Oberliga

Reinfelds Handballfrauen spielen wie ein Absteiger

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Henrik Bagdassarian
Wurfversuch von Reinfelds Fiona Schermer (l., gegen Nicole Steinfurth), die im ersten Saisonspiel ihrer Mannschaft allerdings noch ohne Torerfolg blieb.

Wurfversuch von Reinfelds Fiona Schermer (l., gegen Nicole Steinfurth), die im ersten Saisonspiel ihrer Mannschaft allerdings noch ohne Torerfolg blieb.

Foto: Henrik Bagdassarian

Mannschaft des SV Preußen erlebte gegen den Titelfavoriten HL Buchholz 08-Rosengarten ein 15:41-Debakel. Personalsituation angespannt.

Reinfeld.  Zum Auftakt der Oberliga Hamburg/Schleswig-Holstein haben die Handballfrauen des SV Preußen Reinfeld eine enttäuschende Leistung abgeliefert. Gegen ein spielerisch und physisch weit überlegenes zweites Team der Handball-Luchse Buchholz 08-Rosengarten kassierten die Stormarnerinnen eine bittere, gleichzeitig in der Höhe verdiente 15:41 (5:21)-Niederlage.

Albrecht und Tonding waren beste Werferinnen

Den Nachweis der Ligatauglichkeit blieb die neu formierte Mannschaft des Trainergespanns Detfred Dörling und Christian Neubauer (noch) schuldig. Gleich nach dem Abpfiff bemühte sich Neubauer, den Auftritt seiner Mannschaft gegen das Meisterteam der vergangenen Spielzeit ins richtige Licht zu rücken. „Auch in dieser Saison ist Buchholz klar der Titelaspirant Nummer eins“, sagte Reinfelds Co-Trainer - und zog Parallelen zu dem klassischen Duell David gegen Goliath. „Der Gegner ist mit drei Spielerinnen aus seiner Bundesligamannschaft angereist“, sagte der 41-Jährige. „Bei uns standen dagegen phasenweise mehrere A-Jugendliche auf dem Spielfeld, die ihre erste Partie in der Oberliga überhaupt bestritten haben.“ So wie in der Schlussphase des ersten Durchgangs, als neben der erfahrenen Torhüterin Katharina Buschmann, Rein-felds langjähriger Rückraumakteurin Lina Tonding und Neuzugang Yonna Thissen mit Julia Schwöbken, Bente Trepping, Laura Bohnsack und Taina Schermer gleich vier talentierte Nachwuchsspielerinnen aus dem neu aufgebauten Jugendbereich des SVP alles versuchten, um den überlegenen Gästen Paroli zu bieten.

Sorgen bereitet Reinfelds Trainerge-spann zurzeit die schwierige Personalsituation, die sich auch in den kommenden Wochen und Monaten kaum entspannen wird. Mit der Rückkehr der beiden Langzeitverletzen Jill Enke und Laura Beth rechnen die Coaches nicht vor kommendem Jahr. Rika Tonding und Laura Beth haben ihre Babypause beendet, stehen aber noch am Anfang des Aufbautrainings. Sabrina Wienecke ist schwanger und steht der Mannschaft in dieser Spielzeit voraussichtlich nicht mehr zur Verfügung. Den 25 Zuschauern - das vorgelegte Hygiene- und Sicherheitskonzept erlaubte bis zu 30 Besucher - offenbarte sich in der Sporthalle an der Schützenstraße mit der offensichtlichen Abschlussschwäche ein Manko, das die Reinfelderinnen in den kommenden Trainingseinheiten unbedingt abstellen müssen. Sinnbildlich hierfür ist der doppelte Versuch von Svea Schüller in der 25. Spielminute, den Ball von der Sieben-meterlinie aus ins Netz der Gäste zu befördern. Reinfelds Shootingstar der vergangenen Spielzeit scheiterte mit dem ersten Versuch an der starken Torhüterin der Gäste. Und auch der zweite Anlauf, Katharina Kaube mit dem Abpraller zu überlisten, misslang. Gegen die Gäste aus Niedersachsen waren Kerstin Albrecht mit fünf sowie Lina Tonding mit drei Toren beste Werferinnen.

Stormarner Mannschaft ist kämpferisch gestimmt

Mut für die kommenden Aufgaben macht auf jeden Fall der kämpferische Einsatz der Stormarnerinnen. „Die Mannschaft wollte, das war jederzeit deutlich zu spüren“, sagte Neubauer. „Selbst in Phasen, in denen wir ein Gegentor nach dem anderen kassierten, habe ich keine hängenden Köpfe gesehen. Im Gegenteil: Die Spielerinnen suchten jede Möglichkeit zum Abschluss, auch wenn dieser noch zu oft an der Latte oder dem Pfosten endete oder knapp das Gehäuse verfehlte.“

Lächelnd fügte Neubauer hinzu, dass gegen Buchholz die Anzahl der Würfe aus dem Rückraum deutlich höher gewesen sei als die in den ersten drei Begegnungen der vergangenen Saison. Bereits am kommenden Sonntag, 25. Ok-tober (16 Uhr), kommt es auswärts beim Altrahlstedter MTV zu einer richtungsweisenden Partie: Kassiert Reinfeld gegen die Mannschaft des ehemaligen SVP-Trainers Thomas Kruse eine weitere Niederlage, dürften die Stormarnerinnen bis zum Saisonende schon zu einem frühen Zeitpunkt tief im Abstiegsstrudel feststecken.

Erster Saisonerfolg käme Befreiungsschlag gleich

Sollte ihnen mit dem ersten Saisonerfolg der Befreiungsschlag gelingen, können sie mit neuem Selbstvertrauen die weiteren Aufgaben in der Hinrunde der Staffel A, in der alle neun Teams einmal gegeneinander antreten, angehen. Jene Teams, die am Ende der Hinrunde in der Staffel A oder B Rang fünf oder schlechter belegen, spielen in einer gemeinsamen Abstiegsrunde um den Klassenerhalt. Die bis dahin gesammelten Punkte werden mitgenommen. Für die jeweils vier besten Mannschaften der beiden Staffeln beginnt in einer gemeinsamen Aufstiegsrunde der Kampf um den Meistertitel.

Gegen die Altrahlstedterinnen rechnet sich Neubauer sich mehr als eine Außenseiterchance aus. „Auch der AMTV, gegen den wir in der Vergangenheit oftmals nicht gut ausgesehen haben, hat einige seiner Leistungsträgerinnen verloren“, so der Coach.

Die Tore für den SV Preußen Reinfeld erzielten: Kerstin Albrecht (5), Lina Tonding (3), Yonna Thissen, Svea Schüller (je 2), Nike Denker, Laura Bohnsack und Sarah Kristin Diekert

(je 1).

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