Fussball

Ahrensburger Aufsteiger will sich in Landesliga etablieren

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Arne Bachmann
Ahrensburgs Chefcoach Matthias Nagel (r.) gibt den Spielern Metehan Erdem (l.) und Juvenico Boa beim Trainingsauftakt Anweisungen.

Ahrensburgs Chefcoach Matthias Nagel (r.) gibt den Spielern Metehan Erdem (l.) und Juvenico Boa beim Trainingsauftakt Anweisungen.

Foto: Henrik Bagdassarian

Nach dem Meistertitel trainiert der ATSV wieder – und absolviert am Wochenende die ersten Spiele seit der coronabedingten Pause.

Ahrensburg. In diesem Sommer ist Jens Gohlke der Mann für die Zahlen, wenn es darum geht, den Aufstieg des Ahrensburger TSV in die Landesliga einzuordnen. „Das ist der größte Erfolg seit 21 Jahren“, sagt der 54-Jährige. 1999 war den Fußballern aus der Schlossstadt zuletzt der Sprung in diese Spielklasse gelungen. Noch weiter zurück liegen die letzten Meisterschaften, nämlich 24 Jahre (in der Kreisliga) beziehungsweise 37 Jahre, als letztmals der Titel in der Bezirksliga gefeiert wurde.

Geld an die Spieler fließe beim ATSV nicht

Damals, im Sommer 1983, als Felix Magath den HSV auf Europas Fußball-Thron schoss, zählte Gohlke als 17-Jähriger zum Kader der Ahrensburger Herrenmannschaft, eingesetzt wurde er aber noch nicht. In der Zwischenzeit war Gohlke Spieler, er trainierte gemeinsam mit Wolfgang Müller den 1991er-Jahrgang, der bis heute den Grundstock der Herrenmannschaft bildet, und er war in weiteren Funktionen in der Abteilung tätig. Mittlerweile ist er Sprecher und Liga-Manager des ATSV und kann den Titelgewinn der abgebrochenen Saison diesmal auch als ganz persönlichen Erfolg verbuchen. „Wir haben es mit den echten und wahren Werten geschafft“, sagt er über die Gründe des hochverdienten und souveränen Titelgewinns mit großem Abstand auf die Konkurrenz. „Teamgeist, Zusammenhalt, die ganzen abgedroschenen Worte, die bei uns wirklich das Erfolgsrezept sind.“

Geld an die Spieler fließe beim ATSV im Unterschied zu anderen Vereinen nämlich nicht. Selbst Leistungsträger wie Mihai Bitez, der sich in der Bezirksliga Ost mit 27 Treffern (in nur 19 Einsätzen) die Torjägerkanone sicherte, bekommen laut Gohlke keinerlei Aufwandsentschädigung. Dafür half der Verein dem Rumänen, in Ahrensburg einen Job und eine Wohnung zu finden.

An diesem Wochenende geht’s zweimal nach Niedersachsen

Zahlungen, die über Zuschüsse etwa für Fußballschuhe hinausgehen, werde es auch in der anstehenden Landesliga-Saison nicht geben, auf die sich die Mannschaft seit dieser Woche vorbereitet. Trainer Matthias Nagel muss noch die Corona-Beschränkungen beachten, die Übungen und Spiele mit mehr als zehn Sportlern verbieten. „Ich hoffe, dass Testspiele in Schleswig-Holstein und Hamburg bald wieder möglich sind“, sagt der Coach.

In einigen anderen Bundesländern ist das schon der Fall. Der ATSV tritt deshalb an diesem Wochenende zweimal in Niedersachsen an, am Sonnabend bei Jahn Schneverdingen und Sonntag beim VfL Maschen. Es sind die ersten offiziell angesetzten Fußballspiele einer Stormarner Mannschaft seit Beginn der Corona-Pause.

Testspiele werden auch in Mecklenburg-Vorpommern ausgetragen

Zu beiden Partien darf der ATSV mit einem Kader von maximal 14 Spielern antreten sowie Trainer und Betreuer mitbringen. Die Kabinen dürfen von den Spielern etappenweise genutzt werden, damit sich nicht zu viele Menschen gleichzeitig in den oftmals schlecht belüfteten Räumen aufhalten. Ob seine Spieler die Duschen benutzen dürfen, weiß Nagel noch nicht, auch nicht, ob einige Zuschauer zugelassen sind. „Wir raten jedenfalls niemandem, dort hinzufahren“, sagt Nagel, dem derzeit etwa zwei Dutzend Spieler zur Verfügung stehen. Deshalb wird er am Wochenende zwei fast komplett unterschiedliche Teams auf den Rasen schicken.

Auch in Mecklenburg-Vorpommern werden die Stormarner bald Testspiele austragen. Am 1. August wartet der Hagenower SV, dort gelten aktuell noch weniger Einschränkungen. Die weiten Wege zu diesen Partien nimmt der Club in Kauf, um sich bestmöglich auf die Landesliga-Saison vorzubereiten. Denn es soll nicht bei einem kurzen Ausflug in die Sechstklassigkeit bleiben, der ATSV sieht sich mittelfristig in der Landesliga. „Wir sind jetzt in der Klasse, die zu unseren aktuellen Rahmenbedingungen passt“, sagt Nagel. Wann die Saison startet, in welche Staffel die Ahrensburger eingeteilt werden und wie groß diese Staffel sein wird – all das lässt sich noch nicht mit Sicherheit sagen. Im Moment hoffen die im Hamburger Fußball-Verband organisierten Clubs auf einen Re-Start noch in diesem Sommer.

Oberligaspieler Tatsis soll die Defensive stabilisieren

Große Veränderungen im Kader halten die Verantwortlichen des ATSV nicht für notwendig. Innenverteidiger Alexandros Tatsis (25), der für den SC Alstertal-Langenhorn und den Meiendorfer SV 60-mal in der Oberliga auflief, ist der bislang einzige Neuzugang, von dem sich Nagel eine sofortige Hilfe verspricht: „Er ist auf jeden Fall eine Verstärkung in unserer Defensive, wo wir ja quantitativ eher zu dünn aufgestellt waren. Er ist ein überragender Typ, passt gut in die Mannschaft.“

Ahrensburgs Strategie ist klar und unverändert: Leistungsträger werden nach Möglichkeit im Verein gehalten, neue Spieler nur geholt, wenn sie in das Gefüge passen. „Jeder einzelne Spieler hat seinen Anteil am Erfolg“, sagt Nagel, „nicht nur diejenigen mit den meisten Toren oder Vorlagen. Knapp die Hälfte hat noch nie einen anderen Verein gesehen – das ist überragend.“

Stormarner werden wohl nicht zu Abstiegskandidaten zählen

Als ein Beispiel dafür, wie es bei den Stormarnern gehen kann und soll, nennt Nagel seinen Mittelfeldmann Dennis Sailer: „Er hat beim ATSV in der Kreisklasse angefangen, wurde vor meiner Amtszeit aus der zweiten Mannschaft hochgezogen. Jetzt war er einer der Aufstiegsgaranten und wird Landesliga spielen. Viele sind diesen Weg gegangen oder haben ihn noch vor sich.“

Tatsächlich werden die Stormarner auch ohne namhafte Verstärkungen nicht zu den ersten Abstiegskandidaten zählen. Die jüngere Vergangenheit zeigte immer wieder: Eingespielte Aufsteiger halten in der Landesliga in aller Regel souverän die Klasse.

Der aktuelle Kader:

Abgänge: Philip Herholtz (eigene zweite Mannschaft), Tobias Brachmann (Köln), Niklas Issem (Rostock), Nicolas Sascha Blankertz (Torwarttrainer)

Zugänge: Alexandros Tatsis (zuletzt vereinslos), Benedikt Teichmann (eigene A-Jugend)

Weiter im Kader: Finn-Gerrit Ahrend, Kristijan Andic, Nils Antoni, Lennart Barge, Erik Bielesch, Mihai Bitez, Juvenico Boa, Metehan Erdem, Bekim Galica, Bennet Gollin, Peter Grischke, Joschka Grunwald, Steffen Guttenberger, Lukas Heitmann, Gerrit Huppen­thal, Marc-Daniel Jahn, Malte Kohlsaat, Marc Misselhorn, Jan-Andre Mohr, Benedikt Neumann-Schirmbeck, Dennis Sailer, Thorben Schuenzel, Les Stewart, Marius Timm, Jonas Vogler, Marco Vogler, Nico Zerrath

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