänger zeigen nicht wirklich Interesse an benachbarten Eilanden, und bei Amrum-, Juist- oder Spiekeroog-Fans sieht es kaum anders aus. Dass die Insel Föhr selbst im raueren Herbst eine Alternative sein kann, beweist man alljährlich mit dem Programm „Kurs Föhr“. Vom 28. September bis zum 5. Oktober wird sich in der „friesischen Karibik“ wieder vieles um die Vergangenheit als Seefahrer-Heimat drehen.

Kein Wunder, dass die „Ubena von Bremen“ ein Herzstück der achttägigen Veranstaltungsreihe mit mehr als 50 Programmpunkten ist (www.kursfoehr. de). Auf der Kogge trifft man sich zum Frühschoppen genauso wie zum Schiffsgottesdienst. Regelmäßig läuft die „Ubena“ auch vom Wyker Binnenhafen zu dreistündigen Segeltörns aus. Dann erklärt die kernige Crew gemütlich Seemannsknoten, der Blick geht zurück auf die grüne Insel, und wer einmal den Erzählungen des Käpt’ns gelauscht hat, der weiß wahrhaftig, was Seemannsgarn ist.

Historisch Fundiertes erfährt zum Beispiel, wer sich im Friesen-Museum von der Autorin Jutta Kürtz äußerst kurzweilig von den Anfängen und der Glanzzeit des Seebades erzählen lässt. Von Jahren, in denen der dänische König mit seinem Hofstaat anreiste und Hans Christian Andersen zur Kur kam. Und von fernen Sommern, in denen bis zu 50 Badekarren rollten, um den Gästen – nach Geschlecht getrennt – ungestörte Erfrischung zu ermöglichen.

Beliebt sind auch die Führungen über die Friedhöfe der Insel. In Süderende etwa, wo die Bewohner auch heute noch Fering, das Föhrer Friesisch, sprechen, erzählen die „sprechenden Steine“ vom Leben der alten Walfang- und Handelskapitäne. Experten wie Astrid Klenk-Steinert deuten Inschriften und Malereien für Geschichtsinteressierte, und während der Wind stetig über die angrenzende Marsch streicht, erzählt die Föhrerin auf dem Kirchhof der St.-Laurentii-Kirche gern vom berühmtesten Seefahrer der Nordfriesen, dem „Glücklichen Matthias“. „Die Menschen hier gelten eher als wortkarg, doch vom Leben verabschiedete man sich wortreich.“ Und so ist auf dem grauen Stein natürlich auch die Rede von den 373 Walen, die der 1632 als Matthias Petersen geborene Seemann in fünf Jahrzehnten erlegen konnte.

Die Insel mit ihren elf Friesendörfern erkundet man am besten mit dem Rad. Und wer noch eine Lektion in Entschleunigung braucht, der besucht gerade an kühleren Tagen Stelly’s Hüüs mit angeschlossener Töpferstube und Teeladen in Oldsum. Oder kuschelt sich auf einer Café-Terrasse in Nieblum in den Strandkorb, um eine warme Waffel zu essen. Kinder macht man mit einem Besuch des Pfannkuchen-Hauses im Wyker Prinzen-Hof glücklich. Am Ende des Tages steht man dann womöglich in Pulli und Jacke am weißen Strand von Utersum, erlebt den Sonnenuntergang und überlegt, im Sommer einmal wiederzukommen.