Zypern: urige Landschaft, bodenständige Menschen

Wo Gastfreundschaft noch keine Floskel ist

Foto: Dagmar Gehm

 Foto: Dagmar Gehm

Das Strandangebot steht hier nicht allein im Fokus. Denn auch auf der Insel ist der naturnahe Aktivurlaub stark im Kommen.

Vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt. Auch in ihrem eigenen Reich. Auf Zypern, der Insel der Götter.

Über Geröll, große Steinbrocken und Wurzeln führt die Wanderung auf der Akamas-Halbinsel im südwestlichsten Zipfel. Noch sind die Wege für verwöhnte Anhänger von gut präpariertem Freizeitvergnügen nicht präpariert genug. Ein bisschen wild sind sie, ein bisschen anstrengend auch, aber wunderbar abwechslungsreich. Mitten durch Wiesen voller Blumen führen sie, darunter ganze Teppiche blühender Orchideen. Immer begleitet von dem starken Kräuterduft der Macchia, dem dichten Gebüsch des Südens. Wir wandern durch Pinienwälder und erreichen skurrile Felsformationen, von denen man einen fantastischen Blick auf die Küste genießt. Auf sichelförmige Sandbuchten, auf das smaragdfarbene Meer, in dem angeblich Aphrodite, die griechische Göttin der Schönheit und Fruchtbarkeit, ihr Bad zu nehmen pflegte. Damit sind wir wieder bei den Göttern, die auf dieser Insel der Antike allgegenwärtig sind. Jedenfalls bei dem Halbgott, der dem gelb blühenden "Stab des Prometheus" seinen Namen gegeben hat. Einst soll er im ausgehöhlten Stängel dieses Rutenkrauts den Menschen das Feuer vom Olymp gebracht haben.

Einer Reise zurück in der Zeit gleicht auch die Wanderung durch das Troodos-Gebirge, dem grünen Herzen Zyperns, mit dem 1952 Meter hohen Olympos als höchster Erhebung. Auf den Gesteinen, die vor 90 Millionen Jahren als Magma aus dem Erdmantel brachen, wachsen mehr als 2000 Pflanzenarten. Bestens gewartet ist hier der Kaledonia-Naturpfad, der sich durch lichten Mischwald zieht, auf schmalen Holzbrücken Wildbäche überquert und im Hochsommer eine schattige und vor allem gesunde Alternative zum Brutzeln am Strand bietet. Nur die Mufflons, die hier beheimatet sind, lassen sich heute nicht blicken.

72 Wanderwege ziehen sich auf 322 Kilometern wie ein Netz durch das Gebirge. Fangfrische Bachforellen werden in Tavernen wie "Neraida" in Phoini serviert. Im Dorf wartet eine zweite Versuchung: Loukoumia, eine köstlich klebrige Süßigkeit, die im Familienbetrieb hergestellt wird.

Eine Initiative von sechs Dörfern im Troodos-Gebirge fördert altes Handwerk wie Korbflechten, Töpfern, Ikonenmalerei und Sticken. "Nur noch zwei Leute in meinem Dorf Kaminaria konnten bisher noch Körbe flechten", sagt Andreas Ioannou (76). "Inzwischen fangen auch die Jungen wieder an, alte Handwerkskünste zu lernen, weil sie sehen, dass sich damit Geld verdienen lässt."

Sogar der Europäische Fernwanderweg E4, der die Flughäfen Larnaka und Pafos verbindet, führt durch das Troodos-Gebirge. Zu unberührten Landschaften und Regionen, die wegen ihrer historischen und archäologischen Schätze bedeutsam sind.

Wandern und Mountainbiken durch das Troodos-Gebirge - ein Gesamterlebnis! Zehn Kirchen sind als Unsesco-Weltkulturerbe ausgewiesen, wie die Agio Nikolaos in Kakopetria, einem Dorf, das unter Denkmalschutz steht.

Auf sanftere Tour erfährt man die Insel beim Radeln entlang der Küste und durch das Inselinnere. Das Tourismusamt hat neben einem Wanderführer auch einen praktischen Taschenführer für verschiedene Radtouren herausgebracht. Ein bisschen abseits der Route liegt Anogyra in der Gegend von Limassol. Auf dem Bauernhof Anoyrkatiko halten Stella und Pantelis ungefähr 200 Tiere, hauptsächlich Schafe und Ziegen. Besucher können bei der Herstellung des würzigen Halloumi-Käses mithelfen.

Die griechischen Götter können die Verbauung so mancher Küste nicht gewollt haben. Vielleicht locken sie die Besucher auch deshalb zum ursprünglichen, ländlichen Zypern. Mit kleinen Orten, wo Gastfreundschaft noch keine Worthülse ist und Touristen im Cafeneion aufs Herzlichste bewirtet werden. Wer sich eine traditionelle Ferienwohnung in der Region Tochni mietet, lebt ohnehin mitten unter Zyprioten. Die alten Steinhäuser mit ihren großzügigen Dachterrassen und lauschigen Innenhöfen wurden liebevoll restauriert, mit Studios und Apartments ausgestattet und einem Gemeinschaftspool versehen. Mischformen aus gewachsenen und von der EU subventionierten Unterkünften.

In Kalavasos verleiht Frederik Zierke Mountainbikes, Rennräder und Trekkingräder. Er bietet geführte Touren an. Bis zu 250 Kilometer am Tag für den, der die Herausforderung liebt. Wir mögen es weniger extrem und strampeln auf flachem Gelände zu einem nahe gelegenen Reitstall. 17 Pferde - darunter feurige Araber - und einen Esel betreut die Schweizerin Marisa Potamitis auf der Drapia Pferdefarm, wo sie Unterricht und Ausritte anbietet.

Auch viele Hotels haben verstanden, dass sie mit reinem Strandangebot nicht mehr punkten können, dass sich Aktiv- und Luxusurlaub nicht zwangsläufig ausschließen müssen. Selbst das Luxusresort "Anassa", eine der edelsten Adressen auf Zypern am Asprokemnos-Strand, setzt neben Thalassotherapie auf Aktivitäten. Mit Golfen auf drei nahe gelegenen Plätzen, mit Jeepausflügen, mit Tauchtouren zu Unterwasserhöhlen, mit Wassersport wie Parasailing, Wind- und Kitesurfen, Powerbootfahren.

Wandernd, radelnd und reitend dem Sommer ein Stück voraus sein - schon im März scheint die Sonne warm auf Zypern. Die Götter haben es wirklich gut gemeint mit ihrer Insel.

© Hamburger Abendblatt 2018 – Alle Rechte vorbehalten.