Fünf Fragen: Kirsten Feld-Türkis von airtours

Läuft Luxus immer noch?

Die Schere zwischen Schnäppchenreisen und Hochpreisurlaub klafft immer weiter auseinander.

Abendblatt: Bei vielen Marktforschungs-Untersuchungen heißt es: Was immer läuft, ist Luxus. Können Sie als Anbieter des umfassendsten Angebots in diesem Segment die These untermauern?

Kirsten Feld-Türkis: Eindeutig ja, wobei sich der Luxusreisemarkt derzeit stark verändert. Die Kunden reagieren auf die Situation - zum Beispiel in der Auswahl ihres Reiseziels. So waren exklusive Reisen innerhalb von Deutschland, Österreich und der Schweiz 2009 so gut gebucht wie nie zuvor. Stark nachgefragt sind besondere Hoteladressen, kleine Hideaways und echte "Geheimtipps". Zudem sehen wir einen deutlichen Trend zu "Smart Luxury" - Kunden buchen bewusst bestimmte Specials und nutzen die besonderen Mehrwerte wie Upgrade in eine höhere Zimmerkategorie oder die Business Class im Flugzeug.

Abendblatt: Wie ist es zu erklären, dass in der immer noch anhaltenden Wirtschaftskrise die Nachfrage nach hochwertigen Produkten - zumindest in der Reisebranche - sogar noch steigt?

Feld-Türkis: Eine hochwertige Traumreise ist immer auch eine Belohnung für das Erreichte, ein Treffen unter seinesgleichen, eine vollendete Fortsetzung der persönlichen Lebenswelt auch beim Reisen.

Abendblatt: Gibt es bei Urlaubern, die sehr hochwertige Reisen buchen, noch verschiedene Untergruppen und Strömungen, und welches Segment verzeichnet die stärksten Zuwächse?

Feld-Türkis: Luxusreisende sind keine homogene Kundengruppe. Da gibt es zum Beispiel den eher traditionellen Gast, der seit Jahren das Reisen auf höchstem Niveau schätzt, bei der Wahl seines Hotels keine Experimente macht und in weltweit bekannten Top-Häusern wohnt - wir vergleichen ihn gern mit dem distinguierten Hamburger Kaufmann. Eine weitere Kundengruppe sind eher jüngere Menschen, die in den vergangenen Jahren viel erreicht und Vermögen gebildet haben. Sie lassen es sich in der wenigen freien Zeit richtig gut gehen. Hier stehen völlig andere Erlebnisse, Reiseziele und Hotelkonzepte im Vordergrund. Oder denken Sie an Familien im Luxussegment: Für sie ist Zeit häufig der größte Luxus, denn zwischen Beruf, Ausbildung, gesellschaftlichem Engagement und Hobbys bleibt nicht viel Raum für gemeinsame Momente. Das hat uns bewogen, das neue Programm "Familienzeit" zu entwickeln, das genau auf die Bedürfnisse von Familien zugeschnitten ist.

Abendblatt: Mehrere Anbieter greifen inzwischen das Thema Luxus auf. Steht eine Buchung für hochwertigen Urlaub über einen Reiseveranstalter nicht im Widerspruch, weil der möglicherweise auf Sonderwünsche gar nicht eingehen kann?

Feld-Türkis: Zeitgewinn und Vertrauen in den Partner sind wichtige Voraussetzungen bei der Urlaubsplanung, diese Rückmeldung erhalten wir regelmäßig. Langjährige Erfahrung, echtes Insiderwissen und konsequentes Servicedenken sind die Kriterien für Urlauber, lieber über einen Veranstalter zu buchen. Luxusreisen bedeuten doch nicht einfach Urlaub in feinsten Hoteladressen, sondern persönliche Wünsche oder Bedürfnisse erfüllt zu bekommen. Deshalb haben wir zum Beispiel unser À-la-carte-Programm nochmals ausgebaut. Zudem bieten wir einen Concierge-Service an, mit dem unsere Gäste bereits im Vorfeld ihrer Reise ganz spezielle Wünsche mitteilen können.

Abendblatt: Gibt es Erfahrungswerte, wie stark Urlauber, die in Luxusoasen absteigen und sich dort sehr wohl fühlen, überhaupt noch an Land und Leuten in ihrem temporären Umfeld interessiert sind? Werden auch von dieser Zielgruppe Ausflüge gebucht?

Feld-Türkis: Beides gibt es - Menschen, die nach völliger Ruhe und Entspannung suchen, und jene, für die neue Erfahrungen und außergewöhnliche Erlebnisse auf einer Reise größter Luxus sind.