Pandemie

Stormarns Fitnessstudios freuen sich auf Wiedereröffnung

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Thomas Jaklitsch
Franka Arndt und Geschäftsführer Christopher Jahnke kleben im großen Kursraum im Parador Ahrensburg Trainingsflächen ab.

Franka Arndt und Geschäftsführer Christopher Jahnke kleben im großen Kursraum im Parador Ahrensburg Trainingsflächen ab.

Foto: Thomas Jaklitsch

Im Parador in Ahrensburg bereiten sich Geschäftsführer und Mitarbeiter seit mehreren Tagen auf den kommenden Montag vor.

Ahrensburg.  Nach neun Wochen Stillstand dürfen die Fitnessstudios in Schleswig-Holstein am kommenden Montag wieder öffnen. Der Studiobesuch wird jedoch nicht derselbe sein wie vor der Corona-Krise. Duschen, Schwimmbecken und Wellnessbereiche werden ebenso wie viele Geräte gesperrt sein. Kurse sollen möglich sein, aber mit deutlich weniger Teilnehmern. Wie bereiten sich die Fitnessstudios im Kreis auf den großen Tag vor? Die Abendblatt-Regionalausgabe Stormarn sah sich beispielhaft im Parador Ahrensburg um.

Im Empfangsbereich befinden sich Anstandsklebefolien

Die diplomierte Fitnessökonomin Franka Arndt kniet gerade im großen Kursraum auf dem Boden und klebt etwa drei Quadratmeter große Flächen ab, in denen sich die Hobbysportler künftig bewegen sollen. Zwischen den einzelnen Vierecken sind mehrere Meter Abstand. „Wir beschränken uns da nicht auf die anderthalb-Meter-Regel, sondern sind da sehr viel großzügiger“, sagt Christopher Jahnke, einer dei beiden Geschäftsführer, während er seiner Mitarbeiterin mit einem Zollstock zur Hand geht. „Wir wollen unseren Angestellten und den Mitgliedern die größtmögliche Sicherheit bieten.“

Auch im Empfangsbereich befinden sich Anstandsklebefolien auf dem Boden, außerdem hängt über dem Tresen eine große Plexiglasscheibe. Jahnke war am Donnerstag in Kassel, um sich dort mit verschiedenen Studiobetreibern zu treffen und auszutauschen. „In Nordrhein-Westfalen sind die Fitnessstudios ja schon seit Anfang dieser Woche geöffnet, deshalb können wir von deren Erfahrungen schon etwas profitieren“, sagt er. Hygiene habe im Parador schon immer eine große Rolle gespielt. „Dass die Sportler zum Training eigene Handtücher mitbringen, wir Stationen zum Desinfizieren anbieten – das ist bei uns nichts Neues. Allerdings haben wir die Zahl der Desinfektionsmittelspender jetzt verdreifacht, die Handtücher müssen eine Mindestgröße haben. Zwischen einzelnen Kursen haben wir künftig eine halbe Stunde Pause, damit sich die Teilnehmer nicht begegnen.“

Trainingszeit sei zunächst auf eine Stunde beschränkt

„Im großen Trainingsraum wurden die Geräte weiter auseinandergezogen“, ergänzt Geschäftsführerin Susanne Greve. „Wo dies nicht möglich war, darf nur jedes zweite Gerät genutzt werden. Darauf werden unsere Mitarbeiter achten.“ Statt wie sonst zweimal soll es künftig viermal pro Tag eine komplette Studioreinigung geben.

Die gut 3000 Mitglieder wurden auf mehreren Kanälen über die neuen Hygienestandards informiert, auf der Homepage, auf Facebook, Instagram oder der eigenen App – aber auch per E-Mail oder per Post.

Die Trainingszeit sei zunächst auf eine Stunde pro Mitglied beschränkt, sagt Jahnke. „Wir wissen, dass wir Mitglieder haben, die gern länger trainieren. Aber es sollen möglichst viele Kunden in den Genuss kommen, etwas für ihre Gesundheit tun zu können.“

Eine Anmeldung oder der Eintrag der Personalien in eine Anwesenheitsliste – wie beispielsweise beim Frisörbesuch erforderlich – ist im Parador nicht notwendig. Jahnke: „Da profitieren wir davon, dass wir ein sehr modernes Studio sind und bei uns alles digitalisiert ist. Jeder Kunde hat ein personalisiertes Armband, mit dem er sich ein- und auschecken und beispielsweise in den Umkleiden Schränke öffnen und schließen kann. So können wir auch die Zahl der Mitglieder steuern, die sich zeitgleich im Studio aufhalten.“

90 Trainingsvideos auf YouTube-Kanal veröffentlicht

Das Parador hat auf mehrere Räume verteilt eine Trainingsfläche von 1500 Quadratmetern. Wenn man die zehn Quadratmeter-Regel pro Person anwendet, dürften damit 150 Mitglieder zeitgleich im Studio sein. Jahnke: „Aber wir müssen erstmal abwarten, wie die Resonanz ist. Bisher hören wir von den Kollegen in NRW, dass die Annahme in den ersten Tage etwas verhalten ist und die Menschen mit viel Respekt zum Training gehen. Das kommt uns entgegen. Wir wollen gerade für die sogenannte Risiko-Gruppe der über 60-Jährigen ein Umfeld schaffen, in dem sie ihre Muskelkraft aktivieren und dadurch etwas für ihr Immunsystem tun können.“ Susanne Greve ergänzt: „Wenn wir etwas aus der Coronazeit gelernt haben, dann ist es, wie wichtig ein intaktes Immunsystem ist.“

Von den knapp 70 Mitarbeitern soll zunächst hauptsächlich das Kernteam der fast 20 Festangestellten im Einsatz sein. Viele von Ihnen waren auch während der Schließung fast jeden Tag im Studio – für Reinigungs- und kleinere Umbauaktivitäten, die Erstellung von Trainingskonzepten oder die Mitgliederkommunikation. Greve: „Wir haben unseren Kunden täglich eine Hotline angeboten, über die sie persönliche Trainingspläne bekommen konnten. Außerdem haben wir etwa 90 Trainingsvideos selbst erstellt und auf unserem neuen YouTube-Kanal veröffentlicht. Das wurde sehr viel genutzt.“

Es sei schön, dass es jetzt wieder losgehen kann

Jetzt sei es aber gut, dass alle wieder in einen normalen Alltagsryhthmus kämen, sagt Jahnke. Für die Studiobetreiber ist die Wiedereröffnung aber auch aus wirtschaftlichen Gründen von großer Bedeutung. Sie sind gesetzlich verpflichtet, den Mitgliedern für die Zeit der Schließung die Beiträge zu erstatten. Jahnke: „Bei uns geschieht das über Gutscheine. Uns fehlen am Jahresende aber nicht nur Beiträge für neun Wochen und Zusatz- oder Nebeneinkünfte aus der Kinderbetreuung oder vom Personaltraining, auch das Neukundengeschäft ist im Moment natürlich völlig eingebrochen. Umso schöner, dass es jetzt wieder losgehen kann.“

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