Bezirksliga

Barsbütteler SV will Fußball wieder aufregender machen

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Arne Bachmann
Das Team vom Barsbütteler SV.

Das Team vom Barsbütteler SV.

Foto: Maurice Herzog

Verein startet in die Saison. Er zählt zu den Titelanwärtern in der Bezirksliga Ost. Die Trainerfrage wurde langfristig geklärt.

Barsbüttel.  Auch in diesem Sommer öffnete sich für den Chefcoach des Barsbütteler SV wieder das Tor zur Regionalliga. Zum wiederholten Male wurde Olaf Poschmann gefragt, ob er nicht Co-Trainer bei Phönix Lübeck werden wolle, dem finanzstarken und aufstrebenden Traditionsverein, der aktuell von Oliver Zapel trainiert wird.

Schon beim SV Eichede arbeitete Poschmann unter Zapel. Die Aussicht, mal wieder durch die Vierte Liga zu touren, wo immer mehr unter Profibedingungen gearbeitet wird, ist natürlich reizvoll. Von der siebtklassigen Bezirksliga in die Regionalliga Nord mit nur einer Zusage. Aber Poschmann lehnte ab. Aus zeitlichen Gründen. Und weil in Barsbüttel gerade etwas aufgebaut wird.

Barsbütteler SV will weg vom Image der grauen Maus

„Man merkt die Aufbruchstimmung im Verein. Das ist eine coole Sache, was gerade passiert“, sagt Poschmann vor dem ersten Saisonspiel seiner Mannschaft an diesem Sonntag, 7. August, beim SC Condor III (11.30 Uhr, Berner Heerweg). „Es ist ein tolles Umfeld, man arbeitet sehr ruhig. Dazu zählen viele Leute in der Abteilung und im Verein.“ Solide Arbeit ja, immer nur solide Vorstellungen – nein. Der BSV will weg von seinem Image als graue Maus. Jahrelang kickte man in der Landes- und Bezirksliga mit, unaufgeregt und recht beständig. Ohne große Höhen und Tiefen. Ein bisschen langweilig, fanden viele.

Nun sollen die Flutlichtspiele am heimischen Soltausredder wieder aufregender werden. Dieses Vorhaben baut der BSV auf ein bestehendes Fundament. Lediglich drei Spieler haben den Verein verlassen. Neun Neuzugänge verstärken den in der Vergangenheit zu dünnen Kader. Der Verein hat aber nicht nur Quantität, sondern auch Qualität verpflichtet.

Agit Aydin wechselt zum dritten Mal nach Stormarn

Das größte Versprechen auf Spielfreude und Tore heißt Agit Aydin. Der 29-Jährige ist zum dritten Mal nach Stormarn gewechselt. Von 2013 bis 2016 lief er für den FC Voran Ohe auf, zwischen 2019 und 2020 beim Oststeinbeker SV. In der Landesliga, also eine Klasse höher als er nun in Barsbüttel spielen wird, brachte es der Angreifer auf 134 Einsätze und 50 Tore. „Sein letztes Jahr beim FC Bingöl war nicht so erfolgreich, aber man weiß ja um seine Qualität“, sagt Poschmann, der Aydin schon vor zwei Jahren holen wollte. „Wenn er seinen Spaß zurückfindet, kann er der Unterschiedsspieler sein.“

Das gelte auch für Maximilian Kochsiek. Der 23-Jährige, ebenfalls Stürmer und ebenfalls ehemaliger Oststeinbeker, kommt von der HT16. Nach einer längeren Pause muss er noch Fitnessrückstände aufholen. Zudem gab es erfahrene Verstärkung für die Defensive. Innenverteidiger Revin Köksal (28) ist der dritte Neuzugang mit OSV-Vergangenheit.

Trainer will den Druck von der Mannschaft nehmen

Einige der jüngeren Zugänge hätten zudem das Potenzial, zu Überraschungsspielern zu werden, glaubt Poschmann. „Alle Neuen passen menschlich sehr gut zu uns. Wir haben die Stellen gut nachbesetzen können, wo wir Konkurrenzkampf brauchen.“ Erster Anführer der Mannschaft wird künftig Marvin Ganschow sein, der das Kapitänsamt vom lange verletzten Ramazan Sütcü übernommen hat. Sütcü ist neuer Stellvertreter. Dritter Kapitän ist Stammtorwart Kai Erschens.

Nach Platz drei in der Vorsaison und einigen namhaften Verstärkungen zählt Barsbüttel nun zu den Titelanwärtern in der Bezirksliga Ost. Der Trainer versucht indes, Druck von der Mannschaft zu nehmen. „Sicher werden wir manchmal als Aufstiegskandidat genannt. Aber die schwierige Vorbereitungsphase hat nicht dazu beigetragen, dass wir Favorit sind. Wir sind ambitioniert und wollen erfolgreich sein – aber wir posaunen keine Meisterambitionen heraus.“

Poschmann bleibt zwei weitere Jahre Chefcoach

Noch wisse er nicht genau, wo seine Mannschaft steht, sagt Poschmann. Zu viele Spieler hätten in den vergangenen Wochen Trainingseinheiten verpasst. Der Nachholbedarf an Urlauben sei durch die Corona-Zeit enorm. Entsprechend schwach fielen die Testspielergebnisse aus. Unter anderem gab es – zum Teil deutliche – Niederlagen gegen den Düneberger SV, TuS Hoisdorf und TSV Trittau. Eine ordentliche Leistung im Pokalwettbewerb gegen den klassenhöheren Ahrensburger TSV (1:3) wurde nicht belohnt.

Unklar also, wie schnell der BSV seinen eigenen Ansprüchen gerecht werden kann. Dafür ist die Trainerfrage langfristig geklärt. Poschmann hat für zwei Jahre zugesagt.

Anschließend könnte er ein anderes Amt in der Abteilung übernehmen. Dann will er den Staffelstab an seinen engagierten und ehrgeizigen Co-Trainer Oliver Kunkel (34) weiterreichen. Es ist ein ungewöhnliches Modell, das sich als Glücksfall für den BSV erweisen könnte. „Auch deshalb sind so viele Spieler bei uns geblieben“, sagt der Vereinsvorsitzende Ulrich Münster. „Diese Konstellation ist gut für uns. Es wird ein problemloser Übergang sein.“

Der Kader

Abgänge: Tim Schröder, André Grosche-Müller (beide USC Paloma II), Danny Qasem (SV Billstedt-Horn)

Zugänge: Agit Aydin (FC Bingöl), Maximilian Kochsiek (HT16), Revin Köksal (ETSV Hamburg), Truong Thanh Pham (SGA Boizenburg), Adrian Husmann (SG Buxtehude), Petr Rejf (TuS Hamburg), Nico Freese (eigene zweite Mannschaft), Finn Thomsen, Arash Mehdipour (beide eigene A-Jugend)

Weiter im Kader: Ömürcan Akkoc, Jannis Bähr, Marco Behrens, Mert Delireisoglu, Kai Erschens, Nicklas Frers, Marvin Ganschow, Betim Haxhiajdini, Mica Kruse, Alexander Marx, Joseph Möller, Pascal Nestorovic, Serkan Sakarya, Philipp Sander, Felix Stirl, Ramazan Sütcü, Serkan Uzun, Artur Wysokinski, Anil Yesil

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