Tourimusbörse ITB

Kanaren, Rügen und Städtetouren - so reisen die Hamburger

Foto: picture-alliance / Bildagentur H / picture-alliance

Die Hanseaten zeigen beim Urlaub andere Vorlieben als der Rest der Nation, hat der Reisekonzern TUI herausgefunden. ITB startet am Mittwoch.

Hamburg. Sie reisen gern nach Süditalien, Malta und auf die Kanaren und legen großen Wert auf Städtereisen und Urlaub zu zweit: Deutschlands größter Reiseveranstalter TUI hat das Reiseverhalten der Hamburger analysiert und dabei einige interessante Abweichungen zum Rest der Deutschen festgestellt. Sowohl auf der Flugmittelstrecke als auch bei Autoreisen zeigten die Urlauber aus der Hansestadt besondere Vorlieben.

Mit Italien oder den Balearen favorisieren die Hamburger laut TUI die Klassiker unter den Ferienzielen, während in den anderen Bundesländern die Türkei und Ägypten im östlichen Mittelmeer weit vorne liegen. Bleibt der Hamburger im eigenen Land, reist er besonders gerne an die Ostseeküste sowohl in Schleswig-Holstein, als auch in Mecklenburg-Vorpommern, heißt es in der Untersuchung weiter. Dort sei sein bevorzugtes Urlaubsziel die Insel Rügen.

Aber nicht nur in Deutschland zieht es den Hamburger stärker als die Bürger anderer Bundesländer in den Norden: so sind die britischen Inseln und Skandinavien beim Hamburger im Vergleich zum Rest der Republik besonders gefragte Ziele.

Neben Badeurlaub sind bei Hamburgern verstärkt Städtereisen gefragt. Im Bundeslandvergleich machen nur noch die Berliner mehr Städteurlaub. Festgestellt wurde außerdem, dass Hamburger bei TUI seltener im Familienverbund verreisen, sondern häufiger Paarurlaube buchen. Sie wählen daher auch gerne eine höherwertigere Kategorie mit dem Schwerpunkt im Vier-Sterne-Segment.

Insgesamt beobachtet TUI einige wesentliche Verschiebungen in der Reisewelt. Der Pauschalurlaub hat sich laut Untersuchung in der Wirtschaftskrise zwar bewährt. Allerdings wandele die Rundum-Sorglos-Reise zunehmend ihr Gesicht, berichtete TUI Deutschland-Chef Volker Böttcher vor Beginn der weltgrößten Tourismusmesse ITB an diesem Mittwoch.

Geschätzt werde von den Gästen vor allem die Kalkulierbarkeit der Kosten und die Sicherheit vor bösen Überraschungen. Die Wünsche an Abläufe, Ziele und Unterkünfte hätten sich aber sehr verändert. „Die Deutschen sind reiseerfahrener geworden – das ist deutlich spürbar“, sagt Böttcher. Dabei habe sich in der Krise auch eine gewisse Polarisierung ergeben. Zuwächse gebe es vor allem bei preiswerten Angeboten einerseits und zum anderen auch im hochpreisigen Bereich. „Die Mitte wird ein bißchen schwächer.“

Böttcher ist überzeugt davon, dass sich auch in Zukunft mit Veranstalterreisen noch gutes Geld verdienen lässt. Nach teils deutlichen Rückgängen bei den Gästezahlen durch die Wirtschaftskrise im vorigen Jahr zögen die Buchungen für den Sommer jetzt wieder an. Im Februar habe das Buchungsminus noch sieben Prozent betragen. „Ein konkreter Ausblick auf das Geschäft in diesem Sommer ist derzeit aber noch nicht möglich“, sagt Böttcher, da die Buchungsentscheidung zunehmend kurzfristig falle.

Insgesamt gefragt seien bei TUI in diesem Sommer verstärkt hochwertige Hotels und Fernreisen erlebten einen Boom mit zweistelligen Zuwächsen. „Der Fernreise gehört die Zukunft.“ Nachdem bisher der Bade-Familienurlaub am Mittelmeer „das Brot- und Buttergeschäft“ der Reiseveranstalter ist, nehme inzwischen die Gruppe der Paare mittleren Alters und der sogenannten „Best-Ager“ an Bedeutung als Kunden immer mehr zu. „Die Kinder sind erwachsen und viele Paare haben wieder mehr Zeit für sich und gemeinsame Reisen“, sagt Böttcher. „Sie sind fit und reiselustig, wollen ferne, auch exotische Länder erleben, in kleinen Gruppen und abseits der üblichen touristischen Pfade unterwegs sein.“

Diese Gäste werden nach Ansicht von Marktforschern in wenigen Jahren die wichtigste Klientel der Veranstalter sein. „Es ist weit mehr als eine Nische“, sagt Böttcher. Sie hätten bestimmte Ansprüche auch an das Ferienhotel: keine Bettenburgen, sondern kleine feine Häuser, in der ersten Reihe am Strand und mit gepflegter Gastronomie.

TUI hat speziell für diese Gruppe die Hotelmarke Sensimar entwickelt und setzt auf der Fernstrecke zunehmend auf Rundreisen mit Durchführungsgarantie. Steigendes Interesse gebe es auch für „Entdeckertouren“, die Urlaubern Begegnungen mit Einheimischen und einen „Blick hinter die Kulissen“ böten. Auch der Branchenzweite Thomas Cook hat ein spezielles Hotel-Programm aufgelegt und andere Veranstalter bieten ebenfalls Einblicke in fremde Kulturen. Der Wettbewerb um eine relativ kaufkräftige Gästegruppe hat begonnen.