Treffen auf dem Dach der Welt

50 Jahre Erstbesteigung des Mount Everest: Zahlreiche Veranstalter bieten Touren zum höchsten Berg der Erde an.

Kathmandu. Liebe Freunde, ich sitze hier im Mount-Everest-Basiscamp und schreibe Euch diese E-Mail!" In vielen elektronischen Briefkästen werden bald solche Nachrichten eintrudeln. Denn: Am berühmten Startpunkt für Hochgebirgs-Expeditionen hat ein Internet-Cafe eröffnet - in über 5300 Metern Höhe. Und 50 Jahre, nachdem Sir Edmund Hillary und Tenzing Norgay den mit 8848 Metern höchsten Berg der Erde als erste bestiegen, machen sich zahlreiche Bergsteiger auf die beschwerliche Tour. Nicht alle jedoch sehen den Run aufs Dach der Welt positiv. So warnt Christoph Thoma vom DAV Summit Club vor "kommerziellen Expeditionen, bei denen Leute auf den Berg gehievt werden, die viel Geld haben, nicht aber die bergsteigerischen Voraussetzungen". Immerhin machen sich an Schönwettertagen schon mal 80 oder 90 Kletterer auf den Weg. Auf dem Mount Everest wird es also eng. Und das, obwohl die nepalesische Regierung pro Gipfelsturmgruppe 50 000 Dollar fordert; mit Sherpas, Ausrüstung und Anreise kommt da für den Einzelnen schnell ein sechsstelliger Betrag zusammen. Dennoch haben zahlreiche Veranstalter den Berg der Berge im Programm. Nur wenige allerdings führen ihre Kunden bis zur Everest-Spitze. Der Augsburger Veranstalter Kurt Michel etwa weicht schnell von der Hauptroute ab, um die Landschaft zu zeigen. Beim Wandern vorbei an Moränenseen, durch Steinwüsten und über Gletscherfelder, beim Besuch von Klöstern und Märkten wird dem Reisenden die Schönheit Tibets deutlich. Während allerdings auch Michel einen Abstecher ins Basiscamp auf dem Programm hat, meiden die Guides von Active Tours aus Wiesenttal dieses Gebiet am Khumbu Gletscher ganz. Zum einen könne dieser Platz kaum mit dem Ort Gokyo und seinem See konkurrieren. Zum anderen, so Active-Tours-Chef Nils Hallenberg, "haben sich dort so genannte Expeditionen mit diversen Hinterlassenschaften verewigt". Zwar sind alle Bergsteiger verpflichtet, ihren Müll wieder mit ins Tal zu bringen. Im Camp allerdings liegen mittlerweile wahre Müllberge. Neben einer 24-tägigen "Everest Classic"-Reise bietet auch Active Tours eine Hochalpin-Variante an. Während des gut vierwöchigen Aufenthaltes in Nepal stehen auch Besichtigungstouren durch Kathmandu oder zu den fünf Seen an der Südflanke des Ama Dablams auf dem Programm. Außerdem werden die Teilnehmer in Technik und Sicherheit am Berg eingewiesen, denn Höhepunkt der Tour ist die Besteigung der Mera. Früh um drei Uhr machen sich die Wanderer auf, um den 6461 Meter hohen Gipfel zu erklimmen. Bis auf knapp 6000 Meter führt der Österreicher Christian Hlade seine "Weltweitwandern"-Gäste. Auf diese Höhe kann man nämlich vom Everest-Basiscamp aus wandern, ohne klettern zu müssen. Damit ist die Tibet-Tour mit Besichtigungen eindrucksvoller Städte, Wanderungen entlang des alten Pilgerweges zwischen den Klöstern Ganden und Samye und dem Blick auf das atemberaubende Panorama der Achttausender auch für den geeignet, der mit Bergsteigen nicht allzu viel am Hut hat. Allerdings: Gute Kondition ist - wie für alle Tibet-Fahrten - Pflicht. Immerhin stehen täglich fünf bis sieben Stunden Gehzeit auf dem Programm. Mehrere tausend Höhenmeter müssen überwunden werden. Besonders komfortabel ist eine neue Trekkingidee des Münchner DAV Summit Club, ein Tochterunternehmen des Deutschen Alpenvereins: "Everest Summit Lodges". Die komfortablen Unterkünfte stehen auf Sonnenterrassen über Dörfern und bieten einen herrlichen Blick auf die Himalaja-Gipfel. Mit etwa fünf Stunden Gehzeit pro Tag sind die technisch leichten Wanderungen für jeden einigermaßen sportlichen Urlauber geeignet. Und das schönste an den vorgestellten Reisen: Mit Preisen zwischen rund 1100 und 4000 Euro pro Person sind sie erschwinglich. Teurer werden alle Gipfeltouren, bei denen eine Genehmigung der örtlichen Behörden notwendig ist. Eine Expedition für den Weltfrieden wollen zehn Kletterer im Mai starten. Die Teilnehmer des "Everest Peace Project" wollen dann den höchsten Gipfel der Erde bezwingen - zum 50. Jahrestag der Erstbesteigung.

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