Reitsport

Inke Steuer gelingt in Ahrensburg glänzendes Comeback

Inke Steuer (PS Granderheide) setzte sich mit der sieben Jahre alten Stute Frieda im Stechen durch.

Inke Steuer (PS Granderheide) setzte sich mit der sieben Jahre alten Stute Frieda im Stechen durch.

Foto: Henrik Bagdassarian

Nach mehr als zehn Jahren Pause gewinnt frühere Landesmeisterin in Ahrensfelde den Kreistitel im Springreiten der Leistungsklasse 3.

Ahrensburg. Es dürfte das Comeback des Jahres unter den Reitsportlern im Kreis Stormarn sein: Mit der höchsten Wertnote in einer M*-Stilspringprüfung und dem einzigen fehlerfreien Ritt im Stechen einer M*-Aufgabe sicherte sich Inke Steuer vom PS Granderheide mit der Stute Frieda den Kreismeistertitel der Leistungsklasse 3 im Springreiten. Mehr als zehn Jahre war die ehemalige Landesmeisterin, Inhaberin des Goldenen Reitabzeichens und Tochter von Granderheides Urgestein Horst Masler von der sportlichen Bildfläche verschwunden.

Mentale Druck vor dem Stechen störte Steuer nicht

„Meine Konzentration galt voll und ganz dem Heranwachsen meiner Kindern“, sagt die 43 Jahre alte dreifache Mutter. Mit einem Lächeln fügt sie hinzu: „Der Reiz, endlich wieder bei einem größeren Turnier zu starten, wurde in letzter Zeit aber immer größer.“

Der mentale Druck vor dem Stechen hat sie nicht gestört. „Eine gewisse innere Anspannung gehört dazu, bevor ich in den Parcours reite“, sagt sie. „Die bevorstehende Aufgabe verliere ich dabei aber nicht aus den Augen und wähle auch gern einmal den sicheren Weg.“ Genau die Einstellung gab bei den in Ahrensfelde auf der Anlage des Reitstalls Studt ausgetragenen Titelkämpfen den Ausschlag: Als vierte von fünf für das Stechen qualifizierten Teilnehmerinnen lenkte Steuer die sieben Jahre alte Holsteiner Stute zwar nur in der drittschnellsten Zeit, dafür aber mit dem einzigen fehlerfreien Ritt durch den verkürzten Parcours.

Spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen in der LK 4

Bei der Vergabe des Kreismeistertitels in der Leistungsklasse (LK) 4 lieferten sich Maxin Sassermann vom RV Tangstedt und Celine Ramm vom RFV Zarpen ein packendes Kopf-an-Kopf-Rennen. Nach der ersten Wertungsprüfung – einer Stilspringprüfung der Stufe L – lag Sassermann als Zweitplatzierte mit einem halben Punkt Rückstand noch hauchdünn hinter ihrer Konkurrentin. In der anschließenden mit einem höheren Quotienten bewerteten L-Springprüfung hatte die 16 Jahre alte Tangstedterin und ihr zehn Jahre alter Holsteiner Wallach Cassanjo die Nase vorn. Mit einem ebenfalls fehlerfreien Ritt, aber knapp acht Sekunden Rückstand, erreichten Ramm und Wallach Claus Rang zwei.

Die coronabedingte Zwangspause im Turniersport ließ Sassermann nicht ungenutzt. „Durch den Online-Unterricht hatte ich einfach mehr Zeit, mich um mein Pferd zu kümmern“, sagt die 16-Jährige. „Das gegenseitige Vertrauen hat sich weiter vertieft, Cassanjo und ich haben einen weiteren Schritt nach vorn gemacht.“ Nach dem Sieg in der LK 6 vor drei Jahren war es für Sassermann bereits der zweite Titel auf Kreisebene.

Manchmal ist bei Stute Diva der Name Programm

Den Wettbewerb der Leistungsstufe 5 entschied Antonia Beitz mit der neun Jahre alten Holsteiner Stute Diva Divali für sich. Die Leidenschaft der 24 Jahre alten Pferdesportlerin des RV Oststeinbek-Havighorst gilt eher dem Vielseitigkeitssport, bei dem neben der Dressur und dem Geländeritt das Springreiten eine von drei Disziplinen ist. „Manchmal ist bei Diva der Name Programm, dann verhält sie sich dementsprechend“, sagt Beitz mit einem Schmunzeln. „Wenn man sie aber für sich gewinnt, kämpft sie kompromisslos und gibt für einen alles.“

Der Gesamtsieg nach zwei Wertungsdurchgängen – einer A*-Stilspring- und einer A*-Springprüfung – hat die 24-Jährige überrascht. „Die Kombination einmal schön, das andere Mal schnell und fehlerfrei zu reiten, ist schon eine besondere Herausforderung“, sagt Beitz.

Jeder Teilnehmer durfte eine Begleitperson mitnehmen

Den Titel in der LK 6 sicherte sich nach einer kombinierten Spring- und Dressurprüfung Anna Cecilia Wagg mit dem Pony Grenzhoehes C’est la vie cheri. Nach einem vierten Platz in einer Aufgabe der Klasse E bei den zwei Wochen zuvor auf dem Hof Hoisdorf ausgetragenen Kreismeisterschaften im Dressurreiten sowie Platz eins bei einem E-Springdurchlauf in Ahrensfelde war der Zwölfjährigen vom PS Granderheide der Gesamtsieg nicht mehr zu nehmen.

In der aufgrund der Corona-Krise kurzfristigen Vergabe der Titelkämpfe sah Organisator Martin Studt kein Problem. „Für den Reitsport im Kreis war es ungemein wichtig, dass trotz der widrigen Umstände die Titelkämpfe sowohl im Dressur- als auch im Springreiten ausgetragen wurden“, sagt der gelernte Pferdewirt. Pro Teilnehmer war lediglich eine Begleitperson erlaubt. Es galten die üblichen Hygiene- und Abstandsregeln.

Familiärer Charakter des Turniers fördert Miteinander

Studt macht sich auch Gedanken über die Rückkehr zu einem ursprünglichen Format von Titelkämpfen auf Kreisebene. „Sowohl vor zwei Wochen in Hoisdorf als auch bei unserem Turnier standen allein die Pferdesportler aus dem Kreis im Fokus, Gastreiter waren nicht zugelassen“, sagt Studt und betont noch einmal den familiären Charakter des reduzierten Formats. „Viele kennen einander, es entsteht wieder mehr ein Mit- als ein Gegeneinander.“

Für den Hofbesitzer, der in dritter Generation die Reitanlage an der Dorfstraße betreibt, hat langjähriger freundschaftlicher Umgang Priorität. Mit Parcoursbauer Horst Milan, der in einer der festen Wohneinheiten auf der Reitanlage lebt, sowie Heiko und Jörg Kieling vom gleichnamigen Spezialisten für Meldestelle und Turnierorganisation bildet er seit Jahren ein kompetentes Team bei der Organisation von Reitveranstaltungen. Mit Richterin Antje Busch-Petersen, die gemeinsam mit Reinhard Korthaus und Frank Weißenberg die sieben Prüfungen der Kreistitelkämpfe fachkundig bewertete, begrüßte Studt auch eine ehemalige Lehrkollegin. Beide hatten Anfang der 1980er-Jahre im Reitstall Klövensteen die gemeinsam die Ausbildung zum Pferdewirt absolviert.

Weitere Platzierungen, Leistungsklasse 3: 2. Line Denker mit Berta, 3. Pia Marie Vogel (beide RFV Zarpen) mit Concord; LK 4: 2. Celine Ramm (RFV Zarpen) mit Claus, 3. Finn Jesse Hess (RFV Hamberge) mit Centurano; LK 5: 2. Jana von Klonczynski (RFV Zarpen) mit Lillifee, 3. Sarah Marie Pesel (RV Oststeinbek-Havighorst) mit Cachaca; LK 6: 2. Frieda Carlotta Witt mit Stolzenweg, 3. Enny Luise Wulf (beide RFV Hoisdorf) mit Louis.