Kommunalpolitik

Ahrensburgs Feuerwehr wirbt für mehr Investitionen

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Harald Klix
Aktive Mitglieder immer willkommen: Schon 2018 warb die Freiwillige Feuerwehr Ahrensburg mit Werbebannern an ihren Gerätehäusern um Unterstützung.

Aktive Mitglieder immer willkommen: Schon 2018 warb die Freiwillige Feuerwehr Ahrensburg mit Werbebannern an ihren Gerätehäusern um Unterstützung.

Foto: Freiwillige Feuerwehr Ahrensburg

Ehrenamtliche Helfer absolvierten im Vorjahr 319 Einsätze. Wehrführung appelliert, neue Kleidung und Geräte zu finanzieren.

Ahrensburg.  Die Freiwillige Feuerwehr Ahrensburg steht vor großen Herausforderungen. Das hat die Führungsriege um Gemeindewehrführer Jürgen Stahmer bei der jüngsten Sitzung des Hauptausschusses deutlich gemacht. Die Ehrenamtler waren eingeladen worden, ihre tägliche Arbeit und die dafür nötigen Voraussetzungen zu erläutern.

Auslöser war die Stadtverordnetenversammlung Anfang März: Damals gab es bei der Beratung über den Nachtragshaushalt etliche Fragen zu Ausgaben über Hunderttausende Euro für die Feuerwehr, unter anderem für Schutzkleidung und Atemschutzgeräte. „Das sind Investitionen in die Infrastruktur und keineswegs in die Wünsche der Feuerwehr“, sagte der stellvertretende Gemeindewehrführer Niels Pirck. Denn Brandschutz sei eine Pflichtaufgabe jeder Gemeinde.

Im vergangenen Jahr konnten 65 Menschen gerettet werden

In seiner Präsentation ging Pirck („Ich bin seit mehr als 30 Jahren dabei, habe mit elf in der Jugendfeuerwehr angefangen“) zunächst auf die Aufgaben ein. Die Bandbreite reiche von der Brandbekämpfung (vom Auto bis zur Firma) über technische Hilfeleistungen (bei Verkehrsunfällen oder der Bahn) bis zu Wasserrettung, Sturmschäden und Unterstützung von Polizei und Rettungsdienst. „Auch wenn es manchmal nur ein spezieller Einsatz im Jahr ist, müssen wir das Material dafür haben“, so Niels Pirck.

Wegen der Corona-Pandemie arbeiteten die Helfer zurzeit unter erschwerten Bedingungen. Dazu zählen das durchgängige Tragen von FFP2-Masken, geteilte Alarmierungen zur Kontaktverminderung und zusätzliche Infektionasschutzkleidung bei kritischen Einsätzen.

Rettungsdienst bittet oft um Öffnung von Wohnungstüren

Im Vorjahr rückten die Ahrensburger Wehren genau 319-mal aus, darunter zu 82 Feuern. 65 Menschenleben konnten gerettet werden. Bis Mitte der 1980er-Jahre pendelte die Zahl der Einsätze um die 100, der bisherige Höchststand wurde 2017 mit 484 erreicht. Immer häufiger müssten Wohnungstüren für den Rettungsdienst geöffnet werden. „An manchen Tagen kommt das bis zu dreimal vor, denn in der zunehmenden Anonymität haben auch Nachbarn keine Schlüssel mehr“, so Pirck. Mit den vermehrt installierten Brandmeldeanlagen steige zudem die Zahl der Fehlalarme. Die können aber erst am Ort des Geschehens festgestellt werden.

„Wir brauchen auch einen Betrag für Mitgliedergewinnung“, sagte Pirck in Richtung Kommunalpolitik. Die Wehr benötige viel Personal, um die gesetzliche Hilfsfrist einzuhalten: „Wir müssen zehn Minuten nach dem Alarm am Einsatzort sein.“ Das gehe außerdem nicht mit nur einem Standort. Deshalb seien schon 2012 geforderte Projekte wie die Wachen West und Süd erforderlich.

Bürgermeister fühlt sich von den Ehrenamtlern übergangen

Die Kommunalpolitiker dankten für die Erläuterungen. „In Zukunft werden wir Vertreter der Feuerwehr zu den Haushaltsberatungen einladen“, sagte die Grünen-Fraktionsvorsitzende Nadine Levenhagen.

Überhaupt nicht begeistert war dagegen Bürgermeister Michael Sarach. Er hatte zu Sitzungsbeginn noch beantragt, die Präsentation von der Tagesordnung zu streichen, da er sie wegen seines Urlaubs nicht habe absegnen können. „Es ist mein Recht als Dienstherr, solche Anliegen vorher mit den Ehrenamtlern abzustimmen“, sagte er. Der Auftritt sei nicht abgesprochen gewesen, und er hätte die Anwesenheit von sechs Feuerwehrleuten in der Sitzung (wegen der Corona-Pandemie in der Schulturnhalle) auch nicht erlaubt.

Die Mitglieder des Hauptausschusses folgten Sarachs Einwand aber nicht. Sie waren einhellig dafür, die Informationen über die Feuerwehr zu hören.

135 aktive Mitglieder hat die Freiwillige Feuerwehr Ahrensburg. Darunter sind elf Frauen. Am größten ist die Ortswehr Ahrensburg (91 Aktive) mit der Wache an der Straße Am Weinberg. Es folgen die Ortswehren Ahrensfelde (27) und Wulfsdorf (17). Letztere soll demnächst wie die Löschgruppe Hagen in die Ortswehr Ahrensburg integriert werden.

39 Mädchen und Jungen ab zehn Jahren engagieren sich in der Jugendfeuerwehr.

Interessenten bekommen Infos auf eine E-Mail an mitmachen@
feuerwehr-ahrensburg.de.

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