Kreis Pinneberg

Seehundzählung auf Helgoland – wie geht das?

So haben sie’s gern: Robben und Seehunde liegen am Südstrand der Düne vor Helgoland in der Sonne.

So haben sie’s gern: Robben und Seehunde liegen am Südstrand der Düne vor Helgoland in der Sonne.

Foto: Christian Charisius / dpa

Während die Kegelrobben schon erfasst wurden, kommen im Sommer die kleineren Robben an die Reihe. Die Flugsaison hat gerade begonnen

Helgoland. Noch vor wenigen Jahren waren Seehunde und Kegelrobben an deutschen Küsten bedrohte Arten. Nun liegt der Bestand in deutschen Hoheitsgewässern bei etwa 20.000 Seehunden und etwa 2000 Kegelrobben, deren größte Kolonie mit 750 Tieren vor Helgoland beschrieben wird. In jedem Sommer werden die Meeressäuger – in diesem Fall die Seehunde – gezählt, und zwar aus der Luft. Jetzt steigen wieder die ersten Flugzeuge auf, um den Bestand zu ermitteln. Fünf Flug- und Zähltage sollen es bis Ende August werden. Aber wie funktioniert das eigentlich genau?

Wie hat sich der Bestand der Seehunde im Wattenmeer entwickelt?

An der schleswig-holsteinischen und der niedersächsischen Nordseeküste lebe „ein sehr stabiler und vitaler Seehundbestand“, so das Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittel. 2019 wurden in Niedersachsen 9836 Tiere gezählt, in Schleswig-Holstein waren es etwa genauso viele. Mitte der 1970er Jahre gab es in beiden Bundesländern jeweils nur noch etwa 1000 Seehunde. Mit besserem Schutz erholte sich die Population. Zwar brachte 1988 und 2002 eine Krankheit, die Seehundstaupe, herbe Rückschläge. Doch seit einigen Jahren lebt eine relativ konstante Zahl von Tieren an der deutschen Küste. Im ganzen Wattenmeer von den Niederlanden bis Dänemark wurde der Bestand vergangenes Jahr auf 40.800 Tiere geschätzt.

Wie sind die Flüge organisiert?

Alle Wattenmeer-Anrainer, also die Niederlande, die deutschen Bundesländer Niedersachsen und Schleswig-Holstein sowie Dänemark erfassen die Bestände zeitgleich. So sollen Doppelzählungen bei den sehr mobilen Seehunden vermieden werden. In Niedersachsen starten die Propellermaschinen jeweils von Emden, von Mariensiel bei Wilhelmshaven und von Nordholz bei Cuxhaven. An Bord sind jeweils ein oder zwei Zähler, meist Jäger im ehrenamtlichen Einsatz. Sie zählen die Seehunde auf den Sandbänken nicht nur, sondern fotografieren und kartieren die Liegegebiete. Dabei werden auf den ersten Flügen vor allem Jungtiere gezählt, sagt Annika Bostelmann, Sprecherin des Wattenmeersekretariats. Auf den Flügen später im Sommer während des Fellwechsels der Seehunde werde die Gesamtpopulation erfasst. Das Sekretariat in Wilhelmshaven organisiert die Kooperation der Anrainer im Weltnaturerbe Wattenmeer.

Ist die Zählung nicht schwierig?

Den Piloten verlangt die Zählung viel ab. Sie müssen die Seehundsbänke in etwa 150 Meter Höhe überfliegen. Sind die Maschinen höher, ist weniger zu sehen. Sind sie tiefer, besteht das Risiko, dass sie die Seehunde stören. Geflogen wird bei Niedrigwasser, wenn die meisten Tiere sich auf dem Sand ausruhen und um ihre Jungen kümmern. Erfahrungswerten zufolge ist während der August-Zählungen immer ein knappes Drittel der Tiere im Wasser auf der Jagd nach Fisch. Das werde bei der Schätzung der Gesamtpopulation berücksichtigt.

Und was ist mit der Kegelrobbe?

Die Kegelrobbe lebt als zweite Robbenart im Wattenmeer. Sie ist deutlich größer und schwerer als der Seehund und hat eine spitzere Schnauze. Die Kegelrobbe war an den deutschen Küsten fast ausgestorben. In den vergangenen Jahren hat sie sich von Großbritannien her wieder ausgebreitet. Auch die Kegelrobben werden gezählt – die Jungtiere im Winter, die Gesamtpopulation im April und Mai. 2019 wurden an der niedersächsischen Küste 451 Tiere gezählt, auf schleswig-holsteinischem Gebiet dank Helgoland etwas mehr. Im ganzen Wattenmeer waren es 6538 Tiere.

Wird auch über der Ostsee geflogen?

In Deutschland lohnt sich das kaum. Seehunde sind in der Ostsee eine extreme Seltenheit. Ihr Bestand wird dort auf 250 Tiere geschätzt, womit sie noch seltener als Kegel- und Ringelrobben sind. Die Ostsee-Seehunde leben an den Küsten dänischer Inseln und des südlichen Schwedens. Die Kegelrobbe hat sich mit etwa 38.000 Exemplaren in die östliche Ostsee zurückgezogen und kommt an deutschen Küsten kaum vor.

Helgoland-Katamaran startet später als geplant

Der Start des zweiten Helgoland-Katamarans, der täglich zu Deutschlands einziger Hochseeinsel und Pinnebergs Außenposten fahren soll, hat sich um einige Tage auf den morgigen Dienstag verschoben. Das zweite Schiff, die „San Gwann“ wird von Cuxhaven aus starten und den „Halunder Jet“ unterstützen, der von Hamburg aus über Cuxhaven gen Hochseeinsel ablegt (und in dieser Saison erstmals seit dem Start nicht mehr in Wedel hält).

Die Verschiebung habe „operative Gründe“, teilte die Flensburger Reederei FRS Helgoline mit. „Alle Fahrgäste werden automatisch auf die 11.30 Uhr-Abfahrten mit dem „Halunder Jet" umgebucht.“ Mit dem Einsatz des zweiten Katamarans will die Reederei den Angaben zufolge kurzfristig auf die Corona-Situation reagieren. Sowohl auf dem „Halunder Jet“ als auch auf der „San Gwann“ sind die Passagierkapazitäten bis auf weiteres deutlich reduziert, um an Bord die empfohlenen Abstände einhalten zu können.

Der Tourismus an der Küste nimmt währenddessen weiter Fahrt auf. Urlauber können bald wieder von Niedersachsen nach Sylt (Schleswig-Holstein) mit dem Katamaran reisen. Vom 4. Juli an soll er dreimal wöchentlich von Cuxhaven starten und die Insel in knapp zweieinhalb Stunden erreichen, wie Sylt Marketing mitteilte. Helgoland sollen in den kommenden Wochen mehrere Schiffe täglich von Cuxhaven aus ansteuern. Die Verbindung ab Bremerhaven zur Insel wird erst zum 1. Juli aufgenommen.

I ndes dürfen Tagestouristen von diesem Montag an auch wieder auf Ostfriesische Inseln reisen. Juist und Baltrum machen den Anfang, am Dienstag sollen nach bisherigem Stand Spiekeroog und Wangerooge folgen. Bislang war wegen der Corona-Pandemie mindestens eine gebuchte Übernachtung Voraussetzung.

Beschränkungen gibt es auf einigen Inseln dennoch: Auf Wangerooge wird wegen des Sommerferienstarts in mehreren Bundesländern vom 25. bis 29. Juni sowie am 4. und 5. Juli wieder eine Beschränkung gelten. Langeoog lässt von Dienstag an zunächst nur jeweils 200 Tagesgäste auf die Insel - an Wochenenden gar keine. Norderney, das an manchen Tagen nach Angaben des Landkreises Aurich bis zu 4500 Tagesgäste zählt, soll für diese zunächst bis zum 30. Juni gesperrt bleiben.