Stormarn
Deutsche Meisterschaft

Großhansdorfer Turnerin stellt Sportsgeist unter Beweis

Auf dem Balken besticht Jule Maxeiner mit Eleganz und Grazie.

Auf dem Balken besticht Jule Maxeiner mit Eleganz und Grazie.

Foto: Uli Berger

Jule Maxeiner ist traurig über Absage der Deutschen Titelkämpfe. Die Elfjährige hofft auf eine spätere Ansetzung der DM.

Grosshansdorf. Jule Maxeiner ist ein mutiges Mädchen. Deshalb überrascht es nicht, dass zu den Lieblingsgeräten der elf Jahre alten Turnerin vom SV Großhansdorf der lediglich zehn Zentimeter breite Balken zählt. „Jule ist sehr willensstark, hat konkrete Ziele vor Augen und fokussiert sich nur auf das, was sie wirklich will“, sagt Trainerin Eike Biemann. Lächelnd fügt sie hinzu: „In der Zielsetzung sind wir uns glücklicherweise fast immer einig. Wenn ich Jule ein neues Element erkläre oder zeige, setzt sie es schnell in der Praxis um.“

In der Landeshauptstadt turnte Jule an vier Geräten

Bei den Anfang März in Kiel ausgetragenen Landesmeisterschaften im Geräteturnen der olympischen Kür hatte Jule gleich doppelten Grund zur Freude: Mit dem Gewinn der Bronzemedaille in ihrer Altersklasse (AK 12) löste sie gleichzeitig das Ticket für die Deutschen Jugendmeisterschaften.

Aufgrund des Coronavirus wurden die für kommendes Wochenende in Esslingen (Baden-Württemberg) geplanten Titelkämpfe allerdings abgesagt. Jule nimmt die Entscheidung sportlich. „Dann bleibt mir eben mehr Zeit, weiter an den erforderliche Elemente zu feilen, sobald ein normales Training wieder möglich ist“, sagt die Elfjährige. „Ich hoffe aber inständig, dass die Meisterschaften zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt und nicht ganz abgesagt werden. Darüber wäre ich sehr traurig.“

In der Landeshauptstadt turnte Jule an vier Geräten – Boden, Stufenbarren, Schwebebalken und Sprung – erstmals nach dem internationalen Code de Pointage. Der internationale Standard stellt höhere Ansprüche an die Turnerinnen, er fordert mehr spektakuläre Akrobatik und schwierige Flugteile. Am Sprung überraschte Jule mit einem von ihr erstmals bei einem Wettkampf geturnten Tsukahara - einem Überschlag seitwärts mit einer Vierteldrehung und Salto rückwärts gehockt.

Anforderungen nationaler Titelkämpfe kommen früh

„Dass Jule sich am ersten Gerät gleich dieses schwierige Element zugetraut und die Übung am Ende auch noch gestanden hat, gab ihr einen enormen Motivationsschub“, sagt Biemann. „Sie ist für ihr Alter enorm abgeklärt, einfach ein Wettkampftyp, der präsent ist, wenn es darauf ankommt.“ Dabei sei Jule keine Supertalent, sondern eher eine Sportlerin, die sich den Erfolg sehr hart erarbeiten müsse.

Biemann gibt zu, dass die Anforderungen nationaler Titelkämpfe für das junge Turntalent vielleicht zu früh gekommen wären. Die Riesenfelge, die Riesenfelge in den Handstand und der sogenannte Konterflug mit Holmwechsel beherrscht die Elfjährige noch nicht zu einhundert Prozent. Jule sieht das genauso. „Ich werde weiter hart an den einzelnen Elementen arbeiten, sobald die Sportstätten ihre Türen wieder öffnen öffnen“, sagt die Kaderathletin.

Doch zunächst sind Alternativen gefragt. Die Sportstätten sind aufgrund der Coronakrise bis auf Weiteres gesperrt. Dehn- und Kraftübungen zuhause stehen zurzeit auf dem Programm. Biemann favorisiert zudem über eine App im Internet angebotene Yoga-Übungen. „Den Trimm-Dich-Pfad in Großhansdorf kann ich auch nur wärmstens empfehlen“, sagt die Trainerin. Eine längere Zwangspause sieht sie für einige ihrer Schützlinge als Problem. „Es gibt Turnerinnen, die müssen nach einigen Wochen sämtliche Techniken von Grund auf wieder aufbauen, andere gehen ans Gerät und turnen, als ob sie keinen Tag weg waren“, sagt Biemann.

Die Elfjährige lernt seit zwei Jahren das Gitarre spielen

Die Schulen geschlossen, das Training eingestellt – Langeweile empfindet Jule dennoch nicht. „Sollte es dennoch mal der Fall sein, werde ich es tunlichst für mich behalten“, sagt die Elfjährige und lacht. „Meinen Eltern würden sonst Dinge einfallen wie Zimmer aufräumen oder das Bad putzen.“

Gut, dass die junge Großhansdorferin hat noch weitere Hobbys hat. Die bekennende Leseratte lernt seit zwei Jahren das Gitarre spielen. Songs wie „High Hopes“ von der amerikanischen Alternative-Rock-Band Panic at the Disco oder „We are the People“ des australischen Musikprojekts Empire oft the Sun beherrscht die Elfjährige schon recht gut.

Ein weiteres Lieblingsstück der jungen Großhansdorferin ist die Ballade „Tears in Heaven“ des britischen Blues- und Rock-Gitarristen Eric Clapton. Dass die Elfjährige sogar den Hintergrund des Songs kennt, überrascht. Jule: „Clapton verarbeitet in dem Lied die Trauer um seinen Sohn, der damals im Alter von vier Jahres durch einen Sturz aus dem Fenster ums Leben kam.“