Kleine Leute lernen Deutschland und seine Umwelt kennen

Mit dem „Kinderatlas“ Karten lesen und die Natur entdecken

Es ist die Frage aller Fragen für reisende Eltern: Wie beschäftige ich mein Kind im Zug, im Auto, im Flugzeug? Wie bringe ich der Zehnjährigen am Urlaubsort bei, dass es noch etwas anderes gibt als Smartphone und Fernseher? Zum Beispiel Natur. Wieso gibt es Küsten und Moore, warum so viele Wildschweine und so wenige Wildkatzen? Was ist der Unterschied zwischen einer Wiese und einer Weide? Warum gibt es gute und schlechte Schmetterlinge? Fragen über Fragen, die der „Kinderatlas“ beantwortet.

Im Zentrum des Buches, das sich dank des flexiblen Einbandes in jeden Rucksack quetschen lässt, steht Petronella Glückschuh. Ein Comic-Mädchen mit ungebändigtem Forscherdrang, grenzenloser Tierliebe und klarer Urteilsgabe – also perfekte Identifikationsfigur für Kinder, die mit vielen Fragen durch die Welt laufen. Erfunden wurde sie von der Schriftstellerin Dorothea Flechsig. Das Buch will Lust machen auf Deutschland und seine vielfältige Natur.

Petronella durchstreift in kindgerechter Sprache Deutschland von Süd bis Nord

Dass es dabei nahezu schulmeisterlich korrekt zwischen Naturparks, Nationalparks und Biosphärenreservaten unterscheidet, mag der Zusammenarbeit mit dem BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz), dem Fahrtziel Natur (Projekt für nachhaltigen Tourismus der Deutschen Bahn), der Stiftung Artenschutz (Gemeinschaftsinitiative von verschiedenen Zoologischen Gärten, Tierparks und Naturschutzorganisationen) und Zoo-Infos.de (Zoo-Datenbank für 863 deutsche Zoos zwischen Aachen und Zwickau) geschuldet sein.

Das hat zwar in einem Kinderbuch nichts zu suchen, zeigt aber immerhin, dass Arten- und Naturschutz kein Kinderspiel sind, dass sich viele Verbände und Organisationen um das Thema kümmern und die Rettung der deutschen Wälder, Moore und Küsten sich quasi in sicherer Hand befinden.

Petronella durchstreift in kindlich klarer Sprache Deutschland von Süd bis Nord , erzählt, was sie dort sieht, was ihr gefällt und was nicht. Ausflugstipps, „Forschungsergebnisse“ und Reisehinweise runden die Vorstellung jedes Reservats, National- und Naturparks ab.

Im zweiten Teil erzählt die kleine Forscherin Wissenswertes über Küste, Meer und Moore, Wälder, Wiesen, Weiden, Wildkatzen, Bienen und Fledermäuse. Hintergründe zum Artenschutz und „Petronellas Ökotipps“ werden vor allem ältere Kinder interessieren, die bereits Fragen zum weltweiten Fleischkonsum stellen und wissen wollen, warum man Plastiktüten nicht verbrennen darf. Diverse Mitmachspiele, eine Entfernungstabelle, ein ausgiebiges Register über Unternehmungen und Unterkünfte sowie eine Einleitung, wie man einen Atlas benutzt und eine Karte liest, runden das Buch ab.

Mag in den Überschriften die bürokratische Sprache von Verbänden und Organisationen sowie die Werbung für das „Fahrtziel Natur“ der Deutschen Bahn störend wirken und erinnert das kunterbunte Layout mit seinem wilden Nebeneinander von Kartenausschnitten, Comiczeichnungen und Naturfotografien an die Unaufgeräumtheit einer Federtasche, so überwiegen doch der hohe Nutzwert des Buches und die große Sympathie der Erzählfigur.

Fazit: Im „Kinderatlas“ lässt sich prima stöbern, rätseln und lernen – in der Bahn, im Flugzeug oder im Auto.

Dorothea Flechsig: „Petronella Glückschuh: Kinderatlas. Deutschland – Umwelt – Tiere“, Glückschuh Verlag, 156 S., 19,95 Euro

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