Down Under

Zehn Vorurteile über Australien

In Australien scheint immer die Sonne, die meisten Einheimischen liegen den ganzen Tag nur am Strand, und viele "Aussies" besitzen Kängurus als Haustiere. Solche und ähnliche Irrtümer über Down Under kursieren nicht selten bei Touristen. Andererseits gibt es aber auch Klischees, die sich dann doch bestätigen. Was ist falsch, was richtig? Das Abendblatt klärt auf:

Hier scheint immer die Sonne

Falsch! Zwar ist Australien der trockenste Kontinent der Erde mit einer erheblichen Überdosis an Sonnenschein. Doch zu den drei Klimazonen des Landes gehört auch völlig unterschiedliches Wetter. Da sind z. B. die Regenzeit im tropischen Norden des Landes, die trockene Hitze im Outback Zentral-Australiens und das kühl-gemäßigte Küstenklima auf der Insel Tasmanien. Sydney an der Südostküste hat subtropisches Klima.

Die meisten Einheimischen liegen den ganzen Tag nur am Strand

Falsch! Zum lässigen "Australian way of life" gehört zwar einerseits, sich selbst möglichst viel Unabhängigkeit und Freizeit zu verschaffen. Spaß will man haben - ob am Strand, oder in Klubs und Pubs. Doch andererseits arbeiten die Australier hart, die Zahl jener mit zwei Jobs steigt. Von neuen Einwanderern aus Deutschland ist oft zu hören, sie hätten in ihrem Leben noch nie so viel gearbeitet. Löhne und Gehälter sind meistens niedriger als in der alten Heimat, es gibt weniger Urlaub.

Kängurus sind beliebte Haustiere

Falsch! Hunde und Katzen sind auch in Australien die populärsten Haustiere. Nicht erlaubt ist es dagegen, Beuteltiere wie Kängurus, Koalas und Wombats privat zu halten. Die einzigartige Tierwelt ist eine der Attraktionen des Kontinents. Bemerkenswert sind neben den Beuteltieren urzeitliche Geschöpfe wie das Schnabeltier, eine Vielfalt an Vögeln sowie Insekten-, Echsen- und Schlangen-Arten. In den Wüsten- und Halbwüstengebieten des Outback leben Kamele.

Die Australier sind besonders freundliche Leute

Richtig! Der stets freundliche Umgangston der Australier und ihre Hilfsbereitschaft sorgen für eine allgemein gute Stimmung. Das zeigt sich z. B. im Supermarkt, wenn die Kassiererin jeden Kunden begrüßt und fragt, wie es ihm gehe. Der Aussies ist bemüht, einen weitgehend unbeschwerten Lebensstil zu praktizieren. Probleme wird man schon irgendwie lösen. Eine beruhigende Haltung, die manche Konfliktsituation schnell entschärft. Allerdings besteht die Gefahr, unerledigte Dinge vor sich herzuschieben oder sich nie um sie zu kümmern.

In Australien gibt es fast keine Bürokratie

Falsch! Angesichts der entspannten Atmosphäre ist das Ausmaß der Bürokratie überraschend. Es gibt eine Menge Vorschriften und Regeln, die man - speziell in Schule und Berufsleben - beachten muss. Auf Äußerlichkeiten wird sehr viel Wert gelegt. Nicht nur Touristen sollten die strengen Einreisebestimmungen einschließlich der Quarantäne-Vorschriften befolgen und bei der Ankunft die Einreisekarte wahrheitsgemäß ausfüllen! Nicht erlaubt ist z. B. die Einfuhr von frischem Obst.

Wegen vieler gefährlicher Tiere ist ein Australien-Urlaub zu riskant

Falsch! Zwar gibt es Hai-Attacken, Schlangen-Bisse und Krokodil-Angriffe. Doch deshalb muss man nicht ständig Angst haben! Die Wahrscheinlichkeit, Opfer eines dieser gefürchteten Tiere zu werden, ist äußerst gering. Meistens kommt es durch leichtsinniges Verhalten zu einer ernsthaften Attacke. Das betrifft auch Exkursionen auf eigene Faust im Outback, wo gewissenhafte Vorbereitungen und eine angemessene Ausrüstung (über-)lebensnotwendig sind.

Die Aussies sind sehr nationalbewusst

Richtig! Stark ausgeprägt ist das Nationalbewusstsein der Australier. Das wird u. a. im Sport deutlich. Erfolgreiche Sportler sind die "Heroes" (Helden) des Landes. Olympiasieger werden unmittelbar nach ihrem Erfolg auf Briefmarken verewigt, ehemalige Sport-Asse können ihren Ruhm als glorifizierte Legenden genießen. Gern sieht man sich als "Best of the World". Am Nationalfeiertag, dem Australia Day (26. Januar), zeigt man stolz die australische Fahne.

Selbst im Winter ist es nie richtig kalt

Falsch! Die Nächte im Winter (Juni bis August) können für australische Verhältnisse empfindlich kalt werden, z. B. in Sydney 8 Grad und weniger, in der Hauptstadt Canberra um den Gefrierpunkt. Im Outback, wo es im Sommer 35 Grad oder heißer wird, sinkt die nächtliche Winter-Temperatur auf etwa 4 Grad. Die meisten Haushalte sind ohne Zentralheizung, viele Aussies behelfen sich deshalb mit Elektro-Heizkörpern. Trotzdem ist oft Frieren angesagt!

Koalas leben auch in Parks mitten in der City von Sydney

Falsch! Koalas leben nicht in Stadtparks. Die meisten Australien-Touristen sehen Koalas nur in Zoos und Tierparks. Mit etwas Glück kann man diese Beuteltiere auch in freier Wildbahn entdecken, sie sind aber nur in den Bundesstaaten Queensland, New South Wales, Victoria und South Australia beheimatet. Koalas zählen weltweit zu den originellsten Tieren und sind Werbefiguren der australischen Tourismus-Industrie.

Australien ist zu weit entfernt für eine Urlaubsreise

Falsch! Klar, Australien gehört zu jenen Ländern, die von Deutschland am weitesten entfernt sind. Reine Flugzeit von Frankfurt nach Sydney oder Melbourne: 18 bis 20 Stunden. Je nach Flugroute und Zwischenlandung(en) ist man jedoch bis zu 24 Stunden oder länger unterwegs. Vielleicht lässt die Vorfreude auf den Urlaub die Strapazen etwas erträglicher werden. Tipp: Wenn man am Zwischenlande-Ort übernachtet oder zwei, drei Tage bleibt (z. B. in Bangkok oder Singapur), ist die Reise weniger anstrengend.

Der Autor lebt in Sydney.