Unterwegs getroffen

Ein Hotdog kann auch öko sein - und zum Erfolg führen

Jahrelang beobachtete Claus Christensen durchs Uni-Fenster das Treiben am gegenüber liegenden Hotdog-Stand - und wollte es besser machen.

Manchmal muss man neu denken, um alte Traditionen zu bewahren. So wie Claus Christensen. Dabei war es ein Zufall, der den 33-Jährigen zu einem der ungewöhnlichsten Unternehmer von Kopenhagen gemacht hat. Und zu einem der originellsten. Das kam so: Jahrelang beobachtete der Bachelor in den Fächern Ernährung und Gesundheit von seiner Hochschule Suhr's Seminarium im Herzen der dänischen Hauptstadt aus beim Blick durchs Uni-Fenster das lebhafte Treiben am gegenüber liegenden Hotdog-Stand.

Die mobilen, rollenden Würstchenbuden gehören zum Straßenbild aller Städte im kleinen Königreich - und sind doch dank der Konkurrenz durch Burgerrestaurants, Dönerimbisse und Co. vom Aussterben bedroht. Gleichzeitig plagt auch immer mehr unserer nördlichen Nachbarn das schlechte Gewissen beim herzhaften Biss in die kalorienreichen Pølser, die erst fettig gegrillt und dann in Remoulade oder Ketchup gebadet in einem nährstoffarmen Brötchen serviert werden. Und die Beilagen Gurken und geröstete Zwiebeln versetzen Ernährungsexperten auch nicht gerade in Jubelstürme. Die Konsequenz: Gab es vor wenigen Jahren noch 600 der sogenannten Pølsevogne, sprich: Hotdog-Wagen, an allen größeren Plätzen in Kopenhagen, sind es heute gerade noch 40.

"Da kam mir die verrückte Idee, dass ich das besser machen könnte", erinnert sich Claus Christensen an das Jahr 2005. Damals ahnte der auf der Insel Als in Südjütland geborene Ökotrophologe, dass auch ein Fast-Food-Klassiker wie das Hotdog eine bessere Zukunft verdient hat. So grübelte, entwickelte und verwarf der leidenschaftliche Verfechter der schnellen Zwischenmahlzeit, ehe er sein Konzept und seine Nische gefunden hatte: ein dänischer Fast-Food-Snack, wie er typischer nicht sein kann - das erste Bio-Hotdog. 100 Prozent ökologisch mit Zutaten aus Bioanbau und wirklich gesund. Ende November 2009 eröffnete Christensen seinen Bio-Hotdogstand im Schatten des historischen Rundetårn - des Runden Turms - in Kopenhagens Altstadt unter dem Namen "Den økologiske Pølsemand", kurz DØP, zu Deutsch: der Bio-Würstchenmann.

Seine ungewöhnliche Idee gab ihm recht. "Heute habe ich Stammkunden, die seit der ersten Stunde kommen", sagt Christensen. Sie genießen das Ur-Bio-Hotdog aus Rind- oder Schweinefleisch im Vollkornbrötchen aus Høyers Bageri in Kastrup. Auf der Karte steht auch das rein vegane Pendant mit weißer oder brauner Tofuwurst im Sauerteigbrot mit Kartoffel- oder Pastinakenmus. Servietten und Pappteller sind aus Recyclingstoffen. Der Durchschnittspreis aller DØP-Hotdogs liegt bei 34 Dänischen Kronen, rund 4,60 Euro.

Der Anfang war schwer, erinnert sich Christensen: "100 Arbeitsstunden in der Woche und ein kurzer Schlaf im Hotdog-Wagen waren die Regel." Weniger ist die Arbeit nicht geworden, doch gut zwei Jahre nach Geschäftsgründung hat der Jungunternehmer bereits sechs Angestellte und eine rollende Filiale, die auf dem nahen Israels Plads gegenüber den Hallen des Kopenhagener Bio-Wochenmarktes steht. Hinzu kommt eine dritte Pølse-Bude für Events und Catering. Der Erfolg scheint garantiert, denn die Liebe zu DØP-Hotdogs kennt keine (Länder-)Grenzen. "Bei mir am Stand essen Geschäftsleute aus Kopenhagen, aber es kommen auch viele Norweger, Schweden - und fast noch mehr Deutsche", freut sich Christensen. Dank seiner guten Deutschkenntnisse kommt der Familienvater mit ihnen schnell ins Gespräch.

Und was ist das Geheimnis hinter DØP? "Meine Gäste essen ein Produkt mit einem schlechten Ruf und können trotzdem ein gutes Gewissen haben. Das kann doch nicht falsch sein", freut sich Claus Christensen.

Den økologiske Pølsemand steht am Rundetårn, Købmagergade, www.doep.dk . Geöffnet ist der Bio-Hotdogstand von Mo-Sa ca. 11-18 Uhr.