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Wie Martin Werner in Barsbüttel zum Torjäger wurde

Martin Werner kehrte vergangenes Jahr zu seinem Jugendverein Barsbütteler SV zurück.

Martin Werner kehrte vergangenes Jahr zu seinem Jugendverein Barsbütteler SV zurück.

Foto: Hanno Bode

Bei dem Bezirksligisten ist der junge Fußballer aufgeblüht. Das hat auch das Interesse stärkerer Vereine geweckt.

Barsbüttel.  Martin Werner hat sich einen Kraftparcours unter freiem Himmel gesucht, außerdem geht er regelmäßig joggen. Die Fußballzeit ist bis auf Weiteres vorbei, dabei lief es für den 22-Jährigen vom Barsbütteler SV gerade so gut. Werner trägt es mit Fassung: „Jetzt ist an das Wohl der Anderen gedacht.“ Diese Aussage ist anderthalb Wochen alt. Dass er weit vor dem Kontaktverbot die Zeichen erkannt und Verantwortung übernommen hat, passt nur zu gut zu Werner, wie sein langjähriger Trainer beschreibt.

Nestorovic trainierte Werner schon als Jugendlichen

„Martin“, sagt Zoran Nestorovic, „ist ein Teamplayer, der andere mitzieht. Er nimmt sich nicht raus.“ Herausgeragt hat Werner in der jäh gestoppten Saison trotzdem. Durch Leistung, durch neu oder wiederentdeckte Qualitäten, durch Tore. Mit 17 Treffern ist er hinter Mihai Bitez vom Kreisrivalen Ahrensburger TSV der zweitbeste Schütze der Bezirksliga Ost. Als der BSV im vergangenen Jahr Werner zurück an den Soltausredder holte, sollte das eigentlich für eine Stärkung des defensiven Mittelfelds sorgen. Bis die Idee aufkam, ihm eine deutlich offensivere Rolle zu geben.

Nestorovic trainierte Werner in Barsbüttel schon als Jugendlichen, im A-Junioren-Jahr wechselten sie gemeinsam zum TuS Berne. Damals spielte Werner eher defensiv, gelegentlich aber auch in der Spitze. Nestorovic erinnert sich an einen Jugendlichen, der „immer schon ein sehr guter Fußballer war, es aber körperlich schwer hatte“. In Berne habe er dann einen großen Sprung gemacht. Tatsächlich gelang Werner nach dem Übergang in den Herrenbereich schnell der Durchbruch. Beim Traditionsclub Concordia stieg der VWL-Student auf der „Sechs“ zwischenzeitlich zum Stammspieler auf. Dann kamen die Verletzungen am rechten Fuß. Anriss des Syndesmosebands, Außenbandriss, Knöchelverstauchung. „Sobald das eine verheilt war, kam die nächste Verletzung“, sagt Werner. „Ich weiß nicht, woran es lag. Vielleicht war es Übermotivation.“

Werner kann sich vor Anfragen kaum retten

Nach 26 Oberligaspielen war für Werner Schluss bei „Cordi“, der erste große Rückschlag seiner Laufbahn. Er ging zurück zum Trainer seines Vertrauens, der mittlerweile bei Barsbüttels Herren angeheuert hatte. Obwohl Werners Oberligazeit unglücklich zu Ende gegangen war, erkannte Nestorovic sofort, dass mit seinem Schützling etwas Entscheidendes passiert war. „Vorher ist er Duellen immer aus dem Weg gegangen, hat den Ball vorher abgespielt. Aber ich hatte sofort das Gefühl, dass er bei Concordia im Zweikampfverhalten enorm zugelegt hat.“ Seither kann Werner seine Schnelligkeit noch besser ausspielen. Deshalb wurde er in Barsbüttel ins offensive Mittelfeld geschoben, mit vielen Freiheiten nach vorn. „Mit den Toren kam das Selbstvertrauen“, sagt Werner. „Inzwischen habe ich den Anspruch, in jedem Spiel zu treffen.“

In seinem bislang letzten Einsatz gelang ihm das sogar dreimal. Nach dem 3:0 gegen den SC Vier- und Marschlande bescheinigte dessen Trainer Thorsten Beyer Werner „für diese Liga eine besondere Klasse“. Doch dieser Fakt lässt den Barsbütteler SV um den Verbleib seines derzeit wertvollsten Spielers bangen. Werner kann sich vor Anfragen von höherklassigen Clubs kaum retten. „Ich höre mir momentan sehr, sehr viel an“, sagt er. Auch wegen der Folgen der Corona-Krise wird er sich mit seiner Entscheidung noch etwas Zeit lassen. Klar ist: Eines Tages will Werner zurück in die Oberliga. Klar ist auch: Die Entscheidung des Vereins, Nestorovic zum Saisonende zu verabschieden, hat Werner nicht gerade gefallen. Trotzdem ist eine Vertragsverlängerung weiterhin denkbar, nicht nur, weil Werner in der Nähe des Sportplatzes wohnt. „Ich fühle mich in Barsbüttel mit dem tollen Teamgeist extrem wohl. Es ist eine sehr schwierige Entscheidung für mich.“

In der kommenden Saison will der Barsbütteler SV den Landesliga-Aufstieg anpeilen, der Trainer heißt dann Olaf Poschmann. Auch er wird alles daran setzen, Werner zu halten. „Keine Frage, er spielt exorbitant“, sagt Poschmann. „Er lebt von seiner Geschwindigkeit und unheimlichem Willen. „Er spielt in meinen Planungen eine große Rolle.“ Es werden noch einige Tage oder Wochen vergehen, ehe Werners sportliche Zukunft geklärt ist. Bis dahin gibt es Wichtigeres als Fußball. Sogar für den jungen Torjäger, für den es gerade so gut lief.