Bahn in Fahrt

Die Feste feiern, wie sie fallen - oder: Der nächste Karneval kommt bestimmt

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Die Kolumne von Uwe Bahn

Seit Aschermittwoch ist alles vorbei. Kein Karneval mehr. Vorbei die schöne Zeit für Frohnaturen. Nun gilt es, die depressive Dürre bis zum Oktoberfest zu überbrücken; das beginnt erst am 22. September. Wo können wir vorher fröhlich Feste feiern? Wo ist das Alaaf-Adäquate, das Prosit der Gemütlichkeit? Okay, im Mai wird auf die Vizemeisterschaft des FC Bayern angestoßen. Eine Mordsgaudi. In Dortmund, Gladbach oder Gelsenkirchen. Aber sonst?

Das Schützenfest in Hannover Ende Juni! Da wird der Maschsee zum Marschsee. 10 000 Uniformierte ziehen zu Radetzky im Gleichschritt durch die Innenstadt. Und irgendwo dazwischen steht Christian Wulff und denkt an den Großen Zapfenstreich und das Schloss Bellevue. Das waren noch Zeiten! Nicht mal mehr 200 Tage sind es bis zum Dürkheimer Wurstmarkt, dem größten Weinfest der Welt. Das ist kein historisches Heulsusen-Treffen, es geht um Wein, nicht um Weinen. Und um die Wurst, die dort bereits seit 1832 auf dem Grill liegt. Hinweis für Vegetarier: Falls Sie in der Pfalz sind, umfahren Sie das Festgelände weiträumig.

Einen speziellen Dresscode für deutsche Volksfeste gibt es nicht, abgesehen vom Kölner Karneval, wo Sie entweder als Krokodil Schnappi gehen (Männer) oder als nymphomane Krankenschwester mit überdimensionierter Betäubungsspritze (Frauen). Aber diese Fragen stellen sich erst wieder in einem Jahr. Etwas mehr Einfallsreichtum bei der Kostümierung darf es dann aber schon sein. So kommen zum Bremer Sechstagerennen immer wieder welche als Radfahrer, auf der Kieler Woche sehe ich jedes Jahr aufs Neue einige Segler. Letztlich stört das doch sehr die Feststimmung, gerade zu ambitionierte Sportler wirken da oft wie ein Fremdkörper. An dieser Stelle ein Hinweis: Zum Stoppelmarkt in Vechta (16. bis 21. August) müssen Sie nicht kahl rasiert erscheinen.

Die Cannstatter Wasen, das ist so etwas wie das Oktoberfest von Stuttgart. Nur dass die Schwaben anders feiern. Und sparsamer sind, so das alte Vorurteil. Ich habe es nicht erlebt, dass sie sich an der Würstchenbude zu elft eine Portion Pommes teilen und die eigene Mayonnaise mitbringen. Sie sitzen auch nicht zu acht in einem Autoscooter. Fahrgeschäfte gehören natürlich auf jedes deutsche Volksfest, auch auf den Hamburger Dom. Letztlich gehe ich dort am liebsten an die Losbude. Das ist der einzige Schausteller, bei dem ich keinen Looping machen muss. Wozu ein Schaschlik essen, wenn Sie es zehn Minuten später in der Achterbahn sowieso wieder loswerden?

Eines meiner Lieblingsfeste bei uns im Norden ist das "Anbaden" in deutschen Ost- und Nordseebädern. Auf einem Lkw-Anhänger am Ufer klampft dann eine Top-40-Band Welthits wie "Du hast mich tausendmal belogen" oder "Take Me Home Country Roads". Dann stapft der Kurdirektor in Badehose mutig ins eiskalte Wasser und hofft, dass ihm dieses Jahr jede Menge folgen. In diesen Tagen dürfte das besonders häufig passieren zwischen Amrum und Ahlbeck, jetzt, wo das Eis gerade erst geschmolzen ist. Geht ruhig rein, Jungs. Wir kommen dann im Juli nach. Wann war jetzt noch mal genau der nächste Karneval?