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Taxikrieg ohne Sieger

Der Irrsinn hat Methode. Das klingt immer so, als könne es real nicht sein. Doch wenn Behörden im Spiel sind, wird Irrsinn tatsächlich methodisch. Jedenfalls am Flughafen Berlin-Schönefeld, der zwar so heißt, sich aber auf Brandenburger Territorium befindet. Im Landkreis Dahme-Spreewald, weshalb Autos hier das Kennzeichen LDS tragen. Seit 1. Januar dürfen nur noch Taxis mit diesem Schild in der langen Schlange stehen, um Flugpassagiere aufzunehmen.

Taxis mit einem B auf dem Schild, in Berlin gemeldet, dürfen Gäste nur aus der Hauptstadt an die Peripherie chauffieren - und müssen leer zurückfahren. Ebenso dürfen LDS-Taxifahrer ihre Kunden zwar nach Berlin bringen, was zu etwa 90 Prozent gewünscht ist - müssen aber wieder allein in ihren Landkreis kurven. Beide stecken erhebliche finanzielle Verluste ein, die Fahrt von Schönefeld zum Kurfürstendamm kostet um 60 Euro. Verstärkte Leerfahrten im Zeitalter der ökologischen Wende. Warum hat der Landkreis diese skurrile Regelung gegen den enormen Widerstand der 7400 Berliner Taxifahrer durchgepaukt? Die Begründung: um "die heimischen Taxiunternehmen zu schützen". Hintergrund ist die vorerst gescheiterte Eröffnung des neuen BER, von der die rund 350 Transporteure aus dem Landkreis wegen erhöhten Aufkommens profitiert hätten.

So schlägt die Provinz auf die Hauptstadt ein. Berlin haut zurück und verfügt, dass LDS-Taxis keine Fluggäste mehr am Flughafen Tegel aufnehmen dürfen. Der "Taxikrieg" ist in vollem Gange, es wird nur Verlierer geben. Denn der LDS-Fahrer darf sich auch an keinem anderen Berliner Taxistand blicken lassen. Es soll schon Rangeleien gegeben haben, sogar eine zünftige Schlägerei. Und die Beamten? Die lehnen sich zurück nach dem verschrifteten Vollzug des Irrsinns, mancher wird vielleicht befördert. Denn es wurde Geld generiert.

Die Fahrt von Schönefeld ins Berliner Zentrum ist gerade etwa sechs Euro teurer geworden. Der Fahrgast ist also auch Verlierer. Möglicher Gewinner: Die S-Bahn Berlin fährt die Strecke in der Tarifgruppe B3 für drei Euro zehn - das ist mit Gepäck etwas umständlich, aber es wäre eine Überlegung wert. Und ein echter Schritt zur ökologischen Wende noch dazu.