Kleine Fluchten

Der halbe Ort als Herberge

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Michael Pasdzior

Foto: Michael Pasdzior

Im "Landhaus Rantum" auf Sylt werden Hotelzimmer, Apartments und Einzelhäuser vermietet

Rantum boomt, jedenfalls was die Übernachtungszahlen anbelangt. Den Grund hierfür erklärt Jan Hendrik Rose so: "Viele Kinder erben zurzeit die Häuser ihrer Eltern. Oft können oder wollen sie damit nichts anfangen. So werden ältere Gebäude verkauft und oft abgerissen, und auf den Grundstücken entstehen neue Häuser mit mehreren Wohnungen, die an Gäste vermietet werden." Das ist auch das Prinzip, nach dem Jan Hendrik sein Geschäft betreibt. Sein Immobilien-Kontor ist inzwischen sehr erfolgreich.

Der junge Unternehmer ist in Geesthacht geboren und erlernte nach dem Abitur den Beruf des Hotelkaufmanns. "Der Kontakt zu den Gästen hat mich schon immer interessiert", erinnert er sich nur zu gut, und so habe sich der Wunsch, in die Hotellerie zu gehen, schon früh gefestigt. Nach seiner Ausbildung hatte er Sylt für eine Sommersaison eingeplant, und ihm wurde klar, dass er diese Insel nicht so schnell wieder verlassen würde. Zunächst war er stellvertretender Geschäftsführer im Hotel "Sylter Hahn". 2001 übernahm Jan Hendrik das Hotel.

Drei Jahre später erfolgte die Expansion mit dem Kauf des Landhauses Rantum mit vier Zimmern. "Das Restaurant war zuvor in einem ständigen Auf und Ab und funktionierte nicht so richtig", sagt er. Das wollte er ändern und nannte es von nun an "Coast", "denn mit dem jungen Namen wollten wir dem Ganzen ein neues Image geben, da wir auch eine junge kreative Küche bieten".

Der Stil des Restaurants mit seinen grün getäfelten Wänden blieb weitgehend erhalten, doch das Mobiliar wurde vollständig verändert. Heute zieren grüne lederbezogene Stühle und geweißte Eichentische den Raum zum Speisen. Die angenehme Atmosphäre wird vor allem von den Lampen einer Pariser Künstlerin bestimmt. "Wir hatten schon so viele Nachfragen, aber leider wissen wir nichts Genaues, da wir die Lampen und Leuchten auf einer Messe in Holland gekauft haben", bedauert er diesen Umstand. Wirkungs- und stimmungsvoll sind sie allemal und bilden darüber hinaus einen interessanten Blickfang.

Der vom Niederrhein kommende Tobias Evers ist der Küchenchef. Sein Können ist beachtlich, "aber wir wollen bewusst keinen Stern, obwohl es gern sternemäßig schmecken darf", gibt er als Devise aus. Da das Gute ja bekanntlich meist so nah liegt, bezieht er fast alle Zutaten von Erzeugern auf der Insel, die frischen Kräuter kommen aus dem Garten. Das täglich wechselnde Gourmetarrangement mit drei Gängen ist mit 35 Euro relativ günstig, à la carte wird es dann teurer. Ergänzt wird das hervorragende kulinarische Angebot von einer umfangreichen Weinkarte mit Schwerpunkt auf deutschen Gewächsen. Jan Hendrik und sein Sommelier und Restaurantleiter "Hotti" Höhne sind Liebhaber guter Tropfen und haben eine eigene kleine Weinparzelle an der Mosel erworben, die im Jahr circa 1000 Flaschen Riesling erbringt.

Da die Nächte auf Sylt bekanntlich sehr lang werden können, wird das Frühstück von 9 bis 17 Uhr angeboten. Die Auswahl an Aufschnitt ist groß, und die selbst gemachten Marmeladen schmecken köstlich.

Insgesamt sind 48 Wohneinheiten in den zehn auf den Ort verteilten Häusern vorhanden. Der Gast kann zurückgezogen ohne Hotelbetrieb logieren, ohne jedoch auf die Annehmlichkeiten, wie Frühstück und Abendessen, verzichten zu müssen.

Die Wohnungen sind durchweg exklusiv in modernem Landhausstil eingerichtet. Einige Apartments verfügen über Kamin und Sauna, und von denen, die auf den Dünenkuppen liegen, hat man einen schönen Blick auf den Ort und das Wattenmeer.

"Man kann ja ein Ferienapartment wie ein Hotelzimmer vermieten. Bei uns kann sich der Gast auswählen, was für ihn am geeignetsten ist. Vom Einzimmerapartment bis zum Einzelhaus kann er alles bekommen," erläutert der Inhaber das Konzept. Wie die hohe Auslastung zeigt, liegt er damit richtig.