In Sankt Petersburg läuft der Tourismusbetrieb normal weiter

Hamburgs Partnerstadt ist auch in Krisenzeiten gastfreundlich

Pünktlich um kurz vor acht legt das Kreuzfahrtschiff „AIDAMar“ im Hafen der russischen Fünfmillionenmetropole Sankt Petersburg an. Schon wenig später meldet Kapitän Marc-Dominique Tidow seinen mehr als 2000 Gästen an Bord, dass die Behörden das Schiff zum Landgang freigegeben haben. Bis auf die Passkontrolle steht dem Besuch der Sehenswürdigkeiten von Hamburgs Partnerstadt nichts mehr im Wege. Zügig gehen die Touristen von Bord. Einige denken noch mit gemischten Gefühlen an die möglichen Staus vor den Kontrollstellen. „Hoffentlich lässt man uns bei der Kontrolle nicht warten. Das wäre bei den wenigen Stunden Aufenthalt doch schade“, sagt die Kielerin Regina A. Doch ebenso wie alle anderen wird sie schnell beruhigt. Flink werden die Pässe eingescannt und die Ausflugskarten angesehen, die das sonst notwendige Visum ersetzen. Dann gibt es mit einem freundlichen Kopfnicken die Dokumente zusammen mit einer Einreisebescheinigung zurück. Fünf bis zehn Minuten dauert die Prozedur – eine Rekordzeit, von der man woanders oft nur träumen kann.

Draußen vor dem Terminal werden die Reisenden je nach gebuchtem Ausflugsthema von Gästeführerinnen begrüßt. Eine von ihnen ist Olga (Name geändert), eine Endfünfzigerin. In fast akzentfreiem Deutsch begrüßt sie die Ankömmlinge, von denen sich an Bord noch etliche angesichts der politischen Irritationen mit Russland angespannt gezeigt hatten. Doch Olga erobert schnell die Sympathien der gut 30 Gäste im Bus. Zu Beginn berichtet sie nicht ohne Stolz über den noch neuen Hafen, der in nur drei Jahren von 2005 bis 2008 gebaut wurde. Aber sie verschweigt auch nicht die immer weiter steigenden Immobilienpreise in den riesigen Wohnhäusern der Hafencity.

Und überhaupt – die Preise: Die Sanktionen der Europäer gegen Russland zeigen Wirkung. Betroffen seien vor allem die einfachen Leute, weniger die Städter als die Menschen auf dem Lande. „Wenn Äpfel früher umgerechnet einen Euro kosteten, ist es jetzt das Doppelte. Kiwis kosten das Dreifache“, erzählt Olga. Sorge macht sie sich auch über mögliche Auswirkungen im Tourismus. Bei Kreuzfahrten sei bislang noch kein Rückgang spürbar, weil die meisten langfristig gebucht hätten – schon vor der Krise. Bei Flug- oder Busreisen sei das anders, meint sie. Die Unsicherheit halte möglicherweise Gäste davon ab, das Land zu besuchen.

Für die Touristen sind auf dieser Reise keine Auswirkungen der Sanktionen und der Gegenreaktion Moskaus zu spüren. Ob die Menschen in Russland denn verärgert seien über den Westen und ob die Gäste das zu spüren bekämen, will jemand von Olga wissen. Doch sie versichert: „Wir Russen sind ein gastfreundliches Volk und freuen uns über die vielen Besucher.“ Außerdem sei die Meinung der Russen über das Verhalten der Regierung in Moskau differenziert. Es gebe durchaus Russen, die in der Haltung des Westens die einzige Chance sehen, die Probleme nicht weiter eskalieren zu lassen.

Bei der Stadtrundfahrt kommt die goldene Kuppel der Isaak-Kathedrale in Sicht. Kurzer Zwischenstopp, dann Weiterfahrt zur orthodoxen Blutkirche, die an der Stelle gebaut wurde, wo Kaiser Alexander II. einem Attentat zum Opfer fiel. Das „Venedig des Nordens“, wie die alte russische Zarenstadt an der Newa oft auch genannt wird, präsentiert sich in voller Pracht: Es geht vorbei an Palästen und Kirchen, über den Prachtboulevard Newski-Prospekt und über viele der 540 Brücken, die über Grachten und Kanäle führen. Weitere Stationen sind die Peter-und-Paul-Festung mit ihrer Kathedrale aus dem 18. Jahrhundert und schließlich der Höhepunkt unter den 2300 Prunkbauten der Innenstadt: der Winterpalast von Katharina der Großen mit seiner berühmten Kunstsammlung, der Eremitage.

Werke bedeutender Maler wie da Vinci, Tizian, Michelangelo, Rubens, Cézanne, van Gogh und Picasso sind hier zu finden. Mehr als zweieinhalb Millionen Besucher kommen jedes Jahr aus der ganzen Welt. „Es würde Jahrzehnte dauern, würde man jedes der Exponate auch nur wenige Sekunden bewundern“, erzählt die Gästeführerin.

Als die Ausflugsbusse von ihren Touren wieder am Hafenterminal eintreffen, verläuft die Rückkehr der Passagiere ebenso problemlos wie die Ankunft. An den Schaltern werden die Einreisekarten wieder aus den Pässen genommen dann heißt es freundlich „do svidaniya“ – „auf Wiedersehen“.

Mit der „AIDAMar“ ab Warnemünde, am 20. September zum letzten Mal in dieser Saison. Am 2. Mai 2015 beginnen erneut 7- und 14-tägige Ostseekreuzfahrten mit Besuch in St. Petersburg. Passagiere auf Fähr- und Kreuzfahrtschiffen können bis zu 72 Stunden visafrei einreisen und sich im Gebiet des Anlegehafens aufhalten. www.russische-botschaft.de (Die Reise wurde unterstützt von Aida Cruises.)