Kreismeisterschaften

Stormarner Dressurreiter glücklich: Endlich wieder Turniere

Die Siegerinnen in den drei Leistungsklassen (v. l.): Lilli Seidel (RGS Ahrensfelde), Aileen Kluge (RFV Hoisdorf) und Joheina Brüchmann (RFV Hoisdorf).

Die Siegerinnen in den drei Leistungsklassen (v. l.): Lilli Seidel (RGS Ahrensfelde), Aileen Kluge (RFV Hoisdorf) und Joheina Brüchmann (RFV Hoisdorf).

Foto: Henrik Bagdassarian

Lilli Seidel, Aileen Kluge und Joheina Brüchmann gewinnen auf Hof Hoisdorf die Kreismeistertitel. Prüfungen in zwei Stunden ausgebucht.

Hoisdorf. Bei Lilli Seidel drückte im wahrsten Sinn des Wortes der Schuh. Eineinhalb Wochen vor den Kreismeisterschaften im Dressurreiten zog sie sich bei Aufräumarbeiten eine schwere Prellung am rechten Fuß zu. Das Überstreifen der Reitstiefel wurde zur Tortur. Tapfer biss die 15-Jährige von der RGS Ahrensfelde die Zähne zusammen. Die Belohnung folgte prompt: Bei den vom Hof Hoisdorf organisierten dreitägigen Titelkämpfen sicherte sich die junge Stormarnerin mit ihrem zehn Jahre alten Wallach Portwein nach zwei Wertungsprüfungen den Titel in der Leistungsklasse (LK) 4.

Fokussiertes Training hat sich für Seidel ausgezahlt

Sowohl in der Dressurprüfung der Klasse L*-Trense als auch tags darauf in der L**-Kandare-Aufgabe lag Seidel am Ende vorn. „Das fokussierte Training während der coronabedingten Zwangspause hat sich ausgezahlt“, sagt sie freudestrahlend. „Porti und ich haben einen großen Schritt nach vorn gemacht.“ Den Titel der LK 3 mit zwei M*-Prüfungen sicherte sich Aileen Kluge vom RFV Hoisdorf mit dem elf Jahre alten Trakehner Wallach Ehramo.

Dass der Turniersport langsam wieder Fahrt aufnimmt, freut die 29-Jährige ungemein. „Nach der mehrmonatige Pause endlich wieder ein Stück mehr Freiheiten zu genießen, versetzt uns Reitsportler doch alle in eine euphorische Stimmung“, sagt Kluge. Mit einem Lächeln fügt sie hinzu: „Dabei ist Ehramo ganz der Alte geblieben. Wieder einmal hat er gezeigt, dass er, sobald es um die Wurst geht, mehr kämpft als während des Trainings.“

Brüchmann siegte auf Hannoveraner Descalino in LK 5

Einen weiteren Titel für den RFV Hoisdorf holte Joheina Brüchmann. Erstaunlich: Die 20 Jahre alte Dressurspezialistin und der Hannoveraner Descalino – Sieger in der LK 5 (je eine A*- und A**-Prüfung) — bestreiten erst ihre erste gemeinsame Turniersaison. Vergangenes Jahr vertraute Wibke Oellers, Eigentümerin des sechs Jahre alten Wallachs, den reiterlichen Qualitäten Brüchmanns und stellte ihr das junge Pferd zur Verfügung. „Die Kreismeisterschaften werden auf jeden Fall mein Saisonhöhepunkt sein, da ich bisher bis Jahresende lediglich einen weiteren Start geplant habe“, sagt die 20-Jährige.

In Zeiten von Corona war die Austragung der Titelkämpfe im Dressurreiten für die Organisatoren auch eine äußerst emotionale Angelegenheit. „Nach dem langen Stillstand war ich einfach überglücklich, als die ersten Teilnehmer mit ihren Pferdeanhängern bei uns auf dem Hof eintrafen“, sagt Nina Stiller vom Hof Hoisdorf. Als nach den ersten Lockerungen feststand, dass 2020 unter Einhaltung strikter Auflagen in Stormarn doch noch Turniere ausgetragen werden dürfen, zögerten die 47-Jährige und ihr Lebenspartner Harald Cornelissen keine Sekunde. „Die Organisation zu übernehmen, um die Saison wenigstens noch zum Teil zu retten, war uns eine Herzensangelegenheit. Auch wenn wir als Veranstalter das erste Mal in Aktion treten“, sagt Stiller, die für den RV Ahrensburg-Ahrensfelde startet. Mit einem Sieg in der abschließenden M*-Dressurprüfung feierten die Mutter von Lilli Seidel und ihr Hannoveraner Wallach Hollywood sogar noch einen persönlichen Erfolg.

In jeder Prüfung waren nur 50 Teilnehmer zugelassen

Vor rund elf Jahren übernahm Cornelissen die Reitanlage an der Dorfstraße. Der Hof Hoisdorf sollte als Anlaufstelle für talentierte Dressurpferde und -reiter etabliert, die jeweiligen Teams von den Anfängen bis hin zu einem hohen sportlichen Niveau gefördert und ausgebildet werden. „Die Ausrichtung der Kreismeisterschaften sehe ich zum Teil auch als Generalprobe für ein eigenes Turnierformat nach Corona, mit dem wir uns in Gedanken schön länger beschäftigen“, sagt Stiller. „Wir denken dabei an ein kleines, aber attraktives Turnier für vielversprechende junge Nachwuchspferde oder ein Format mit wenigen höheren Prüfungen.“

Das Turnierdebüt der beiden Hoisdorfer jedenfalls war ein voller Erfolg. Innerhalb von zwei Stunden waren die jeweils auf 50 Nennungen begrenzten sieben Prüfungen - von der Klasse E bis zur Stufe M* - ausgebucht.

Crew zimmerte Richterpodest und Platzierungstreppchen

Die Vorbereitungen dauerten mehrere Wochen. Tagelang roch es auf dem Gelände nach Farbe und frischem Holz. Mit Pinsel und Farbeimer ausgestattet verliehen Cornelissen und seine Crew Zäunen und Stallungen einen neuen Glanz. In Eigenarbeit zimmerten sie ein komfortables Podest für die Richter sowie Platzierungstreppchen für die Siegerehrungen. Stiller lacht und sagt: „Wenige Tage vor Turnierbeginn musste ich aber die Zügel anziehen und sicherstellen, dass wir langsam vom Renovieren zum Dekorieren übergehen.“

Im Fokus standen auch die notwendigen Sicherheits- und Hygienemaßnahmen. „Es war ein dynamischer Prozess, da sich im Laufe der Vorbereitung die Auflagen schrittweise gelockert haben“, sagt Stiller. In der Dressurhalle galt für Besucher – nicht für Reiter und Richter – eine Mund-Nasenschutzpflicht. Um ein hohes Menschenaufkommen zu vermeiden, verteilten sich die Prüfungen zeitlich großzügig über den jeweiligen Tag. Rund 20 Desinfektionsstände standen auf der Anlage zu Verfügung. Wasch- und Toilettenräume wurden stündlich desinfiziert. Für parkende Autos galt ein Drei-Meter-Mindestabstand. Die Besucher konnten auf dem Parkplatz einen aus dem Internet heruntergeladenen Anwesenheitsnachweis abgeben oder diesen direkt vor Ort ausfüllen. Entsprechend erfasst erhielt jeder ein farbiges Band am Handgelenk.

Die Resonanz von Publikum und Reitern war positiv

Trotz der erschwerten Bedingungen war die Resonanz unter den Reitern und Besuchern durchweg positiv. Stiller: „Alle hielten sich vorbildlich an die Vorgaben. Jeder schien einfach nur froh zu sein, dass es mit dem Turniersport endlich wieder losgeht.“

Am Sonnabend, 12. September, werden die nächsten Kreismeistertitel vergeben. Dann sind die Springreiter auf dem Gelände des Reitstalls Studt in Ahrensfelde an der Reihe.

Weitere Platzierungen, Leistungsklasse 3: 2. Jana Clasen (RGS Ahrensfelde) mit Despacio, 3. Nina Stiller (RV Ahrensburg-Ahrensfelde) mit Hollywood; LK 4: 2. Julia Pommerening (RFG Bargfeld-Stegen) mit Cara Donna, 3. Dominique Grewe (RGS Ahrensfelde) mit Mister Black; LK 5: 2. Johanna Hagemeister (RV Lindau) mit Cwmesgair Ceridwen, 3. Lotta Demski (RFV Hoisdorf) mit First Class