Stormarn
Verpasste Frist

Der SV Preußen Reinfeld verliert Fördergeld

SVP-Vorsitzender Adelbert Fritz ist bedient. Die Sportanlage in Reinfeld bleibt vorerst in einem maroden Zustand.

SVP-Vorsitzender Adelbert Fritz ist bedient. Die Sportanlage in Reinfeld bleibt vorerst in einem maroden Zustand.

Foto: Henrik Bagdassarian / HA

SVP-Vorsitzender Adelbert Fritz kritisiert verpasste Frist für die Auszahlung bereits genehmigter Mittel scharf.

Reinfeld.  Adelbert Fritz ist stinksauer. „Für die dringend notwendige Sanierung der Sportanlage sind uns quasi 750.000 Euro Fördermittel durch die Lappen gegangen“, sagt der Vorsitzende des SV Preußen Reinfeld. „Ich bin maßlos enttäuscht. Wir stehen praktisch vor dem Nichts.“ Für die derzeitige Situation macht Fritz, der auch Vorsitzender des Kreissportverbands Stormarn ist, Bürgermeister Heiko Gerstmann mitverantwortlich.

Im vergangenen Jahr wurde es noch verworrener

„Gemeinsam mit Vertretern aus Politik, Verwaltung und Sportverein haben wir einen Drei-Stufen-Plan für die Sanierung der gesamten Sportanlage beschlossen“, sagt Fritz. Bauabschnitt eins betraf den angedachten Kunstrasenplatz. Stufe zwei umfasste die Sanierung der Leichtathletikanlage und als letzte Baumaßnahme war die Instandsetzung des Sportlerheims vorgesehen.

Dafür sollten Fördermittel bis zu einem jeweiligen Höchstbetrag von 250.00 Euro für die Jahre 2018, 2019 und 2020 rechtzeitig beim Innenministerium des Landes Schleswig-Holstein beantragt werden. „Der Antrag der Stadt Reinfeld für 2018 hätte fristgerecht bis zum 31. März des Jahres gestellt werden müssen, das ist aber nicht geschehen. Damit sind uns die Fördermittel für ein Drittel der Maßnahmen bereits verloren gegangen“, sagt Fritz. Gerstmann widerspricht: „Der Antrag wurde gemäß der geltenden Förderrichtlinien gestellt, bereits damals war aber die Finanzierung seitens der Stadt nicht gesichert.“

Im vergangenen Jahr wurde es noch verworrener: Für die Sanierung der maroden Sportstätte am Bischofsteicher Weg lag bereits eine Zusage der Landesregierung für Fördermittel in Höhe von 250.000 Euro vor. „Die hätten aber auch rechtzeitig abgerufen werden müssen“, sagt Fritz. „Einen Antrag auf Auszahlung hatte Bürgermeister Gerstmann trotz entsprechender Beratung durch das Ministerium aber nicht gestellt, obwohl es einen Beschluss der Stadtverordnetenversammlung gab, den Beginn der Bauarbeiten auch ohne Einzelgenehmigung des Kreises zunächst aus liquiden Mitteln der Stadt Reinfeld zu finanzieren.“

Leichtathletikanlage wohl weiterhin in einem schlechten Zustand

Bürgermeister Gerstmann kontert: „Im Dezember waren alle Fraktionsvorsitzenden informiert, dass ich den Antrag nicht stellen kann, da die Finanzierung immer noch nicht gesichert war.“

Der Antrag für 2019 rutschte zu allem Überfluss in den Topf mit den knapp 130 neuen Anträgen für dieses Jahr. Er wurde neu bewertet, gelangte aber nach dem ganzen hin und her nicht mehr unter die 38 Maßnahmen, die die Landesregierung mit ihrer Förderung 2020 unterstützt.

Auf die Frage, wie es nun beim SV Preußen weitergeht, zieht Fritz nur kurz die Schultern nach oben. „Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht“, sagt der Vereinschef. „Es gibt eine Nutzungsvereinbarung mit der Stadt Reinfeld, die sie zu gewissen Renovierungsarbeiten an dem Sportlerheim verpflichtet. Diese ist bisher aber nicht eingehalten worden.“

SV Preußen hat zurzeit knapp 2200 Mitglieder

Die Leichtathletikanlage bleibt wohl weiterhin in einem schlechten Zustand, obwohl die Stadt die Laufbahn vor zwei Jahren notdürftig überarbeitet hat. „Wohl oder übel werden wir nun mit eigenen Kräften und der Unterstützung des Bauhofes der Stadt alles versuchen, um die Anlage wenigstens einigermaßen gebrauchsfähig zu halten“, sagt Fritz. Kooperationen unterhält der SV Preußen mit dem Kronsforder SV, um mit den leistungsstärkeren Fußballmannschaften im Herren- und Jugendbereich auf Kunstrasen zu trainieren.

Der schlechte Zustand der Sportanlagen hat Einfluss auf die Mitgliederentwicklung in den jeweiligen Abteilungen. Obwohl der Gesamtverein gegenüber dem Vorjahr einen leichten Zuwachs verzeichnet, stagnierten die Zahlen im Bereich Fußball und Leichtathletik. Fritz: „Das ist eigentlich untypisch.“ Vor Jahren noch starteten jugendliche Leichtathleten des SVP bei Deutschen Meisterschaften. Mittlerweile hält sogar Fritz die Laufbahn und Weitsprunganlage für nicht breitensporttauglich.

„Der SV Preußen hat zurzeit knapp 2200 Mitglieder, das sind fast ein Viertel der Einwohner der Stadt“, sagt Fritz. „Vom Bürgermeister erwarte ich nun, dass er umgehend einen Sanierungsplan auch ohne Fördermittel vorlegt.“

Erschwerend könnte allerdings sein, dass in der Stadt Reinfeld – nach jetzigem Kenntnisstand – am Sonntag, 17. Mai, die Bürgermeisterwahlen anstehen.