Stillstand

Coronavirus: Stormarns Sportler in Wartestellung

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Arne Bachmann
Badminton-Spieler Jonathan Persson und sein TSV Trittau blicken in eine ungewisse Zukunft.

Badminton-Spieler Jonathan Persson und sein TSV Trittau blicken in eine ungewisse Zukunft.

Foto: Thomas Jaklitsch

Der Betrieb in sämtlichen Ligen ruht. TSV Trittau kritisiert Badminton-Verband, Volleyball-Saison ist schon beendet.

Ahrensburg. Einen Tag vor dem geplanten Auswärtsspiel in Saarbrücken brach in der Badminton-Abteilung des TSV Trittau Hektik aus. Entgegen seiner eigenen Erklärung vom Vortag schien der Verband wegen der Coronavirus-Epidemie nun doch eine Absage des Saisonfinals zu favorisieren – während die Sportler des TSV teilweise schon unterwegs waren. Die finnische Spielerin Inalotta Suutarinen war gerade in Stockholm zwischengelandet, für den Russen Sergej Sirant hatte der Verein kurz zuvor ein neues Ticket gebucht.

Entscheidung sei alternativlos gewesen

Noch bevor der Deutsche Badminton-Verband (DBV) die Absage des letzten Doppelspieltags in der Ersten und Zweiten Bundesliga offiziell machte, traf Trittaus Abteilungsleiterin Sabina Persson die Entscheidung, Suutarinen wieder zurück in die Heimat zu schicken. Wenig später folgte die Bestätigung: Der Spielbetrieb des DBV ruht bis Ende Mai.

Diese Entscheidung war wohl alternativlos, der Zeitpunkt sorgte aber für Kritik. Noch am vergangenen Donnerstag, als die meisten anderen Sportverbände bereits gehandelt hatten, wollte der DBV die Entscheidung über die einzelnen Bundesliga-Begegnungen den örtlichen Behörden überlassen. Dieses Vorgehen nannte Sabina Persson „total unprofessionell“. Ob der abschließende Doppelspieltag und die Play-offs nachgeholt werden, ist noch offen.

Der Deutsche Volleyball-Verband ist da schon einige Schritte weiter. Die Saison von der Bundes- bis zur Regionalliga ist vorzeitig beendet. Präsident René Hecht begründete den drastischen Schritt so: „Wir befinden uns aktuell in einer Situation, in der wir aufgrund von höherer Gewalt und politischen Empfehlungen eine Entscheidung treffen mussten. Auch die unterschiedlichen Regelungen in sämtlichen Bundesländern, die sich teilweise zusätzlich zwischen den einzelnen Städten unterscheiden, machen eine Fortsetzung des geregelten und fairen Spielbetriebs unmöglich.“

Entscheidungen könnten am Grünen Tisch fallen

Davon ist auch der Oststeinbeker SV betroffen, der in der Regionalliga Nord den siebten Rang belegt. Trainer Sebastian Lemke sagte: „Das ist sportlich schade, die Entscheidung aber nachvollziehbar.“ Über die Regelung zu Auf- und Abstieg will der Verband später entscheiden. Lemke geht davon aus, dass die Liga, in der aktuell nur neun statt zehn Mannschaften spielen, um ein Team aufgestockt wird. Der Tabellenführer SV Warnemünde II wird wahrscheinlich nicht als Meister gewertet, könnte aber trotzdem ein Aufstiegsrecht erhalten. Für welches Szenario sich der Verband auch entscheidet – der OSV hat die Klasse gehalten.

In vielen Sportarten könnten wichtige Entscheidungen über Titel und Ligazugehörigkeiten am Grünen Tisch fallen, sollten die massiven Einschränkungen noch Wochen oder Monate anhalten. Die Fußballer des Ahrensburger TSV etwa stehen in der Hamburger Bezirksliga Ost mit großem Vorsprung an der Tabellenspitze und damit vor dem Aufstieg in die Landesliga. Doch was passiert, wenn die ausstehenden Saisonspiele nicht mehr ausgetragen werden können? Müsste der ATSV dann auch kommende Saison in der Bezirksliga auflaufen? Trainer Matthias Nagel sagt: „Das wäre eine Ungerechtigkeit sondergleichen. Doch auch den aktuellen Zwischenstand zu werten, wäre nicht gerecht.“ Für Nagel gibt es nur eine gerechte Lösung: die Saison zu Ende spielen zu lassen, wann auch immer. Der Coach fordert den Hamburger Fußball-Verband zu Flexibilität auf: „Notfalls muss die Saison halt im Juni oder noch später fortgesetzt und die neue Spielzeit später begonnen werden.“

„Keiner weiß, wie es weitergeht“

Das Coronavirus bremst aber nicht nur den Liga- und Trainingsbetrieb nahezu sämtlicher Sportarten aus, er behindert auch die internen Arbeiten der Vereine. Nagel will seinen Vertrag beim ATSV laut eigener Aussage grundsätzlich verlängern, wird nun aber erst mal abwarten. Denn: „Sollte es zur Annullierung kommen, wäre das für mich ein Grund, mit dem Fußball abzuschließen.“

Bei der Hockeymannschaft des THC Ahrensburg ziehen sich die Personalplanungen noch hin. Eine gezielte Vorbereitung auf die Verbandsligasaison, die eigentlich am 19. April weitergehen soll, ist nicht möglich.

Bei Badminton-Bundesligist TSV Trittau wird auch nach der gecancelten Anreise nach Saarbrücken noch vieles durcheinandergewirbelt. „Wir sind mit Sponsoren und Spielern in Hinblick auf die nächste Saison in guten Gesprächen“, sagt Abteilungsleiterin Persson. „Aber jetzt liegt vieles auf Eis. Keiner weiß, wie es weitergeht.“

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