Stormarn
Jubiläum

Den Judo-Club Ahrensburg gibt es seit 50 Jahren

Noch vor der Verbreitung des Coronavirus kamen Ahrensburgs Judokämpfer in der Sporthalle der Grundschule Am Aalfang für ein Gruppenfoto zusammen.

Noch vor der Verbreitung des Coronavirus kamen Ahrensburgs Judokämpfer in der Sporthalle der Grundschule Am Aalfang für ein Gruppenfoto zusammen.

Foto: Privat

Der 240 Mitglieder starke Verein generiert seine Trainer seit Jahren aus dem eigenen Nachwuchs. Coronavirus verhindert Jubiläumsfeier.

Ahrensburg. Monatelang liefen die Planungen auf Hochtouren. Sein 50-jähriges Bestehen wollte der Judo-Club Ahrensburg in diesem Jahr standesgemäß mit diversen Veranstaltungen feiern. Der Sektempfang im Januar mit 70 geladenen Gästen – unter ihnen Ahrensburgs Bürgervorsteher Roland Wilde und Adelbert Fritz, Vorsitzender des Kreissportverbands Stormarn – fand noch wie geplant im Peter-Rantzau-Haus statt. Dann kam die Corona-Krise. Sie brachte den Sportbetrieb und das gesellschaftliche Leben fast zum Stillstand.

Ingo Mahnke stand 18 Jahre an der Spitze des Judo-Clubs

Gunnar Kripke spricht offen aus, was er denkt, sobald die Sprache auf eine mögliche existenzielle Bedrohung des rund 240 Mitglieder starken Clubs im Jubiläumsjahr kommt. „Da wir nur mit ehrenamtlichen Trainern arbeiten und keine hohen Fixkosten haben, sehe ich eine Zwangspause von mehreren Wochen finanziell nicht als unmittelbare Gefahr“, sagt der Vorsitzende des Judo-Clubs. „Bedrohlich wäre, wenn wir auf längere Sicht nicht mehr in der Lage sind, aus dem eigenen Nachwuchs die kommende Generation an Trainern zu generieren, denn sie werden den Verein auch noch in Jahren am Laufen halten.“

Nach kurzer Denkpause fügt Kripke hinzu: „Dass wir als Verein so lange und erfolgreich bestehen konnten, haben wir den vielen Menschen zu verdanken, die sich in den zurückliegenden 50 Jahren über alle Maße ehrenamtlich für den Verein engagiert haben.“

An der Spitze der Liste steht der Name Ingo Mahnke, der 1984 für die kommenden 18 Jahre den Vorsitz des Judo-Clubs übernahm und den Club gleich zu Beginn seiner Amtszeit aus einer tiefen Krise führte. Der Verein, der bereits Mitte der 1970er-Jahre mit rund 250 Mitgliedern eine Blütezeit erlebte, brach nach internen Streitigkeiten Anfang der 1980er-Jahre beinahe auseinander. Lediglich 28 Mitglieder zählte der Verein damals. Mahnke baute den Club langsam wieder auf. Judokämpfer aus Ahrensburg gingen wieder bei deutschen Meisterschaften an den Start.

Auch der Norddeutsche Rundfunk wurde auf die Ahrensburger aufmerksam

Ende der 1980er-Jahre bot der wieder auf 100 Mitglieder angewachsene Verein mit Judo, Jiu Jitsu und Taekwon-Do drei Kampfsportarten an. 1993 reisten 13 Judoka aus der Schlossstadt nach Tenri (Japan), um an der dortigen gleichnamigen Kampfschule zu trainieren und gemeinsam bei einem Festzug mitzumachen. Im selben Jahr noch besuchte eine japanische Delegation Ahrensburg.

Auch der Norddeutsche Rundfunk wurde auf die Ahrensburger Judokämpfer aufmerksam: Mitte der 1970er-Jahre drehte der Fernsehsender für die „Sesamstraße“ – eine erfolgreiche Serie für Kinder im Vorschulalter – zwei Lehrfilme mit den Sportlern des Judo-Clubs. Mitte der 1990er-Jahre zeichnete der Sender für einen Radiobeitrag mit rund 60 Ahrensburgern die die Wunschsendung „Musikbox“ auf.

Ein Dauerthema in den zurückliegenden Jahren war der Bau einer eigenen Sportstätte. Ein sogenanntes Dojo, maßgeschneidert für die Bedürfnisse des Judo-Sports, ist seit Langem der Wunsch des Ahrensburger Judo-Clubs.

Sportvereine geben Kindern und Jugendlichen Strukturen

„Dazu müsste uns die Stadt ein Grundstück zur Verfügung stellen, die Halle würde der Verein aus eigenen Mitteln bauen“, sagt Kripke. Einen entsprechenden Antrag erläuterte der Vereinsvorsitzende vor zwei Jahren auf einer Sitzung des Bildungs-, Kultur- und Sportausschusses. Seitdem habe er aber von der Behörde nichts mehr gehört, sagt er. Zurzeit trainieren Ahrensburgs Judoka in der Sporthalle der Grundschule Am Aalfang.

Durch die geplante Einführung der Offenen Ganztagsschule (OGS) benötigen die Lehranstalten mehr Hallenkapazitäten für ihr Nachmittagsprogramm. Kripke: „Unsere drei für 15 Uhr angesetzten Übungseinheiten würden jede Woche wegfallen. Unsere Kinder und Jugendliche brauchen einfach die frühen Trainingszeiten.“ Eine gesunde Mischung aus Breiten- und Wettkampfsport, die der JC Ahrensburg anbietet, scheint gerade bei der Jugend in der Schlossstadt gut anzukommen: Von den rund 240 Mitgliedern sind zwei Drittel Kinder und Jugendliche. Auch sportlich läuft es in jüngster Zeit rund: „In den vergangenen drei Jahren waren wir mit fünf Teilnehmer bei Deutschen Meisterschaften vertreten. Darauf bin ich schon ein bisschen stolz“, sagt der Vereinschef, der gleichzeitig auch Trainer ist.

Kürzlich kam Celeste Skobel bei den Anfang März in Frankfurt/Oder (Brandenburg) ausgetragenen nationalen Titelkämpfen zu ihrer zweiten DM-Teilnahme. Seit elf Jahren kümmert sich Kripke um die sportlichen Belange der 17 Jahre alten Schlossstädterin. „Dass Celeste sich seit vier Jahren auch als Assistenztrainerin bei uns im Verein einbringt, rechne ich ihr hoch an“, sagt der 51-Jährige. Der soziale Auftrag eines Clubs hat für ihn einen hohen Stellenwert. Kripke: „Jeder Sportverein kann Kindern und Jugendlichen Strukturen geben und sie lehren, Verantwortung zu übernehmen.“