Meilen & mehr

Wenn Esel online gehen

Karsten-Thilo Raab

In unserem mobilen Kommunikationszeitalter galt bis dato, dass nur Esel ständig online sind. Eine Feststellung, die sich eigentlich allein auf menschliche Zweibeiner bezog. Nun aber haben einige Vierbeiner, wenn auch nicht ganz freiwillig, das mobile Internet für sich entdeckt.

Im israelischen Themenpark Kfar Kedem unweit von Nazareth traben einige Vertreter der Lasttierfraktion nun mit Touristen auf dem Rücken und einem kleinen WLAN-Router um den Hals durch die historische Landschaft Galiläas. Damit mutieren die Tiere zu einem mobilen Internetzugang.

Eine tierisch gute Idee, die Parkmanager Menachem Goldberg entwickelt hat. Damit verlieh er den mitunter störrischen Eseln neben ihrer ohnehin schon tragenden Rolle im wahrsten Sinne des Wortes ein wenig Strahlkraft verliehen.

Mit dem WLAN-Router um den Hals und lauffaulen Gästen auf dem Rücken gehen die Tiere gemäßigten Schrittes durch die historische Landschaft und ein nachgebautes Dorf, in dem Besuchern ein Leben in Galiläa zur Zeit des ersten Jahrhunderts nach Christus vermittelt wird. Der Eselsrücken wird so zur Brücke zwischen der Moderne und einem 2000 Jahre alten Stück Geschichte.

Das Beste: Die Besucher können, während sie wie Abraham über die sanften Hügel dieses Landstrichs reiten, ihre Eindrücke, Bilder und Videos dank der neuen Technik live über das Internet zu ihren Freunden und Verwandten in der Heimat senden und bei Bedarf auch gleich noch die eingehenden Mails checken.

Bleibt zu hoffen, dass die störrischen Tiere ob ihrer unfreiwilligen Zusatzaufgabe ein wenig bockig reagieren. Dann dürfte dem Online-Junkie im Sattel klar werden, welche Eselei er da gerade begeht.