Fußball-Landesliga

Ahrensburger TSV bejubelt furiose Aufholjagd

| Lesedauer: 4 Minuten
Arne Bachmann
Steffen Guttenberger (Mitte, Ahrensburger TSV) ist einen Schritt eher am Ball als die Condor-Spieler Darwin Streubier (l.) und Terje Scheffel.

Steffen Guttenberger (Mitte, Ahrensburger TSV) ist einen Schritt eher am Ball als die Condor-Spieler Darwin Streubier (l.) und Terje Scheffel.

Foto: Henrik Bagdassarian

Stormarner treffen bei Titelaspirant SC Condor nach 0:2 in der 88. Minute zum 2:2. Knackpunkt ist eine Rote Karte für den Gegner.

Ahrensburg.  Nach wenigen Minuten drohte ein Debakel, am Ende feierten sie ein Unentschieden wie einen Sieg: Die Fußballer des Ahrensburger TSV haben in einem mitreißenden Landesliga-Spiel beim SC Condor ein 2:2 (0:2) erkämpft. „Wir haben bei einem Titelaspiranten gespielt und uns gut verkauft. Wir fahren mit einem Lächeln nach Hause“, sagte Trainer Matthias Nagel.

Grant für den Punktgewinn war einmal mehr Mihai Bitez. Nach seinem Hattrick beim 5:1-Auftaktsieg gegen den TuS Berne erzielte der Stürmer diesmal einen Doppelpack. Am Sonntagvormittag im Farmsener Dauerregen benötigte er dafür rund eine Stunde Anlaufzeit. „Wir sind alle ein bisschen spät aufgewacht, auch ich selbst“, sagte der Torjäger. „Ich musste gestern arbeiten, war erst um halb zwei im Bett.“

Ahrensburger verschlafen den Start komplett

Das schien auch für einige Mitspieler zu gelten, denn den Start in die Partie verschliefen die Stormarner gehörig. Nagels mutige Marschroute, dem offensivstarken Gastgeber mit einer Dreier-Abwehrkette zu begegnen, ging völlig schief. Mit langen oder gelupften Bällen kam der SC Condor im Minutentakt hinter die Verteidiger. Der erfahrene Stürmer Milos Ljubisavljevic profitierte zweimal (4., 6. Minute), ließ dabei Ahrensburgs gesamte Defensive inklusive Torwart schlecht aussehen. „Es sah nach einem Schlachtfest aus“, sagte Nagel später.

Es hätte leicht böse enden können. In mehreren Situationen hatte der ATSV Glück, vor allem bei einem Lattentreffer von Ljubisavljevic (28.). Nagels Umstellung auf eine Viererkette brachte aber nach und nach mehr Stabilität ins Spiel der Stormarner, die noch vor der Pause zu einigen Gelegenheiten kamen.

Schiedsrichter entscheidet nach leichtem Kontakt auf Notbremse

An ein Comeback glaubte zu diesem Zeitpunkt aber kaum ein Zuschauer. Anders die Ahrensburger selbst. „Wir hatten ja noch ganz viel Zeit, haben mit Ruhe gespielt“, sagte Bitez. Und der Trainer betonte: „Ich glaube immer an meine Mannschaft. Wir lagen vergangenes Jahr auch mal 1:3 gegen Altengamme zurück und sind nach der Pause zurückgekommen.“

Gegen Condor war der Wendepunkt eine Rote Karte: Nach einer gegnerischen Ecke konterten die Ahrensburger. Lukas Heitmann schickte mit einem überragenden Steilpass Metehan Erdem auf die Reise. Verfolgt von Verteidiger Nikola Prom ging Erdem kurz vor dem Strafraum zu Boden, wurde von hinten wohl leicht berührt. Der Schiedsrichter entschied auf Notbremse (55.) und Platzverweis gegen Prom.

Mihai Bitez verwandelt Abpraller vom Pfosten

Fortan dominierten die anfangs so unterlegenen Gäste, gewannen die Zweikämpfe und spielten mutig und zielstrebig nach vorn, während die Hausherren spür- und hörbar nervös wurden. Erdem setzte sich mehrfach auf der linken Seite durch und flankte gefährlich. Erst vergab Bitez, eine Minute später aber markierte er den Anschlusstreffer (60.).

Bis zum umjubelten Ausgleich dauerte es bis zur 88. Minute. Kristijan Andic bekam den Ball im Strafraum, sein Schuss aus halblinker Position wurde von einem Verteidiger an den Pfosten gegrätscht. Den Abpraller verwertete Bitez zum letztlich leistungsgerechten 2:2-Endstand.

Nächstes Wochenende ist spielfrei

Er sei einer der besten Stürmer im Hamburger Fußball-Verband, sagte Nagel über seinen Torgaranten, der auch im Festmachen und Verteilen von Bällen wertvolle Arbeit für den ATSV leistet. „Sein großes Plus ist auch, dass er nach vergebenen Chancen nicht verzweifelt, sondern immer weitermacht. Und er lebt natürlich von der Mannschaft, die ihn mit Vorlagen füttert.“ Bitez selbst sagte auf die Frage nach seinem persönlichen Saisonziel: „Ich will mindestens 20 Tore schießen.“

Am kommenden Wochenende haben die Ahrensburger nach ihrem gelungen Saisonstart spielfrei. Das sei einerseits schade, sagte Nagel, verschaffe einigen Spielern aber Zeit. Neben Kapitän Benedikt Neumann-Schirmbeck fehlten unter anderem die Verteidiger Marc Misselhorn und Bennet Gollin verletzungsbedingt. Beim Ahrensburger TSV ist also sogar noch viel Luft nach oben.

Ahrensburger TSV: Issem – Guttenberger (71. Grunwald), Tatsis, Barge (89. Galica) – Aron Jahn, Bielesch – Marc-Daniel Jahn, Erdem (89. Essel), Sailer (83. Schuenzel) – Bitez, Heitmann (71. Andic)

Tabelle Landesliga 3: 1. Eimsbütteler TV 2 Spiele/11:0 Tore/6 Punkte, 2. Hansa 11 2/6:1/6, 3. Ahrensburger TSV 2/7:3/4

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