Auch Enttäuschung inklusive

Der Reisejournalist Mikka Bender berichtet in seinem neuen Buch über den Ärger, den viele Urlauber mit Alles-schon-drin-Angeboten erlebt haben

Für die VOX-Sendung "Hilfe, mein Urlaub geht baden!" hat Mikka Bender schon so manchem Reisenden aus der All-inclusive-Falle geholfen. Privat macht der Journalist und Moderator nie AI-Urlaub - aus gutem Grund ...

Hamburger Abendblatt:

Warum haben Sie dieses Buch geschrieben?

Mikka Bender:

Am meisten nervt mich, dass die Reiseveranstalter den Urlaubern mit vielen pauschalen Angeboten eine Mogelpackung verkaufen. All-inclusive bedeutet eben gerade nicht alles inklusive, also rundum sorglos, sondern in erster Linie Massenabfertigung, geschmackloses Essen und schlechten Service. Ich mache zwar privat selten Pauschalurlaub, aber für meine Sendung bin ich pausenlos pauschal unterwegs und treffe immer wieder auf Touristen, oft unerfahrene Urlauber, denen man mangelhafte Informationen gegeben hat und die durch Bilder in Reisekatalogen zusätzlich getäuscht wurden.

Man bekommt bei der Lektüre das Gefühl, besser gar nicht All-inclusive zu buchen ...

Bender:

Das All-inclusive-Modell ist völlig überflüssig - außer in Reiseländern wie der Dominikanischen Republik oder Ägypten, in denen es kaum Alternativen gibt. In allen anderen Ländern habe ich als Urlauber die Möglichkeit, entweder individuell zu reisen oder pauschal mit Halb- bzw. Vollpension zu buchen. All-inclusive schadet dem Reiseland, da die großen Ferienanlagen in vielfältiger Weise die Infrastruktur vor Ort schwächen beziehungsweise gar nicht erst entstehen lassen.

Worin liegt denn das Problem - in der Gutgläubigkeit der Urlauber oder in der Cleverness der Anbieter?

Bender:

Es kommt beides zusammen: Obwohl die Deutschen als Reiseweltmeister gelten und wirklich viel Urlaub machen, also durchaus reiseerfahren sind, glauben viele, dass das All-inclusive-Modell das einzige ist, das einen vollkommen sicheren und gelungenen Urlaub verspricht. Das bedeutet vor allem Sonne, Wärme und sich um so wenig wie möglich kümmern zu müssen. Diese Bedürfnisse haben die Reiseveranstalter gut erkannt und verkaufen eigentlich nur Sonne - egal wo. Und siehe da, das Produkt verkauft sich gut. So landen viele Touristen in Hotelburgen, die sie selten verlassen.

Aber nicht jeder Reisende möchte es nur bequem haben im Urlaub, oder?

Bender:

Der deutsche Urlauber ist leider nicht so selbstbewusst - das ist ja das Traurige! Das Internet liefert so viele profunde Informationen zu Reiseländern, Unterkünften und Ausflügen vor Ort, dass man den Urlaub wunderbar selbst buchen könnte. Man muss aber Zeit aufwenden. Davor scheuen viele zurück - was absurd ist, wenn man bedenkt, wie viel Zeit Leute damit verbringen, sich einen Fernseher oder ein Auto zu kaufen. Immerhin sind es doch die schönsten Wochen des Jahres! Diese Bequemlichkeit spielt den Reiseanbietern natürlich in die Karten, und so bauen sie das All-inclusive-Modell noch aus, zum Beispiel in Portugal, in der Türkei und auf den griechischen Inseln.

Haben Sie jemals All-inclusive gebucht, und würden Sie es wieder tun?

Bender:

All-inclusive nicht - aus Prinzip. Aber eine pauschale Reise schon! Grundsätzlich habe ich nichts gegen Pauschalurlaub. Ich fahre zum Beispiel jedes Jahr im November in ein Mittelklassehotel in Ägypten, um dort Sporturlaub zu machen - das ist immer wunderbar. Auch bei All-inclusive-Reisen gibt es natürlich positive Ausnahmen. So habe ich im Winter einen Robinson Club in Kärnten besucht, der tollen Service geboten hat. Aber das kostet einen entsprechenden Preis - damit müssen Urlauber rechnen. All-inclusive-Angebote mit Qualität sind nie Schnäppchen. Und die billigen Angebote, 400 Euro AI in der Türkei zum Beispiel, sorgen für Ausbeutung im Zielland und jede Menge Frust beim Reisekunden.

Wie vermeidet man denn die üblichen Touristenfallen?

Bender:

Am besten ist es, wenn der Urlauber genau weiß, welchen Urlaub er machen möchte. Mit diesen Informationen kann man gezielt im Internet oder in Reisekatalogen auf die Suche gehen. Eine der besten Seiten ist nach wie vor Holidaycheck. Ein Hotel, das über 90 Prozent aktuelle, positive Bewertungen hat, kann nicht so schlecht sein. Bei Katalogen empfehle ich dringend, das Kleingedruckte zu lesen - nur dort steht, welche tatsächlichen Leistungen man vor Ort bekommt. Man sollte unbedingt Zeit in die Reisevorbereitung investieren, damit die schönsten Wochen des Jahres wirklich schön werden.

Reisebüros kommen in Ihrem Buch nicht besonders gut weg. Wer ist denn der beste Urlaubsberater?

Bender:

Viele Pauschal-Reisebüros leben von der Masse, die sie per Katalog verkaufen. Wer Sonne will, egal wo, bekommt Pauschalangebote. Anders ist es mit dem Reisebüro "des Vertrauens". Gute Ratgeber sind auch Freunde und Bekannte, die ähnliche Urlaube bevorzugen - diese Tipps sind unverzichtbar.

"Die All-inclusive-Lüge" von Mikka Bender. Ab 2. April im Handel. Rowohlt Taschenbuch Verlag, 8,99 Euro