Kulturzentrum

Dem Marstall bleibt nur das Prinzip Hoffnung

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Melissa Jahn
Programmchef Armin Diedrichsen hofft, den Marstall mit Hygienekonzept bald wieder in Teilen öffnen zu können. 

Programmchef Armin Diedrichsen hofft, den Marstall mit Hygienekonzept bald wieder in Teilen öffnen zu können. 

Foto: Melissa Jahn

Ahrensburgs Kulturzentrum blickt auf Corona-Gipfel am 23. März. Programmmacher sehen Freiluft-Veranstaltungen skeptisch.

Ahrensburg.  Künstlerinnen und Künstler, das kreative Miteinander der Gruppen und die Aufregung bei Abendveranstaltungen – dies alles fehlt im Ahrensburger Marstall. Und das schon seit Monaten. Wie und vor allem wann es im Kulturzentrum weitergeht, ist unklar. Pläne und Vorhaben müssen monatlich verschoben, umdirigiert und neu gedacht werden. Allerdings meist ohne exaktes Ziel. Nun gibt es die ersten Online-Veranstaltungen. Und eine Vorstellung, was die Termine bis 2022 betrifft.

„Am schlimmsten trifft es unsere Gruppen, die sonst regelmäßig hier proben“, sagt Programmdirektor Armin Diedrichsen. „Kinder und Erwachsene, Theater und Chöre – gerade im Laienbereich ist es besonders schwierig, da der vorgeschriebene Abstand auf unserer kleinen Bühne nicht eingehalten werden könnte.“ Es sei ein großes Segment, das dem Marstall erst die Daseinsberechtigung als städtisches Kulturzentrum gebe. Der Wegfall enttäusche und entmutige aktuell viele Menschen. „Doch Schuldzuweisungen laufen ins Leere“, sagt Diedrichsen. „Wir können nur an alle appellieren, weiterhin durchzuhalten.“

Die Eigenquote im Haushalts liegt bei 65 Prozent

Durchhalten muss auch der Marstall. Und das sei gar nicht mal so leicht, auch in finanzieller Hinsicht. Das erhebliche Defizit aus dem Jahr 2020 habe durch den Nachtragshaushalt und die Unterstützung von Bund und Land aufgefangen werden können. Doch auf lange Sicht gesehen sei dies nicht praktikabel. „Auch wenn die Menschen das Empfinden haben, dass hier nicht viel passiert, haben wir feste Verpflichtungen, denen wir nachkommen müssen“, sagt Diedrichsen. „Wenn das ganze Jahr so weiterläuft wie bisher, kommen wir ins Schlittern.“

Generell stehe der Marstall auf soliden Füßen. Die Eigenquote des Gesamthaushalts betrage 65 Prozent. Die übrigen 35 Prozent kommen aus Subventionen und Einnahmen wie Mitgliedsbeiträge und Spenden zusammen. Ein „nicht zu verachtender Anteil“ der Gesamteinnahmen, nämlich zehn bis 15 Prozent, mache jedoch die Vermietung aus.

Vermietung für Hochzeiten oder an Firmen wohl erst wieder 2022

Auf dieses Geld müsse wohl noch auf längere Sicht verzichtet werden. „Hochzeiten, Tagungen und Firmenpräsentationen sind bis 2022 nicht realistisch“, sagt Diedrichsen. „Das tut weh, da diese Gelder für die Deckung der laufenden Kosten gebraucht werden und wir uns darauf verlassen haben. Ohne diese Einnahmen können wir das nicht lange durchhalten.“

Nicht nur aus diesem Grund wünscht sich der Programm-Manager, langsam wieder zu der sonst üblichen Nutzung zurückkehren zu können. Ein Anfang wurde unter anderem mit der Reihe „Literarisches Café“ gemacht, das zweimal über die Online-Plattform Zoom übertragen wurde – allerdings kostenlos für Zuschauer.

Ohne Lockerungen soll es mehr Onlineangebote geben

Nächster Schicksalstag ist der Corona-Gipfel am 22. März. Dann wollen Bund und Länder auch über Gastronomie und Veranstaltungen beraten. Falls es keine deutlichen Lockerungstendenzen gibt, will der Marstall auch kostenpflichtige Webangebote ausarbeiten, wie es an anderen Orten schon üblich ist. „Wir hatten die Befürchtung, dass die Menschen durch die vielen Angebote online müde seien“, sagt Diedrichsen. „Doch das erste Café via Zoom hat uns motiviert, das Angebot auszubauen.“

Wesentlich schwieriger sei es, Veranstaltungen aus dem Saal nach draußen zu verlegen, damit im Sommer mehr Gäste zugelassen werden können. Der technische Aufwand sei immens, ebenso die Kosten. Diedrichsen erinnert an das zweifache Public Viewing bei Spielen der Fußball-Nationalmannschaft. Die Übertragungen hätten rund 10.000 Euro verschlungen.

Fehlende Perspektive lässt Ehrenamtler aufhören

Hinzu komme, dass die Ablenkung im Freien zu groß sei. Kleine Formate, die sonst auf der Bühne im Marstall gespielt werden, könnten unter freiem Himmel untergehen. „Wir wollen lieber das tun, was wir können, statt ein unkalkulierbares Risiko eingehen – auch mit Blick auf das Wetter in Norddeutschland“, so der Kulturchef.

Es gehe jedoch nicht allein um den finanziellen Aspekt, betont Diedrichsen. Habe der erste Lockdown den Marstall eher unvermittelt getroffen, sei man nun in eine Art Schockstarre verfallen. Dies betreffe viele Künstler. Die fehlende Perspektive bringe die Kreativität langsam zum Versickern und die Ehrenamtler zum Aufhören. Schon jetzt schiebe der Marstall einen riesigen Berg an Aufführungen vor sich her, der bis ins nächste Jahr hineinreiche.

Eine Lösung gebe es bislang nicht. Nur die Hoffnung, bald wieder mit Hygienekonzept öffnen zu können. Auch wenn nur ein Drittel der Kapazität genutzt werden könne, sei dies besser als nichts. „Es tut weh, durch die leere Innenstadt zu gehen. Aber wir hoffen, unsere Räume schon bald wieder mit Leben füllen und Gruppen willkommen heißen zu dürfen, die sich hier mittlerweile heimisch fühlen“, sagt Diedrichsen. „Bis dahin bleibt uns nichts anderes zu tun, als durchzuhalten und uns mental solidarisch zu zeigen.“

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