Fussball

Das Pohlmann-Trio vom SSC Hagen Ahrensburg

| Lesedauer: 5 Minuten
Arne Bachmann
Die Zwillinge Rico (v. l.) und Kai (30) sowie ihr zehn Jahre jüngerer Bruder Luca, der den SSC Hagen am Saisonende verlässt.

Die Zwillinge Rico (v. l.) und Kai (30) sowie ihr zehn Jahre jüngerer Bruder Luca, der den SSC Hagen am Saisonende verlässt.

Foto: Henrik Bagdassarian / HA

Die Brüder Rico, Kai und Luca kicken – noch – zusammen in der Verbandsligamannschaft. Der Jüngste geht bald. Ihr Ziel ist der Aufstieg.

Ahrensburg.  Besser hätte Kai Pohlmanns Comeback ja eigentlich nicht laufen können. Am vergangenen Sonntag wurde der Offensivspieler des SSC Hagen Ahrensburg nach langer Verletzungspause beim Stand von 1:1 eingewechselt. Als es in der Nachspielzeit Elfmeter gab, übernahm der 30-Jährige die Verantwortung und schoss das Siegtor gegen den WSV Tangstedt. Der Jubel an der Hagener Allee war groß. Außer bei Kai Pohlmann.

Torschützen, Führungsspieler, Urgesteine

„Es war keine richtige Erlösung, eher ein komisches Gefühl. Ich konnte mich nicht richtig freuen“, erzählt der Torschütze einige Tage später. „Mir wäre es fast wichtiger gewesen, dass Rico fit bleibt.“ Rico Pohlmann, Kais vier Minuten älterer Zwillingsbruder, war Ende der ersten Halbzeit rüde gefoult und dabei schwer verletzt worden. Vorher hatte er noch zum 1:0 getroffen.

Torschützen, Führungsspieler, Urgesteine: Obwohl sie vom Verletzungspech verfolgt sind, drücken die Pohlmann-Brüder seit zehn Jahren ihren Stempel auf die Fußballspiele des SSC Hagen Ahrensburg, ob in der Kreisliga, während der Oberliga-Zeit oder aktuell in der Verbandsliga. Für Carsten Holst, im vergangenen Jahr noch Chefcoach und jetzt Co-Trainer, waren die Zwillinge sogar einer der Gründe, sich dem SSC anzuschließen. „Ich bin vorher mit mindestens sechs anderen Mannschaften gegen Hagen angetreten und da waren Rico und Kai immer prägende Personen“, sagt er. „Sie haben auch immer einen sehr sportsmännischen Eindruck auf mich gemacht, waren fair und hochengagiert. Ich habe mir immer gewünscht, einen Typen wie Rico oder Kai in der eigenen Mannschaft zu haben.“

Luca ist der jüngere Bruder der Zwillinge

Holst hatte sich nicht getäuscht, wie der Realitätscheck ergab: „Die Zwillinge und auch ihre Eltern und Luca haben meinen Eindruck absolut bestätigt. Es bringt Spaß und man kann stolz sein, mit ihnen zu arbeiten.“

Luca, das ist der zehn Jahre jüngere Bruder der Zwillinge. Als Kind schaute er stolz bei den Jugendspielen seiner Brüder zu, damals noch beim Meiendorfer SV. „In meiner Erinnerung waren sie damals schon erwachsen“, sagt Luca. „Ich habe die Bälle hinterm Tor aus der Hecke geholt und sie angefeuert. Ich hatte großen Respekt und habe immer schon davon geträumt, mit ihnen zusammen auf dem Platz zu stehen.“ Das hat Luca Pohlmann geschafft. Bis dahin war es ein weiter Weg durch alle Jugendmannschaften des SSC Hagen und über fast alle Positionen.

Als seine Brüder schon längst regelmäßig für die Ahrensburger Herrenmannschaft trafen, wechselte er gerade erst vom Tor auf das Feld. „Keeper zu sein, hat mir lange großen Spaß gemacht. Aber mit 13 Jahren wollte ich aufs Feld und selbst Tore schießen.“ Es folgten Zwischenspiele als Angreifer, als Spielmacher und als Sechser, ehe er im zweiten B-Jugend-Jahr zum Innenverteidiger umgeschult wurde. Als Abwehrspieler machte er große Entwicklungssprünge und sammelte noch im Teenager-Alter erste Erfahrungen im Herrenbereich.

„Wir wollen aufsteigen. Als Brüder und als Mannschaft“

Nun verteidigt Luca den eigenen Strafraum, während Rico und Kai viele Meter weiter vorn mit ihrem blinden Verständnis die gegnerische Abwehr durcheinanderwirbeln – so jedenfalls der Plan. Doch immer wieder kommt etwas dazwischen, meistens eine Verletzung bei den Brüdern, so wie jetzt bei Rico, dessen Bänder am Sprunggelenk nach dem Foul eines Tangstedters lädiert sind. Er wird wohl mehrere Wochen oder sogar Monate ausfallen. „Das ist frustrierend“, sagt Rico. „Nun waren wir endlich alle drei fit und dachten, wir könnten mal ein paar Spiele gemeinsam machen.“

Das Ziel für die laufende Saison, in der das Team von Trainer Aydin Taneli bereits Platz eins belegt, ist aber klar. Luca sagt: „Wir wollen aufsteigen. Als Brüder und als Mannschaft.“ Das betonen auch die Zwillinge. Kai vergleicht die Atmosphäre im Team sogar mit den Goldenen Zeiten, als die Stormarner bis in die Oberliga stürmten. Und Rico sagt: „Vielleicht schaffen wir das sogar auch noch mal. Zumindest in der Landesliga könnten wir uns mit dieser Mannschaft sicher etablieren.“

Bisher schlugen die Zwillinge jedes Angebot aus

Die gemeinsame Zeit der drei Pohlmänner bei den Ahrensburgern endet nach dieser Saison. Während die Zwillinge gemeinsam bei Getriebebau Nord in Bargteheide arbeiten, zieht es Luca im März nach Krefeld, wo er eine Stelle als Produktspezialist antreten wird.

Den Schritt weg vom SSC Hagen – Kai und Rico werden ihn wohl nie mehr tun. „Die Entscheidung darüber ist eigentlich schon vor Jahren gefallen“, sagt Kai. Damals interessierten sich immer wieder höherklassig spielende und finanzstärkere Clubs für die Zwillinge, die aber jedes Angebot ausschlugen. Auch jenes von Carsten Holst, damals Trainer bei einem anderen Verein in Stormarn. „Wir haben an denen herumgebaggert und hatten überhaupt keine Chance“, sagt der Co-Trainer mit Bewunderung in der Stimme. „Sie haben ganz aufrichtig gesagt, dass sie sich am Hagen wohlfühlen und ein Wechsel nicht infrage kommt. So etwas ist nicht selbstverständlich – und beeindruckt natürlich.“

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Sport