Kleine Fluchten

Extravagantes Refugium zwischen City und Südstrand

Das Columbia Hotel in Wilhelmshaven eignet sich auch für einen Kurzurlaub an trüben Tagen. Hier läßt es sich in der Saune entspannen.

Es war ein kurzer, beunruhigender Gedanke bei der Anfahrt durch ein Wilhelmshavener Industriegebiet: Ob es wohl eine gute Idee war, an einem tristen Wintertag im Columbia Hotel einzuchecken? Eine gute halbe Stunde später: Die finnische Sauna des Vier-Sterne-Superior-Hauses ist auch kurz vor Toresschluss gut temperiert, selbst nach 22 Uhr rieselt frisch zerstoßenes Eis in den Brunnen. Das Personal grüßt freundlich. Nein, es war keine schlechte Idee. Und spätestens, als uns Wieland Hartauer zu später Stunde im Seven C's Club einen Cocktail aus schottischem Gin, Rosmarin und Vanilleschote reicht, weicht auch der letzte Zweifel. Hartauer, der von sich sagt, er sei "mit Passion" Barkeeper, mixte seine originellen Drinks zuletzt im Schlosshotel Bühlerhöhe.

Der nächste Tag beginnt mit einer entspannten Runde durch das 15-Meter-Becken. Pool, Sauna, Bar, Foyer - alles ist sehr geräumig, man kann in diesem großen Haus für sich sein. Im Sommer würden wir auf der Sonnenterrasse frühstücken, nun wählen wir einen Fensterplatz im Harbour View, einem Ganztagsrestaurant mit Panoramablick auf den Hafen. Links die City, rechts der Südstrand, vor uns ein paar Dalben und in einiger Entfernung das Wahrzeichen der Stadt, die Kaiser-Wilhelm-Brücke. Dass Wilhelmshaven eine Marinestadt war und ist, daran erinnert die "Mölders" - das ausrangierte Kriegsschiff kann im Marinemuseum besichtigt werden.

Trotz des famosen Ausblicks sollte man nicht versäumen, die mit Mozzarella überbackenen Tomaten und unbedingt auch das Birchermüsli zu testen. Ab zwölf Uhr werden Fisch- und Fleischgerichte, aber auch vegetarische Speisen serviert.

Noch exklusivere Gaumenfreunden genießt der Gourmet im zweiten Restaurant des Hotels, dem Marco Polo. Hier führt André Stolle Regie. Der gebürtige Thüringer hat sein Handwerk unter anderem bei Jörg Müller (Sylt) und Jean-Claude Bourgueil (Im Schiffchen, Düsseldorf) erlernt. Stolle setzt auf "verfeinerte regionale Kompositionen" und versteht dabei unter regional mindestens den Nordseeraum. Seine Kochkunst wird bisweilen als "verwegen" bezeichnet, vielleicht weil er sich auch traut, Katenrauch-Wurst aus Schleswig-Holstein, untypisch genug für ein Sterne-Restaurant, mit Ziegenkäse-Creme, Wassermelone und Trüffel zu kombinieren. Und wenn schon Trüffel, dann kein weißer und auch keiner aus dem Périgord, sondern der von der Ostseeinsel Gotland. Für seine kreative Küche erhielt Stolle 2010 und 2011 jeweils einen der begehrten Michelin-Sterne, für ihn ein "Ritterschlag". Diese Art von Sternen ist im Nordwesten dünn gesät, das Columbia gehört also auch kulinarisch gesehen zu den besten Häusern weit und breit.

Äußerlich hat der extravagante Bau mit seinen sieben Stockwerken Ähnlichkeit mit einem Kreuzfahrtschiff. Matthias Golze, der Kapitän, steuert dieses Schiff durch ruhige See. Der 38-Jährige steht seit der Eröffnung im April 2009 am Ruder. Golze ist stolz auf seine Mannschaft, eine Mixtur aus jungen, ambitionierten Mitarbeitern und besonnenen Fachkräften "mit Lebenserfahrung und Menschenkenntnis". Hatte man das Haus - auch wegen des Jade-Weser-Ports - ursprünglich als reines Businesshotel konzipiert, so nutzen jetzt immer mehr Touristen die eigens erweiterten "Schietwetter-Angebote" wie den Spa-Bereich. Das Reizklima der Nordsee und dazu eine Stadt vor der Tür, deren touristisches Potenzial häufig unterschätzt wird, das sind für Golze weitere Pluspunkte. Sehr willkommen sind auch Hundehalter.

Mit 120 Zimmern - keines ist unter 30 Quadratmeter groß - und 25 Suiten ist das Columbia eines der größten Häuser in der Region. Besonders nobel: die Kaiser-Wilhelm-Suite im siebten Stock. Selbst aus der Badewanne und vom stillen Örtchen hat man einen freien Blick auf den Jadebusen - außer bei Nebel. Das Columbia ist eines dieser Hotels, bei denen es spitzfindig wäre, das Haar in der Suppe suchen zu wollen. Das Wasser im Pool noch zwei Grad wärmer, ein paar mehr Parkplätze vor dem Haus - das sind die kleinen Dinge, die Matthias Golze gern noch ändern würde. Aber sonst? Wir jedenfalls fragen uns bei der Abreise, ob es wirklich eine gute Idee war, nur eine Nacht zu buchen.

Adresse: Columbia Hotel Wilhelmshaven, Jadeallee 50, 26382 Wilhelmshaven, Tel. 04421/77 33 80, www.columbia-hotels.com

Preise: Komfortzimmer inklusive Frühstück ab 128 Euro (Landseite) bzw. 138 Euro (Hafenseite) für eine Person, plus 20 Euro für zwei Personen