Unterwegs getroffen

Hamburger Deern erfrischt mallorquinische Naschkatzen

Sabine Cardinahl, die Eisfrau von Sa Rapita. Auf der Insel Mallorca vermisst sie den Hamburger Regen und Matjes.

Sie hat den schönsten Terrassenplatz. Vor ihren Augen kräuseln sich die Wellen des Meeres, in der Ferne sieht sie Mallorcas beliebtesten Badestrand Es Trenc. Die Dünen erinnern sie ein wenig an Sylt. Heute herrscht Hochbetrieb. Viele Gäste sind gekommen, unter ihnen zahlreiche Hamburger, die hier ihre Ferien verbringen. Alle wollen nur das eine: Sabines Eis. Es hat sich herumgesprochen, dass es das leckerste auf der Insel sein soll. Sabine Cardinahl hat vor anderthalb Jahren in Sa Rapita ihr Eiscafé Cardinelli eröffnet. Es liegt knapp einen Kilometer hinterm Yachthafen des Fischerdörfchens, wenige Hundert Meter hinter der Kurve an der Straße nach S'Estanyol.

Wir sitzen auf der Terrasse, während Sabines Tochter Laura und eine Kollegin die Gäste bedienen. Seit zehn Jahren besitzt Sabine Cardinahl mit ihrem Mann Rolf eine Finca zwischen Sa Rapita und Campos. Pendelte zwischen Hamburg und Mallorca. "Ich bin eine echte Hamburger Deern, die sich einen Lebenstraum erfüllt hat", erzählt sie. Sie wurde in Blankenese geboren, verbrachte dort ihre Kindheit, lebte in Eimsbüttel und arbeitete im Kücheneinrichtungshaus ihres Mannes in Eppendorf. "Mein Mann Rolf und ich sind begeisterte Segler. Mit unserem Boot schippern wir durchs Mittelmeer. Auf einer dieser Reisen wurde die Idee zu meinem Eisladen geboren." Die beiden waren im Hafen von Cala Rajada vor Anker gegangen und hatten sich ein Eis gekauft. Aber es schmeckte ihnen nicht. "Es war ungenießbar", erinnert sich Sabine. "Ich dachte mir, das können wir besser. Mein Mann fand die Idee sofort gut." Sabine zog ganz auf die Insel. Ebenso ihre Tochter, die eine eigene Wohnung hat. Beide lernten in einem Eisladen in Palma, ließen sich in die Geheimnisse des Eismachens einweihen. Sie erwarben alle notwendigen Lizenzen und dürfen heute auch Eis produzieren. Zu ihren Kunden gehören große Hotels und Restaurants. Für Sabine war es eine echte Herausforderung, den richtigen Geschmack zu treffen. Mallorquiner lieben süßes Eis, die Deutschen bevorzugen es fruchtiger.

Sabine und ihre Tochter scheinen den richtigen Geschmacksnerv getroffen zu haben. Zwischen 11 und 23 Uhr herrscht im Cardinelli reger Betrieb. Schoko-, Vanille-, Erdbeer- und Spaghetti-Eis sind die gefragtesten Sorten, aber der Renner ist der Schwarzwaldbecher mit Amarena, ein bisschen Rum, Schokoladen-Streuseln und ganz viel Sahne. "Die Spanier gehören zu unseren treuesten Kunden. Sie sind richtige Naschkatzen", schmunzelt Sabine. Sie hat zu vielen Mallorquinern ein sehr persönliches Verhältnis, wird oft zum Essen eingeladen. Der Mallorquiner freue sich über kleine Mitbringsel. Statt Blumen werde hier Selbstgemachtes sehr geschätzt: Kuchen, Süßigkeiten und natürlich Eis. Sabine und auch Tochter Laura sind sicher: Sie bleiben auf Mallorca. Für immer. Was die beiden am meisten vermissen? "Den Hamburger Regen", sagt Laura wie aus der Pistole geschossen und wischt sich den Schweiß von der Stirn. "Ich vermisse Matjes", sagt Sabine und leckt sich die Lippen. Vielleicht bringt Ehemann Rolf ja welchen mit. Er kommt regelmäßig zu Besuch, irgendwann will auch er ganz auf der Insel bleiben.

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