Training

Unter Stormarner Sportlern herrscht Aufbruchsstimmung

| Lesedauer: 6 Minuten
Henrik Bagdassarian
Die Leichtathleten der LG Reinbek-Ohe trainieren in Kleingruppen (v. l.): Mailien Bültmann, Remy Johannsen, Hanna Rummelhagen, Tim Rummelhagen und Trainer Andreas Lange.

Die Leichtathleten der LG Reinbek-Ohe trainieren in Kleingruppen (v. l.): Mailien Bültmann, Remy Johannsen, Hanna Rummelhagen, Tim Rummelhagen und Trainer Andreas Lange.

Foto: Henrik Bagdassarian

Bei vielen Vereinen im Kreis hat das Training begonnen – meist in Kleingruppen und unter Berücksichtigung strenger Hygieneregeln.

Ahrensburg.  Nach den ersten Lockerungen der Corona-Beschränkungen herrscht unter Stormarns Sportvereinen Aufbruchsstimmung. Sport treiben unter freiem Himmel ist auf den Clubanlagen – unter Einhaltung strenger Hygiene- und Abstandsregeln – seit Anfang des Monats erlaubt. Mit einem strikt regulierten Angebot dürfen nun seit Mitte dieser Woche kreisweit auch die Hallen wieder genutzt werden.

Oher Vorstand arbeitete frühzeitig an Hygienekonzept

Nach dem rund achtwöchigen Shutdown des Sportbetriebes hält Gunnar Weitschat, Leichtathletik-Abteilungsleiter und Vorstandsmitglied beim FC Voran Ohe, ein wenig Demut für angebracht. „Jedem von uns ist doch die Wertigkeit, in einem Verein Sport treiben zu können, von einem auf den anderen Tag knallhart vor Augen geführt geworden“, sagt er. Nach der Einstellung des Sportbetriebes war der 42-Jährige darauf vorbereitet, dass die Leichtathletik als kontaktlose Sportart unter strengen Auflagen als erste den Betrieb wieder aufnehmen darf. Für das reibungslose Hochfahren eines zunächst reduzierten Trainings arbeitete der Oher Vorstand frühzeitig an einem entsprechenden Sicherheits- und Hygienekonzept.

„Festen Trainingsgruppen mit maximal fünf Athleten stellen wir jeweils einen Betreuer zur Seite, dieser achtet auch auf die Einhaltung des Sicherheitsabstands“, sagt Weitschat. „Desinfektionsmittel stehen sowohl auf den Sportplätzen als auch in den sanitären Anlagen ausreichend zur Verfügung. Zudem verzichtet jeder auf die üblichen Begrüßungs- und Abschiedsrituale.“ Der schwierigen Zeit gewinnt Weitschat auch eine gute Seite ab. „Die Corona-Krise hat bei vielen Vereinen für einen großen Schub in punkto Digitalisierung gesorgt“, sagt er. „Vorstandssitzungen werden per Online-Videokonferenz abgehalten, Trainingsangebote per Stream angeboten und Apps eingeführt, anhand derer die Mitglieder einer Trainingsgruppe zu- oder absagen können“. Er gehe davon aus, dass die Vereine von diesem Mehrwert auch nach der Krise profitieren werden.

Trainer hofft auf baldigen Start des Wettkampfbetriebes

Als Trainer der Leichtathletikgemeinschaft Reinbek-Ohe – ein Zusammenschluss des FC Voran Ohe und der TSV Reinbek – hofft Weitschat zudem, dass auch der Wettkampfbetrieb schnellstmöglich wieder Fahrt aufnimmt. Davon würde vor allem Stormarns Ausnahmeathlet Tim Rummelhagen profitieren, der sich für die mittlerweile abgesagten Deutschen U20-Meisterschaften in Ulm (Baden-Württemberg) über 110-Meter-Hürden qualifiziert hatte. Weitschat: „Zurzeit können wir nur an den Basics arbeiten und dafür sorgen, dass Tim nicht dass Gefühl für die Distanzen verliert.“ Die Übungseinheiten der Reinbeker Leistungsgruppe leitet Weitschat gemeinsam mit Andreas Lange, dem ehemaligen Deutschen Meister in der Halle über 800 Meter.

Den Auflagen entsprechend angepasstes Training bietet auf der Sportanlage an der Theodor-Storm-Straße von Beginn der Lockerungen an auch die TSV Reinbek. „Wir sind einfach heilfroh, uns wieder bewegen und in altbekannte Gesichter blicken zu können“, sagt Rüdiger Höhne. Als glühender Anhänger der asiatischen Kampfkunst Aikido zählte Reinbeks Geschäftsführer zu den Ersten, die sich nach der Lockerung mit der Trainingsgruppe zu Freiluft-Übungseinheiten verabredete.

Beim Oststeinbeker SV hat trainieren schon Kampfsportler

Auch beim benachbarten Oststeinbeker SV ist das gesteigerte Verlangen, gemeinsam Sport im Verein zu treiben, deutlich spürbar. Bei den mehr als 20 Abteilungen des Vereins stehen die Zeichen jedenfalls auf „Go“. Vorsitzender Hans-Helmuth Luther lacht und sagt: „Unter strikter Einhaltung der Auflagen haben die Taekwondo- und Kung-Fu-Sparte auf der Außenanlage bereits mit dem Training begonnen, alle anderen scharren lautstark mit den Hufen.“

Fußballcoach Andreas Goldau vom VfL Oldesloe zählt die Tage bis zum ersten gemeinsamen Training mit seiner Kreisligamannschaft. „Aufgrund der zeitintensiven Organisation zur Erfüllung sämtlicher Auflagen haben wir die erste Übungseinheit für kommenden Freitag geplant“, sagt der 55-Jährige, der den Tabellenzehnten zu Beginn des Jahres übernahm.

VfL Oldesloe hat für Fußballmannschaften alles vorbereitet

Auf der Sportanlage am Wendum hat der VfL für seine Fußballmannschaften alles vorbereitet: Desinfektionsmittel stehen bereit. Die Spieler kommen in Sportsachen, geduscht wird zu Hause. Auf dem Platz betreut jeweils ein Trainer eine Fünfergruppe, pro Spielhälfte sind maximal zehn Spieler zugelassen. Zweikämpfe sind ebenso untersagt wie das Trainieren von Standardsituationen und das obligatorische Abschlussspiel. Eine Trainingseinheit muss nach 45 Minuten beendet sein.

Trotz der eingeschränkten Möglichkeiten überwiegt bei Goldau die Vorfreude. „Ich kann es kaum abwarten, mit den Jungs auf dem Platz zu stehen, auch wenn wir uns in den kommenden Wochen weitgehend auf Pass- und Schussübungen sowie Laufeinheiten beschränken werden.“

Ahrensburger TSV ist auf weitere Neumitglieder angewiesen

Der Ahrensburger TSV hat seine festangestellten Trainer und die Mitarbeiter der Geschäftsstelle zwar in Kurzarbeit geschickt, aber für einen finanziellen Ausgleich gesorgt. Die seit Jahren stark reglementierte Auswahl an Sportstätten macht dem mit zurzeit 4349 Mitgliedern größten Verein im Kreis zu Zeiten Coronas für ein kontaktfreies Angebot besonders zu schaffen: Die Sportplätze des Schulzentrums Am Heimgarten und der Aalfangschule sind für Vereine nicht freigegeben. Die Sportanlage der Stormarnschule dürfen diesen Sommer lediglich Ahrensburgs Leichtathleten nutzen, da der Sportplatz der Grundschule Am Reesenbüttel aufgrund von Renovierungsarbeiten gesperrt ist. Den Sportplatz am Stormarnplatz teilen sich die ATSV-Fußballer mit zwei weiteren Vereinen. Mit viel Engagement brachte Platzwart Karl-Heinz Wedekind die marode Anlage am Reeshoop gerade noch rechtzeitig in Schuss. Da kommt es gelegen, dass die Ahrensburger mit entsprechendem Hygienekonzept nun auch die diversen Hallen der Stadt wieder nutzen dürfen.

Den Humor hat Jürgen Westphal jedenfalls nicht verloren. „Wir haben die Datenschutzverordnung überstanden, also werden wir auch diese Krise meistern“, sagt der ATSV-Vorsitzende lachend – ehe er mit ernster Miene hinzufügt: „291 Kündigungen zur Jahresmitte sind ein normaler Wert. Was uns fehlt, sind die Neumitglieder, das könnte sich längerfristig negativ auswirken.“

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Sport