Rekordverdächtig: Drehkreuz Dubai

Das Emirat hat das Terminal Concourse A für die A380-Riesenjets vorzeitig eröffnet. Kapazität des Flughafens steigt auf 76 Millionen Passagiere

Der neue Rekord ist 645 Meter lang, gut 90 Meter breit, elf Stockwerke hoch und geht auf das Konto von Dubai: In dem Rekord-verliebten Emirat am Persischen Golf wurde jetzt das weltweit erste Terminal für A380-Jets, die größten Passagierflugzeuge der Welt, eröffnet. Und zwar vorzeitig. Eigentlich sollte das Concourse A genannte Terminal erst im März in Betrieb gehen, doch Bauarbeiten und Testbetrieb verliefen so erfolgreich, dass der Termin auf den 10. Februar vorgezogen wurde. Eine Nachricht, die gerade in Deutschland aufhorchen lässt, wo die Eröffnung des geplanten Berliner Großflughafens BER schon mehrmals verschoben wurde - aber anders als in Dubai nicht nach vorn, sondern nach hinten.

Concourse A ist zwar "nur" ein Erweiterungsbau von Terminal 3 auf dem Gelände von Dubai International, aber gleichwohl ein Mega-Projekt. Es erweitert die Kapazität des Flughafens, der 2012 gut 57 Millionen Passagiere zählte, um 15 bis 19 Millionen. Zum Vergleich: Der Airport in Hamburg hatte 2012 rund 13,7 Millionen Fluggäste, das Flughafenprojekt BER ist auf jährlich 27 Millionen Passagiere ausgelegt.

Anders als der schlichte BER ist Concourse A ein glitzernder Hingucker. Jede Menge Marmor wurde für insgesamt 528.000 Quadratmeter Nutzfläche verbaut, von den Wänden plätschern Wasserfälle, an den Decken hängen Kandelaber - wie es sich gehört für ein Scheichtum, das mit seinem Reichtum nicht hinter dem Berg hält.

Hauptkunde des Flughafens und Triebfeder von Concourse A ist Emirates, die von ihrer Basis aus 129 Flugziele in 75 Ländern bedient. Dubais staatliche Fluggesellschaft fliegt vier Städte in Deutschland an, Hamburg steht zweimal täglich mit Maschinen vom Typ Boeing 777 auf dem Flugplan.

Wer von Hamburg aus in Dubai landet und mit einem A380 weiterfliegt, hat zwei Möglichkeiten: Entweder verlässt man den Airport gar nicht und fährt als Transitpassagier per Shuttlebus zum Concourse A. Wer Zeit für einen Stopover hat, passiert die Passkontrolle und checkt für den Weiterflug in Terminal 3 ein. Von dort geht es mit der Automatik-U-Bahn zum Concourse A.

Derzeit sind 31 A380 bei Emirates im Einsatz, weitere 59 Airbus-Jumbos mit Platz für je 517 Passagiere sind bereits bestellt. Damit ist Emirates - ein weiterer Weltrekord - der mit Abstand größte A380-Kunde, was wiederum die Notwendigkeit des A380-Terminals erklärt. "Daher ist eine solche Einrichtung von Weltrang, die unsere Führungsposition spiegelt, logische Konsequenz", sagte Tim Clark, Präsident von Emirates, bei der Eröffnung.

Das Besondere an Concourse A sind die doppelstöckigen Passagierbrücken, von denen das Terminal 20 Stück hat - bei voller Auslastung können also 20 A380 gleichzeitig andocken. Die Fluggäste der First und Businessclass besteigen über die obere Brücke das Oberdeck, während ein Geschoss tiefer die Passagiere der Economyclass über zwei Brücken ins Flugzeug-Hauptdeck steigen. Diese Konstruktion ermöglicht es, einen A380 in 90 bis 120 Minuten "umzukehren", also ankommende Passagiere aus- und abfliegende einsteigen zu lassen, die Maschine zu be- und entladen. So schnell geht ein A380-Turnaround nur hier - noch ein Weltrekord.

Auch das Innenleben des neuen Terminals birgt Superlative. Die Businessclass-Lounge im zehnten Stock erstreckt sich über eine ganze Etage und hat Platz für 2552 Gäste, die First-Class-Lounge fasst 1491 Besucher, größere Lounges gibt es nirgendwo sonst auf der Welt. Beide sind edel möbliert mit viel Leder und Holz. Trotz der Größe herrscht keine Großraumatmosphäre. Das Angebot an Speisen und Getränken ist auf sehr hohem Niveau; wer sich die Wartezeit mit einer Massage vertreiben möchte, geht ins "TimelessSpa".

In den Lounges wird Wein, Champagner und Hochprozentiges ausgeschenkt; das in den Vereinigten Arabischen Emiraten geltende Alkoholverbot ist hier ausgesetzt. Bekannt ist Dubais Flughafen für seine gut bestückten Duty-free-Shops. Sogar in der First-Class-Lounge gibt es eine Verkaufsecke, teuerstes Souvenir ist eine mit 413 Diamanten besetzte Flasche Royal Salute Scotch Whisky für 200.000 US-Dollar. Verkauft wurde davon aber noch keine.

Günstiger sind die Preise in der zentralen Abflugebene, von der aus die Economyclass-Gäste einsteigen. Hier gibt es nur wenige Sitzgelegenheiten - das hat System, die Leute sollen Geld ausgeben. 11.000 Quadratmeter messen die Geschäftsflächen, in denen von Zigaretten über Alkohol bis zu Uhren und Elektronik eine immense Warenfülle herrscht. Der durchschnittliche Kunde gibt in Dubai 46 US-Dollar aus, etwa dreimal so viel wie in Westeuropa, auch das - wen wundert's - ein Weltrekord. Bleibt die Frage, wie man es schafft, ein Terminal oder gar einen Flughafen ohne Verspätung zu bauen. Zunächst sollte man nie einen konkreten Termin nennen, sagt Paul Griffiths, Chef von Dubai Airports: "So eine Aufgabe ist eine ungeheure Herausforderung, das ist nur im Teamwork zu bewältigen. In Concourse A stecken mehr als 159 Millionen Arbeitsstunden, da muss jedes Detail analysiert, jede Person eingebunden werden. Vor der Eröffnung hatten wir über Monate 6000 Freiwillige hier, die jeden Quadratzentimeter auf Herz und Nieren getestet haben."

Zu den aktuellen Schwierigkeiten des Berliner Pannenflughafens BER sagt Griffiths: "Ein neuer Flughafen ist immer eine immense Herausforderung. Und ein gutes Beispiel für die Neigung des Menschen, zu viel zu versprechen und zu wenig zu liefern." Ob er sich einen Wechsel auf den vakanten Sessel des BER-Flughafenchefs vorstellen könne? Hat vielleicht schon jemand aus Berlin angerufen und ihm den Job angeboten? Griffiths verneint. Er habe noch viel vor in Dubai.

(Die Reise erfolgte mit Unterstützung durch Emirates.)